Gestopft, gemästet, gequält – die Martinsgans ist „gans“ arm dran

Der grausamen Prozedur des „Stopfens“ fallen unzählige Enten und Gänse zum Opfer

Auch Foie gras, die Gänseleber, gilt als besondere Delikatesse. Der Konsum von Gänsefleisch und Gänsestopfleber zu Vorweihnachtszeit und St. Martin macht fast die Hälfte des Jahresgeschäftes aus. Woher das Fleisch in der Kühltheke aber stammt; was hinter Leber und Leberpastete steckt, ist vielen Verbrauchern unbekannt. Was viele Konsumenten ebenfalls nicht wissen: „Foie gras“ heißt übersetzt „fette“ – also kranke – „Leber“.

Zwar ist die Produktion von Gänsestopfleber in Deutschland durch das Tierschutzgesetz verboten, sie ist jedoch auch hierzulande beliebt, und so sind Import und Verkauf auch noch immer erlaubt. Der neben Ungarn und Bulgarien wichtigste Produzent von Stopfleber in Europa (und gleichzeitig weltweit) ist Frankreich ─ bis zu 80­ % der gehandelten Produkte aus Stopfleber stammen aus unserem Nachbarland. Zwar dürfte sie auch dort eigentlich nicht produziert werden, auch Frankreich hat ein strenges Tierschutzgesetz. Als „nationales Kulturgut“ aber gilt für die vermeintliche Delikatesse eine Ausnahme.

Der grausamen Prozedur des „Stopfens“ fallen unzählige Enten und Gänse zum Opfer, alleine Deutschland importiert jährlich ca. 170 Tonnen französische Stopfleber – bis zu 50 % des Geschäftes werden auch hierzulande zur Weihnachtszeit gemacht. Zahlreiche Beobachtungen belegen, dass die Vögel während der Zeit des Stopfens zu Tode gemästet werden. Sie werden jedoch in der Regel geschlachtet, bevor sie an den Folgen der Mast und der Zwangsverfettung der Leber sterben. Doch nicht nur die Leber der gequälten Tiere wird auch in Deutschland verkauft. Das Fleisch der Tiere bietet für die Stopfmäster ein lukratives Nebengeschäft: „Gans aus bäuerlicher Haltung“, „Ungarische Hafermastgans“ oder „aus kontrollierter Haltung/Aufzucht“ sind Bezeichnungen, die nicht geschützt sind. Häufig findet nur der aufmerksame Verbraucher im Kleingedruckten den Hinweis: „aus Stopfmast“. Ca. 6000 Tonnen Gänsefleisch aus Stopfmast importierte Deutschland 2008, der größte Teil wird auch derzeit als Keule oder Brustfleisch eingeführt. Die meisten Verbraucher lehnen die Stopfleber zwar ab, viele unterstützen aber mit dem Kauf des Fleisches die Produktion. Dabei kann der Verzehr von Geflügelfleisch aus den unterschiedlichen Formen der industriellen Massentierhaltung nicht nur Gewissensbisse, sondern durchaus sogar gesundheitliche Risiken für den Konsumenten bedeuten, wie Experten warnen. So ist die Gefahr der Vogelgrippe etwa immer noch nicht einzuschätzen, auch können sich Salmonellen und Krankheiten unter den oft sehr eng und nicht artgerecht gehaltenen Tieren rasch ausbreiten. Viele Tiere werden (teilweise trotz Verbot) daher auch mit Antibiotika behandelt, um die Qualen der Mast bis zur Schlachtung zu überstehen. Im schlimmsten Fall können diese Medikamente schließlich beim Menschen, der das Fleisch verzehrt, lebensgefährliche Resistenz gegen Krankheitserreger hervorrufen.

In den vergangenen Jahren konnte die Nachfrage nach Gänsefleisch in Deutschland nur zu maximal 20 % aus eigener Produktion gedeckt werden, über drei Viertel des hier verzehrten Gänsefleisches werden aus dem meist osteuropäischen Ausland importiert. Besonders Polen und Ungarn gehören zu den Hauptexporteuren; das Risiko, beim Griff in die Kühltruhe Fleisch von Tieren aus der Stopfmast zu finden, ist also erheblich. Herkunft und Aufzucht der Tiere werden zudem oft bewusst verschleiert oder gar nicht angegeben. Wird eine deutsche Mastgans teilweise noch ca. ein halbes Jahr auf der Weide gemästet, gelangt gerade das Fleisch der Tiere aus der Stopfmast nach oft nur 9-15 Wochen in die Supermärkte. Tierschützer bemängeln allerdings auch in Deutschland eine fehlende, bundesweit einheitliche Haltungsverordnung für Mastgänse. Gerade in den letzten Wochen und Tagen der Mast werden die Tiere oft auf viel zu kleinem Raum eingepfercht. Daher rät auch der Deutsche Tierhilfe Verband besonders zu Weihnachten, genau auf die Herkunft des Fleisches zu achten oder besser noch ganz darauf zu verzichten, um nicht (unwissentlich) Tierquälerei zu unterstützen und zu finanzieren. Wer nicht auf den Gänsebraten verzichten kann, der sollte ihn beim regionalen Bauern frühzeitig vorbestellen und sich am besten bei der Abholung vor Ort von der artgerechten Haltung der Tiere überzeugen.

Gestopft, gemästet, gequält, so lautet der Titel dieses Artikels und der aktuellen Videodokumentation des Deutschen Tierschutzbüros. Dabei ist es für die Millionen von Gänsen mehr als ein Titel, es ist Alltag, der Gänsealltag.

Jetzt bestellen: die Videodokumentation des Deutschen Tierschutzbüros.
Die Videobilder decken schonungslos auf und blicken hinter die Kulissen von Stopfmastbetrieben in Frankreich sowie eines Gänsemastbetriebes in Deutschland.

Die Dokumentation „Gänsealltag“ kann für einen Unkostenbeitrag von 14,99 € (zzgl. Versandkosten) über den Shop des Deutschen Tierschutzbüros unter
http://www.tierschutzbuero.de/shop/product_info.php?products_id=14
bzw. Tel.: 0221-20463862 bestellt werden.

Videotrailer:

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