Lasst uns gemeinsam in diesem Geiste auf der Seite von Chico stehen – ANIMALPEACE

Chico

Von der Götterdämmerung der Erben Neros

In Hannover soll ein Staffordshire-Terrier-Mischling seine beiden Menschen totgebissen haben.Er erfährt eine noch nie da gewesene Welle an Sympathie. Über eine Viertelmillion Menschen unterzeichnen eine Protestnote gegen die angekündigte Hinrichtung des Hundes. Ein gefundenes Fressen für die Medien, allerlei Schlaumeier, Soziologen und „Terethiker“ und anderes wichtigtuerisches Gesindel, kriechen aus den Löchern und haben eine Meinung, die meist Binse an Binse aneinanderreiht. Doch über die offensichtlichen Ungereimtheiten geht man nonchalant hinweg. Die interessanten Fragen werden nicht gestellt. Die innovativen Antworten fehlen.
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Die offizielle Version:
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Eine Familie „mit Migrationshintergrund“ schafft sich 2012 einen Staffordshire-Terrier-Mischling an. Das ist leicht möglich, Hunde sind eine Ware, ein Handelsgut wie einst die schwarzen Sklaven aus Afrika. Die Anschaffung erfolgt offenbar aus Gründen des Selbstschutzes. Die Entlassung des gewalttätigen Ex-Ehemanns steht bevor. 2006 hatte dieser seiner Frau mit einer Axt zum Invaliden gehackt. Sie sitzt seitdem im Rollstuhl. Der Sohn ist kleinwüchsig, ihm wird Drogenmißbrauch unterstellt, zwischenmenschliche Gewalt und Kriminalität sind der Hintergrund dieser Familie. Dann der Tag im April, die Schwester erreicht ihre Angehörigen nicht telefonisch und fährt vor Ort. Durch ein Fenster entdeckt sie den leblosen Körper ihres Bruders und informiert die Polizei. Der Hund, erkennbar nicht mit Blut besudelt, wird von der Feuerwehr eingefangen und ins Tierheim gebracht, wo er als ängstlich und verunsichert beschrieben wird. Jedenfalls nicht als aggressiv. Freudlich wedelnd sieht man ihn Tage später, wie er an der einfachen Leine von einem Tierheimmitarbeiter gassi geführt wird. offenbar glaubt man selber nicht an die Geschichte von der blutrünstigen Bestie.
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Blitzschnell wird der Täter ermittelt. Die Obduktion ergibt als Todesursache Verbluten durch Hundebisse. Die Geschichte ist so auffällig simpel, dass den Reportern die kritischen Fragen im Halse stecken bleiben.
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1. Wurde über DNA-Abgleich sichergestellt, dass es der anwesende Hund war, der zugebissen hat? Was hat die Spurensicherung sonst ergeben? Immerhin gibt es einen Gewalt und Kriminalitätshintergrund,da sollte schon genauer ermittelt werden, nicht dass da am Ende ein Doppelmord übersehen wird.
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2. Wo steckt der Ex-Ehemann?
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3. Wie ist es möglich, dass ein Hund zwei Menschen zu Tode beißt und kein Nachbar bekommt etwas mit (Schreie, Knurren, Bellen, Poltern)?
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4. Wie ist es möglich, durch ein Fenster zu schauen? Die Bilder des Hauses zeigen keine Außentreppen, die das technisch ermöglichen würden.
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5. Warum zeigt der Hund praktisch keine Blutspuren nach seinem vorgeblichen Massaker?
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Es werden auch diese Ungereimtheiten sein, die zusammen mit der traurigen Biografie des Hundes zu dieser beispiellosen Solidaritätswelle geführt haben. Chico verbrachte seine Existenz als Leibeigener größtenteils wohl in einem Käfig, seine Notdurft musste er auf dem Balkon verrichten. Ein derart misshandelter Hund darf heutzutage auf Solidarität hoffen. Tatsächlich gibt es psychologische Untersuchungen dazu, dass Menschen ihr Mitgefühl den Hilflosen zukommen lassen, in erster Linie Babys/Kindern und Welpen. Erwachsene Hunde erwecken mehr Mitleid als erwachsene Menschen, wohl weil sie generell als hilfsbedürftiger betrachtet werden. Die Solidarität für Chico ist nicht erstaunlich, wie es Tierhasse behaupten. Sie ist normal.
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Genau dieser Umstand ist es, der die eifersüchtigen Anthroprozentriker auf den Plan ruft. Man wundert sich, man beklagt fehlende menschliche Solidarität – mit offensichtlichen Tätern. Denn was anderes sollen Menschen sein, die einem fühlenden und denkenden Lebewesen zumuten, seine Existenz im Käfig zu verbringen? „2000 gab es solche Debatten noch nicht“ beklagt in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung die „Tierethikerin“ Ursula Wolf, die sich in ihren besseren Tagen intensiver und zu der damaligen Zeit fortschrittlich mit Tierrechtsfragen auseinandersetzte. Das sei „Zuviel des Guten“. „Es verletzt das Rechtsempfinden vieler Menschen, wenn an dem Hund die Todesstrafe vollstreckt wird“, wird der Geschäftsführer des Tierschutzvereins Hannover, Heiko Schwarzfeld, zitiert, um darauf zu höhnen: „Todesstrafe? Für einen Vierbeiner?“ Die Autorin verweist im Geiste des Korinthenkackers auf den Rechtstatus der Tiere als Sachen. Kaum zu glauben, dass die studierte Philosophin nicht weiß, dass der Legalismus als moralisches Prinzip nichts taugt, soviel sollte sie von Kant schon verstanden haben. Aber offensichtlich hält sie den Leser für völlig hirnverbrannt.
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Denn tatsächlich führt das Wort „Todesstrafe“ zum eigentlichen Kern der Problematik. Die Todesstrafe ist abgeschafft, heißt es in Artikel 102 unseres Grundgesetzes. Es ist Teil unserer Verfassung. Auch die grausamsten Gewaltverbrecher, Serienmörder, Kinderschänder, können auf unseren Rechtstaat insoweit vertrauen, als dass sie ein ordentliches Verfahren bekommen, das einer Verurteilung vorausgeht. Bei einer Verurteilung droht als schlimmste Strafe Gefängnis bei Schuldfähigkeit. Bei fehlender Einsichtsfähigkeit Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie. Dies entspricht unserer Vorstellung von Recht. Sie wird als humanitäre Errungenschaft gesehen, zuindest von denen, die den Wert erkennen und erleben.
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Aus diesem moralischen Konzept werden Tiere herausgehalten aufgrund eines Umstandes, für den sie nicht können und der auch ethisch gesehen keine echte Grundlage liefert: ihre Artzugehörigkeit. Sie werden stigmatisierend aus dem Rechtsverständnis ausgeschlossen, weil sie einer falschen Gruppe angehören. Doch diese feudalistische Selbstherrlichkeit wankt und das ist eine hoffnungstiftende Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte. Der Blick dringt zunehmend auf das Wesentliche: dass auch andere Arten fühlen und denken können, dass sie ebenso nach Glück streben und Leid vermeiden, dass sie an ihrem Leben hängen wie die Machthaber eben auch. So sehr dies die Überzeugungsfeudalisten auf der Sonnenseite der Macht und des Rechts auch grämt und sie alte Totschlagargumente aus den Schubladen holen wie das Unwort „Vermenschlichung“ werden sie diese Entwicklung nicht aufhalten. Diskriminierung hat etwas mit Macht und Missbrauch zu tun und nicht mit Mitgefühl und mit Gerechtigkeitsempfinden, Gefühle, die uns angeboren sind und die nur durch Gewalt und Gehirnwäsche unterdrückt und pervertiert werden können. Bei Hunden (auch Katzen und menschenaffen) bricht nun endlich wieder hervor, was so lange pervertiert war: das Rechtsempfinden.
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Bei Chico spielen tatsächlich ausschließlich folgende Aspekte eine Rolle und die bewegen sich jenseits der Fragwürdigkeit seiner Schuld am Tod der beiden Menschen.
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Chico ist – Mißhandlungen hin oder her – sicher nicht schuldfähig. Schuldfähigkeit beginnt nämlich erst mit 14 Jahren, volle Schuldfähigkeit wird erst mit 18 (teilweise erst mit 21) Jahren vorausgesetzt.
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Die Todesstrafe ist abgeschafft – sogar für voll schuldfähige Intensivtäter.
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Die Gesellschaft hat ein berechtigtes Interesse an Schutz vor gefährlichen Mitgliedern, aber ganz sicher nicht auf Rache und Vergeltung an einem Schuldunfähigen.
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Unsere Gesellschaft lässt sich unseren Rechtstaat viel Geld kosten, sehr viel Geld. Allein Bayern hat für den Maßregelvollzug im Staatshaushalt 2015/2016 rd. 280,6 Mio. Euro bzw. rd. 288,5 Mio. Euro veranschlagt. Der Tagessatz lag 2015 bei über 260 Euro pro Patient. Es ist höchste Zeit, ein vergleichbares Konzept zu entwickeln und einzurichten, in dem gefährliche Hunde in Würde ihr Leben verbringen können, wenn ein weiterer Aufenthalt in der Gesellschaft aus Sicherheitsinteressen nicht zu verantworten ist. Warum sollten sie es nicht wert sein, ein sadistischer Meuchelmörder aber schon?
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Dabei wären die Kosten für die Unterbringung nur ein Bruchteil derer für menschliche Häftlinge, dies nur am Rande bemerkt und für die Pfennigfuchser und Geizhälse, die meinen, Würde und Kultiviertheit gäbe es für lau. Lasst uns gemeinsam in diesem Geiste auf der Seite von Chico stehen. und für ihn das beste hoffen und fordern.
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Silke Ruthenberg
ANIMAL PEACE
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Kommentare

  • Dagmar Stache  On 13. April 2018 at 14:01

    Toll geschrieben !

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  • curi56  On 13. April 2018 at 16:43

    Hat dies auf straydogsworldwide.wordpress.com rebloggt.

    Gefällt mir

  • curi56  On 13. April 2018 at 17:17

    Meine Frage: nach all den Erläuterungen
    habe ich mir meine eigenen Gedanken
    über diesen Vorgang gemacht:
    Man sprach darüber. dass der Sohn der Familie
    drogenabhängig gewesen sei (nichts Böses über die Toten)
    Er sei mit dem Hund nachts auf die Straße gegangen
    Es habe unendlich viel Streit bei dieser Familie gegeben
    Den Hund habe man so gut wie nie draußen gesehen

    usw.
    KANN ES SEIN – DASS NICHT DER HUND DIE BEIDEN MENSCHEN
    TOT GEBISSEN HATTE, SONDERN EIN DROGENDEALER-MÖRDER

    UND MAN FLUGS DEN MORDVERDACHT AUF DEN ARMEN CHICO GELENKT HATTE

    Überdies sei der Vater in der Wohnung gewesen, als die Tat
    passiert sei….

    Ich glaube niemals, dass ein so alter, sklerotisch wirkender,
    wahrscheinlich Athrose Gbeutelter Hund zwei Menschen
    totgebissen hat.
    ER WAR JA AUCH STÄNDIG IM KÄFIG, er durfte gar nicht
    in der Wohnung umherlaufen, nur auf den Balkon ließ man ihn
    hinaus, und auch nur, um seine Notdurft zu verrichten!
    Er wurde nur an der Leine aus der Wohnung hinausgeführt –
    des nächtens!!!!

    Man sollte den Fall „Chico“ nochmals dahin gehend beleuchten

    TIERHERZLICHE GRÜSSE
    ANNAMARIA

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  • Michael Damberger  On 15. April 2018 at 01:37

    Ich finde das gut geschrieben, und hätte auch gerne die Antworten auf die gestellten Fragen. Nur den einen Absatz finde ich unpassend, in dem argumentiert wird, Chico wäre nicht schuldfähig, weil er unter 14 Jahre alt ist. Das passt nicht, wenn man eine Volljährigkeit für Hunde annehmen möchte, dann müsste man das an die Lebenserwartung von Hunden anpassen.

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