Schlagwort-Archiv: tierrecht

Über die Gefühle und Gedanken der Tiere – veganmania/Ostern vegan

Buchvorstellung:

Wer bist Du?

Über die Gefühle und Gedanken der Tiere

IMG_0820Es gibt zwei starke Gründe, den anderen Tieren ihre Rechte zurückzugeben, die ihnen mit der Macht der Tyrannei und der Hybris vorenthalten werden: Wer keine Rechte hat, dem ergeht es schlecht auf dieser Welt. Wir brauchen nur in die Ställe schauen, die Schlachthofe, Zoos und Zirkusse und auch die Privathaushalte mit den in Käfigen lebendig begrabenen Meerschweinchen und Kanarienvögeln, dann sehen wir die Folgen von Rechtlosigkeit.
Der zweite Grund, den anderen Tieren ihre Rechte zurückzugeben, ist ein nicht minder starker: Sie sind es wert. In ihrer Klugheit, ihrer Schönheit und in ihrer Sensibilität.

IMG_0866

 

Laura Schneider („Marienhof“) hat Silke Ruthenberg auf der Veganmania Ostern 2018, München, zu diesem Thema interviewt. Hier das ganze Interview in drei Teilen.

 

 

Das Buch mit etwa 300, zumeist wissenschaftlichen Belegen für die Klugheit und Sensibilität von der Muschel bis zum Menschenaffen erscheint Ende April im Buchhandel.

 

Deshalb bin ich gegen Menschenrechte – ANIMALPEACE

Menschenrechte und Tierrechte

Ein Ding oder ein Widerspruch in sich?

Tierrechte und Menschenrechte werden gern in einem Atemzug genannt. Wohlgemerkt von Tierschutzbewegten und praktisch nie von Menschenrechtsaktiven. Allein das macht die These verdächtig, ob dahinter wirklich eine sinnvolle Analogie steckt oder es allenfalls nur eine schwachsinnige, vielleicht sogar im Kern schädliche Phrase ist.
.
Um dieser Frage nachzugehen, ist eine Begriffsklärung im Vorfeld sinnvoll. Menschenrechte sind zunächst subjektive Rechte, die jedem Menschen gleichermaßen “aufgrund seines Menschseins” zustehen. Dazu gehören das Recht auf Leben, auf Freiheit, auf Unversehrtheit, auf Schutz vor Diskriminierung, Folter und einiges mehr. Praktisch alle Staaten der Welt anerkennen die Menschenrechte prinzipiell! Sie sind Bestandteil des Grundgesetzes und Internationaler Deklarationen. In den meisten Ländern werden Verstöße gegen Menschenrechte sanktioniert mit teils erheblichen Strafen. Menschenrechte müssen nicht gefordert werden. Sie existieren!
.
Wenn wir von Tierrechten sprechen wird bereits die Definition schwieriger. Viele “Tierrechter” meinen, sie seien “Tierrechtler”, weil sie bessere Schutzgesetze für Tiere fordern, die deren Leiden abschaffen. Historisch kam der Begriff aber mit einer anderen Konnotation und einer anderen Anspuchshaltung auf: Tierrechtler fordern für die Tiere (zumindest für die denkenden, fühlenden unter ihnen, also diejenigen mit Bewußtsein) subjektive Rechte in Analogie zu dem Menschenrechten, konkret zumindest das Recht auf Leben, Freiheit, Unversehrtheit, ganz einfach, weil sie ein vergleichbares Interesse an solchen Rechten haben wie Menschen. (Anmerkung: Tierschutzgesetze legen die Rechte des Menschen am Tier fest, NICHT Tierrechte. Selbst ein allerbestes Tierschutzgesetz räumt Tieren keine Rechte ein, sondern beschränkt nur die Verfügungsgewalt des Menschen. Tierrechte gibt es nirgendwo auf der Welt. Kein einziges Tier von der Muschel bis zum Schimpansen hat auch nur ein einziges Recht. Nirgendwo.
.
Unbenanntmn
Aus dieser Begriffsdefinition ergibt sich bereits, dass das Nennen beider Begriffe in einem Atemzug die wesentliche Realität dazu verschleiert. Aber das Problem geht noch tiefer.
.
.
1.) Menschen SIND Tiere, sie sind EINE Art von weit mehr als einer Million Tierarten. Von Menschen und Tieren zu sprechen ist so sinnvoll wie von Birken und Bäumen, Rosen und Blumen, Löwen und Säugetieren, Menschen und Frauen/ Schwarzen/ Russen. Hier wird ein Gegensatz unterstellt, der de fakto nicht da ist, da die eine Gruppe implizit Bestandteil der anderen Gruppe ist, was mit der Auseinanderdividierung aber verschleiert wird, noch schlimmer: indirekt sogar bestritten wird. Das geschieht natürlich mit der Absicht, fälschlich zu suggerieren, Menschen wären gar keine Tiere, oder bestenfalls ein ganz besonders Tier, das keinesfalls mit den anderen in einem Atemzug genannt werden darf. Diese Botschaft wird der Floskel untergeschoben und dann in der ständigen Praxis zur ideologischen Realität ohne tatsächliche Substanz. Der Wendung “Menschen und Tiere” ist bereits Propaganda gegen Tiere.
.
.
2.) „Menschenrechte“ ergeben sich allein aus der Zugehörigkeit zur Art Mensch – so wird es begründet. Egal, wie dieser Mensch beschaffen ist, hat er dieses Recht per se. Weil er eben Mensch ist. Es ist also de facto nur ein Feudalherrenprivileg, ein selbstverliehenes Sonderrecht für die herrschende Art auf Grundlage einer gigantischen Diskriminierung aller anderen Arten, denen dieses Recht vorenthalten wird. Kraft einer moralisch irrelevanten, metaphysischen Annahme “Besonderheit der Zugehörigkeit zu einer Art” werden diese Rechte verliehen. Groteskerweise bzw. logischerweise ist hierbei die begünstigte Spezies gleichzeitig Partei und Richter in einer Person: es sind Menschen, die sich selbst Rechte verleihen und den Nichtmenschen diese Rechte vorenthalten. Ätsch. Das Menschenrecht ist damit das Rechtsverständnis einer Bananenrepublik. Dies ist umso pikanter, weil der Grundidee des Rechts die Absicht vorausgeht, dem “Recht des Stärkeren” aus Gerechtigkeitserwägungen etwas Wirksames entgegenzusetzen und eben den Schwächeren vor dem Stärkeren beschützen soll und nicht den Starken zusätzlich priviligieren. Das Menschenrecht tut das Gegenteil: es begünstigt den Sieger. Es ist Zweiklassenjustiz. Es ist Diskriminierung par excellence. Privilegien zementieren Ungerechtigkeiten zu geltendem Recht. Das Menschenrecht ist in seinem Kern faschistisch und gehört als ein solches abgeschafft, weil es eine in Gesetzform gegossene Diskriminierung aller fühlenden, denkenden Individuen ist, die der priviligierten Art nicht angehören,nur weil sie dieser Art nicht angehören. Aus diesem Grund MUSS ein Tierrechtler Menschenrechte ablehnen und ihre Abschaffung einfordern.
.
.
3.) Die Unterstellung, man müsse für Menschenrechte sein, um Tierrechte fordern zu können, verschleiert die Wirklichkeit in einem zentralen Punkt: Menschen haben Rechte, alle anderen Tierarten haben KEINE Rechte. Wenn Menschen diese Rechte verweigert werden bzw. gegen diese Rechte verstoßen wird (durch staatliches Handeln, diskriminierende Gesetze oder durch Verbrechen), dann leiden sie im UNRECHT. Das ist nicht unbedingt ein Trost und oft ist trotzdem Hilfe fern, aber darin liegt ZUMINDEST die Anerkennung, dass ihnen UNRECHT geschieht. Alle anderen Tiere leiden ZURECHT, im RECHT. Darin liegt auch die völlige Aussichtslosigkeit darauf, dass ihnen Recht widerfahren kann! Das beste, was ihnen geschehen kann, ist ein Gnaden und wir wissen, wie gering selbst diese Aussichten sind. Sie leiden ZUDEM unter der Gewalt derer, die Rechte haben. TÄTER haben RECHTE. Menschenrechte. Und fast alle Menschen sind Täter! Diejenigen Tierschützer und Tierrechtler, die immer das Menschenrecht so hoch halten, betreiben Opferverrat und übelsten Täterschutz, ein Schutz von Tätern, die keine Strafe befürchen müssen, also die allerfeigsten Täter überhaupt.
.
.
4.) Wer “Menschenrechte” fordert – was in sich ja schon falsch formuliert ist, da es sich dabei allenfalls um die DURCHSETZUNG von BESTEHENDEN Menschenrechten handelt, da es Meschenrechte ja schon gibt – fordert Rechte für TÄTER und PRIVILIGIERTE ein – fast in allen Fällen. Das ist gutes Recht, mag in manchen Fällen auch angebracht sein und steht unabhängig und für sich als Herausforderung in der Welt. Es geht hier also nicht um rethorisch trickreiches Aufrechnung und gegenseitiges Ausspielen von Verlierern. Dies aber mit der Forderung nach Tierrechten zu verknüpfen – die es ja eben nicht gibt und eben eine echte Forderung darstellen – nennt Dinge in einem Atemzug, die nicht zusammengehören und die das Schicksal der Tiere unerträglich relativiert bzw. verharmlost. Was würde man wohl rückwirkend über Leute sagen, die bei den Protesten von ausgebeuteten Arbeitern im Industriezeitalter Schilder hochhalten würden mit dem Text: „Fabrikbesitzer haben auch Rechte“ und in “Arbeiterrechte” eine Diskriminierung des Fabrikbesitzers vermuten würden. Ich bin sicher: wer das bei den Arbeiteraufständen getan hätte, hätte sein leben riskiert und das Zurecht. Es wäre Kollaboration mit dem Feind. Genau das tun Leute, wenn sie von Tierrechtlern das Menschenrechtsbekenntnis abverlangen.
.
.
5.) Es gibt noch einen weiteren Punkt, Menschenrechte abzulehnen. Rechte zu haben macht rasch BLIND für die Folgen von Rechtlosigkeit. Dh. eben auch, dass das Menschenrecht blind macht für die Folgen der Rechtlosigkeit für Tiere. Die Gewalt gegen Tiere mit ihren Milliarden Gesichtern und Schicksalen ist allein die Folge der prinzipiellen Rechtlosigkeit. Wir Menschen wissen nicht (mehr), wie es sich anfühlt, rechtlos zu sei. Und welche ungeheure Schutzmacht von Rechten ausgeht, weil wir sie nämlich allzuselbstverständlich in Anspruch nehmen. Das Menschenrecht erschwert die Verwirklichung von Tierrechten, es ist sogar ein Grund, es anderen Arten zu verweigern. Einen “gerechten Staat” entwirft man nicht als per se egoistisches Triebwesen, wenn man schon vorher weiß, dass man zu den Priviligierten gehört. Nicht umsonst sprach John Raws vom “Schleier des Nichtwissens” als Voraussetzung für die Entwicklung eines gerechten Gesellschaftsordnung.
 .
.
Fazit: Wer Tierrechte=Menschenrechte proklamiert, verhöhnt die Milliarden rechtlose Individuen und den Genozid an ihnen. Wer Tierechte will fordert die Abschaffung des Fedalherrenprivilegs Menschenrecht. Das Recht auf Leben, Freiheit, Unversehrtheit, Schutz muss allen Arten zustehen. Nur dann ist es ein Recht und kein Privileg des Machthabers.
.
Deshalb bin ich gegen Menschenrechte. Deshalb bin ich für Grundrechte für alle fühlenden, denkenden Individuen. Niemand darf aufgrund seiner Artzugehörigkeit benachteiligt oder bevorzugt werden.
 .
.
Silke Ruthenberg
ANIMALPEACE

Seid den Tieren loyal, sie sind es wert – Silke Ruthenberg

Die archaische Kraft der Treue und die Tücke des Verrats

(Dieser kleine Text ist ein Dank an alle, die in stürmischen Zeiten mir die Treue halten.)

 

23561629_288855001622371_646785585615999970_nFür mich ist das eigentliche Thema des Tierrechts weniger das des Leidens, schon gar nicht des eigenen, sondern das des Verrats. Wenn das Füreinanderdasein nicht funktioniert. Für mich ist es wie ein Lebensthema von dem Moment an, als das Kätzchen ins Plumpsklo geworfen wurde und niemand ihm beistand. Das unberührte, unverbindliche Bedauern und gleichzeitige Imstichlassen. Aber es hat lange gebraucht, bis ich das überhaupt verstanden habe, ich dachte, es ginge immer um Empathie, um Mitgefühl. Aber im Leben ist immer Leid, Leben ist Leiden, sagte nicht nur Schopenhauer, der größte Pessimist aller Zeiten. Am Leiden kann man sogar wachsen, den Umgang damit lernen, daraus etwas Schöpferisches werden lassen. Bei Nietzsche las ich den Satz „Das dionysische mit seiner selbst am Schmerz perzipirten Urlust, ist der gemeinsame Geburtsschooss der Musik und des tragischen Mythus.“ Und er sagte auch „Muth zum Leiden. – So wie wir jetzt sind, können wir eine ziemliche Menge von Unlust ertragen, und unser Magen ist auf diese schwere Kost eingerichtet. Vielleicht fänden wir ohne sie die Mahlzeit des Lebens fade: und ohne den guten Willen zum Schmerze würden wir allzu viele Freuden fahren lassen müssen!“ Denn wo kein Schmerz ist, ist auch keine echte Freude, keine Liebe und Leidenschaft. Was wäre ich ohne die Schmerzen meines Lebens?

 

.
Der Verrat jedoch separiert einen von allem Echten und Lebendigen. Nach dem Verrat gibt es kein Leben mehr im Miteinander. Zu wissen, dass man im Moment der Not alleine ist, schafft diese tiefste und schmerzhafteste Einsamkeit, die sich durch alle Schichten der Seele frisst. Verrat lähmt. Nicht Trost braucht man da, denn auch Trost trägt bereits den Verrat in sich, den Trost bekräftigt den Opferstatus. Es ist die Loyalität, die in solchen Momenten in Würde ertragen lässt. Verraten sind wir auf uns selbst zurückgeworfen und dafür sind wir nicht geboren. Der Verrat nimmt uns alle Sicherheit. Der Verrat vereinzelt das Individuum und zerstört seine innere Kraft. Das Prinzip Loyalität und ein „alle für einen, einer für alle“ hingegen führt uns an die archaiischen Wurzeln der Moral zurück, an seine Urprinzipien. Aufgefangen werden, das Gefühl, gesehen zu werden in seiner Not, ist rettend und heilend.

.
In unserer Gesellschaft leben wir separiert voneinander wie in einem Schwarm lauter Einzelwesen, die sich aneinander orientieren, aber kein echtes Wir kennen. Nur die tiefe unbewusste Sehnsucht danach. Das macht uns verletzlich und schwach. Verstanden habe ich die Bedeutung des Verrats allerdings erst spät. Wahrscheinlich kann man ohnehin nur etwas wirklich verstehen, was man erfahren hat. Deshalb ist das Erlebnis mit dem Kätzchen für mich so ein wichtiges im Leben. (Ich hatte die Geschichte übrigens schon einmal erzählt, 1996 einem SPIEGEL-Reporter für die Reportage „Tierische Gier„, da nannte ich sie mein Schlüsselerlebnis).

Unbenanntj
Ich habe in den vergangenen drei Jahren genau mit diesem Element „Verrat und Treue/ Loyalität“ gearbeitet und jedes Mal war es ein Donnerschlag in seiner Wirkmächtigkeit: wenn man die Welt verändern will, ist Widerspruch Bestätigung, nicht der Applaus. Jedes Mal habe ich mir den Hass zugezogen, ganz bewusst, um Treue und Loyalität zu demonstrieren als einen politischen Akt. Weil nichts stärker macht und schützt im psychologischen Sinn wie diese Botschaft: das Opfer steht nicht alleine.

.
Das erste Mal war es der Rindermann, der den Bauern tötete, und dem ich meine Solidarität aussprach, was zu einem europaweiten Echo der Empörung führte. Ein Jahr später war es mein Satz zum Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt, mit dem ich erinnerte: „Sechs Millionen Terroropfer jährlich in Deutschland. Für Gänse ist jeden Tag Weihnachtsmarkt. Vergesst das nie!“ In diesem verletzlichen Moment Loyalität mit den Tieren leben, darum ging es und der Shitstorm war auch hier gewaltig. In der WELT erkannte ausgerechnet ein JÄGER mehr als so viele Tierschützer und Tierfreunde. Und nun war es meine demonstrierte Loyalität mit Hitlers Hündin Blondi und ihrem Schicksal, dass zum nächsten Widerstand führte, dem SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Artikel, und das in seiner vernichtendsten Form, nämlich dem Nazivorwurf. In unserer Gesellschaft ist Loyalität nur mit den Richtigen erlaubt, nämlich mit den Mächtigen, mit den Tätern und deren nützlichen Idioten, die im Spiel um die Macht eine Funktion als Opfer erfüllen und wo die ausgedrückte Solidarität, das Sehen ihres Leids, erlaubt und erwünscht ist. Dies allein dient der Aufrechterhaltung des Herrschaftssystems. Wer sich an diese Spielregeln nicht hält, wird sozial vernichtet mit dem Ziel, um das Ausgedrückte eine Art gedankliche Bannmeile zu legen, es zu einem Tabu zu erklären, um die Verhältnisse zu befestigen.

.
Es ist eine archaische Sprache, die ich spreche. Es ist eine einfache Botschaft: Seid den Tieren loyal, sie sind es wert. Und am deutlichsten drückt man das aus in Konfliktsituationen, wo die solidarische Entscheidung der meisten aus einer unbewussten Beugung vor der Macht anders ausfällt. Und in dem Verrat des Opfers liegt die Wurzel des Unrechts. Das kleine Kätzchen aus Südtirol erfährt in meinem Fühlen damit jedes Mal eine Rettung. Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Vorfall. Und vor allem jedes Opfer, dessen Opfersein nicht gesehen werden soll.

.
Der Nicht-Verrat , die Loyalität mit dem Opfer, wertet das Opfer auf in seiner Bedeutung. In diesem Moment ist es nicht nur Opfer, es ist ein Jemand, der es wert ist, dass man zu ihm steht. Es sind Botschaften, die viel wichtiger sind als alle argumentativen Kopfgeburten, weil sie verstanden werden von allen, sehr schmerzhaft verstanden werden, weil sie die Wurzel der Moral berührt. Und nur im Schmerz lernt der Mensch.

.
In diesem Sine: Seid stark! Seid treu!

.

Silke Ruthenberg

 

Das Storytelling der Qualitätspresse – so geht´s – ANIMALPEACE

Silke Ruthenberg

Noch ein paar letzte Worte zum verschissenen Kackartikel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG

Nein, wir dementieren nicht! Wer denkt, ANIMAL PEACE würde sich wie die TIERSCHUTZPARTEI die Mühe machen, den verschissenen Kackartikel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zu widerlegen, denkt falsch.
23468587_287657351742136_510485317_o
Wir werden uns hüten, auch weiterhin. Trotzdem sind wir noch nicht fertig damit. Es muss noch etwas gesagt werden, nämlich das hier:
.

Das Storytelling der Qualitätspresse – so geht´s

.
Medienarbeit läuft anders herum, als Lieschen Müller sich das so vorstellt. Am Anfang steht der Wille zum Ziel. In der Mitte wird die Story geschrieben wie das Drehbuch zu einem Film. An Ende dann die Suche nach Belegen, das Einsammeln von O-Tönen und Bildern, die die Zielvorgabe bedienen und vor allem beim Leser den Eindruck erzeugen sollen, das Urteil stünde am Ende einer Recherche und nicht am Anfang.
.
Das Ziel von Jan Stremmel und der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG war es, den Eindruck zu erwecken, der Tierschutz/ das Tierrecht habe sich mit Rechtsradikalen verpaart (die einen aus Blödheit, die anderen aus Berechnung), und als argumentative Basis für den Verdacht wird das verschwörerische Geraune der Internetplattform INDYVEGAN herangezogen, die seit Jahren anonym mit pseudolinken Deutungen erfolgsauffällige Tierrechtler/ Veganer diffamiert. Diffamierte, denn INDYVEGAN gibt es nicht mehr. Website und fb-Auftritt wurden unmittelbar nach Erscheinen der Reportage vom Netz genommen. Na, sowas.
.
Die geile Story des Jan Stremmel stand schon vor der ersten Kontaktaufnahme fest, dies bestätigt Matthias Ebner von der Tierschutzpartei in seiner Stellungnahme und das war auch mir klar, als hier die Interviewanfrage einging: „(…) ich bin Journalist der SZ und arbeite gerade an einer Geschichte über Tierschutz in Deutschland. Dafür würde ich auch gerne mit Ihnen sprechen. (…).“ Man muss schon auf der Brennsuppe dahergeschwommen sein, um hier nicht den Willen zum Verriss zu erkennen. Deshalb habe ich Jan Stremmel – die Kurzrecherche im Internet ergab als verdächtiges Fundstück ein kleines Machwerk gegen Veganlabels – umso lieber zu mir nach Hause eingeladen. Wenn man die Welt verändern will, ist der Widerspruch die Bestätigung, nicht der Applaus. Die Feinde sind mir noch immer die Liebsten gewesen.
.
Von eineinhalb Stunden Gespräch im Stil „INDYVEGAN-Vorwurf – dezidierte Gegenrede“ blieb neben Drahthaaren (hart wie Kruppstahl, ich schwör´s), einem Hitlerbild an der Wand und etwas lalala als einziges Argument der falsch zitierte, vor allem aber vom Sinnzusammenhang isolierte und damit letztlich unverständliche Satz „Einem Rind ist es doch völlig wurscht, ob ein Linker oder ein Rechter es isst!“ Dabei habe ich mir echt Mühe gegeben.
.

Wenn Interessen auf den Geist losgehen!

.
Es lohnt nicht, auch nur einen einzigen Satz zu den Anschuldigungen zu verlieren. Wer sich verteidigt, klagt sich an, sagt das Sprichwort weise, und außerdem wäre es nur ein Ausdruck gekränkter Eitelkeit, die Scheißhausparolen mit Gegenargumenten zu adeln. Es geht nämlich nicht darum. Es geht einzig und alleine um das Interesse, diese unsere Botschaft in einem Rahmen festzuhalten, in dem sie verzweckt werden kann und verwertbar bleibt. Der Werdegang der Veganismus – einst der zum Verhaltensprinzip erhobene Respekt vor dem natürlichen Lebensrecht der Tiere, heute Lifestyleprodukt, angesiedelt zwischen Selbstoptimierung, Selbstdarstellung und ungefährlicher, pseudokritischer Meinungsäußerung zur Massentierhaltung und ihrer Massenfolter und des ethischen Markenkerns beraubt – steht symptomatisch dafür. Vegan heute ist Verzweiflung und Kapitulation vor der Urideee – was die mit Aldi-Sojawürsteln und veganer Ben&Jerry-Eiscreme Korrumpierten nicht mal mehr spüren, sondern ernsthaft als Erfolg wahrnehmen.
.
Verzweckt wird auch der Tierschutz, denn Tierschutz und sein Grundgedanke bewegen sich im Spektrum akzeptierter Meinungen. Gerade erschien in der FAZ eine wortgewaltige Abrechnung mit dem Prinzip der Massentierhaltung, selbst der konservativste Mainstream fühlt sich heute auch dem Wohl des Schweins verpflichtet – zumindest als Lippenbekenntnis. Mit Tierschutzpositionen kann man Bestseller schreiben wie Jonathan Safran Foer oder Richard David Precht, man kann Spenden generieren; Robben und Wale und eben nicht Umweltschutz machten Greenpeace zu einer Macht. Was Jan Stremmel schrieb von den Nationalsozialisten, die sich propagandistisch an Tierschutz und Tierliebe bedienten, ist richtig, nur heute spielt sich der linke Flügel als Zerberus der Tierschutzszene auf und hält die Sache der Tiere in Geiselhaft. Am Geschäft mit dem Tierschutz haben viele Interesse. Auch, weil Tierschutz die entscheidenden Fragen eben nicht stellt, die es für einen verändernden Widerspruch benötigt, und damit das Thema über Scheindebatten in die Wirkungslosigkeit kanalisiert.
.
Um den verschissenen Kackartikel von Jan Stremmel richtig einzuordnen, muss man tiefer graben und vor allem verstehen, dass Medien auch nur Interessen verfolgen, Volksaufklärung ist da Nebenschauplatz. Hier ist es das Interesse, das Tierrecht in etwas Nichtdenkbares zu verwandeln – für wen auch immer. Es reichen als mögliches Motiv dafür ja schon die Fressvorlieben eines Lohnschreibers.
.

Stigma und Selbstzensur – wie totalitäre Systeme Meinung steuern

.
Zuckerbrot und Peitsche zur Unterwerfung der Masse unter herrschende Verhältnisse funktionierte nicht nur im bolschewistischen Russland, wo jene, die sich nicht ausreichend von überführten „Volksfeinden“ distanzierten, selber in Gefahr gerieten, während die anderen, die sich hinreichend an der Hatz beteiligten, im öffentlichen Ansehen aufstiegen. Hier und heute in unserem, nicht minder totalitärem Schweinevernichtungssystem spielt sich das so ab: Wenn es um die Erlangung und Verteidigung der Deutungshoheit geht, wird die unerwünschte Meinung nicht einfach bekämpft, denn das würde sie nur groß machen. Sie wird in ein Undenkbares verwandelt, indem man die psychische und soziale Person ihres Trägers zum Schlachtfeld macht und zerstört und ihr gleichzeitig jede Ehrung als Märtyrer vorenthält. Für die Wahrheit zu sterben, ist kein Heldentod. Es hat damit jeden Glanz verloren, für eine unerwünschte Meinung einzustehen. Man kann nur verlieren, aber nichts ist zu gewinnen.
.
Diese Signale werden verstanden. Auch von Journalisten. Auch von Tierschützern. Auch von den genannten Parteifreunden, denen man nun wirklich viel, aber eben gerade nicht vorwerfen kann, sie hätten bei der Abgrenzung zu Rechts irgendwas vermissen lassen. Dafür haben sie sogar das Tierrecht sausen lassen.
.

Es geht nicht um rechts und links. Es geht um die Überwindung des Tyrannenstaates, um die Entmachtung der Tyrannen

.
Denn es geht um das Tierrecht. Jenes Konzept, das ein gleiches Recht für alle fordert, die fühlen und denken können, befreit von allen Formen der Diskriminierung aufgrund fadenscheiniger Gründe wie der Artzugehörigkeit. Für dieses Recht nämlich steht ANIMAL PEACE in einer wohl noch nie dagewesenen Schärfe ein, und das nicht, indem wir es unsexy predigen oder philosophisch begründen, sondern, viel wirksamer, es leben und im Wissen um die Macht der Worte dabei einen Neusprech einführten, der es mit jedem Satz über das WIE ausdrückt. Theodor Adorno formulierte es so: „Man sollte, soweit das nur irgendwie möglich ist, so leben […] wie man in einer befreiten Welt glaubt leben zu sollen, […] versuchen, die Existenzform vorwegzunehmen, die eigentlich die richtige wäre.“ Wir betrachten und bewerten Tat und Täter in einer Art, die heute nur erlaubt ist, wenn es sich bei den Opfern um unschuldige Menschen, speziell Menschenkinder, handelt. Dieser Stil stellt die herrschenden Verhältnisse tiefer in Frage als jede Wertung, weil sie aus dem Innersten spricht und nicht Phrasen einer Kopfgeburt plappert. Wir nehmen die Existenzform des Tierrechts damit vorweg. Der Feudalherrscher gerät in Wallungen und sieht seine Privilegien fahren, die er für Rechte und Kultur hält.
.
Der wildschäumende Verwurf von Menschenverachtung und die Nazikeule zeigen, dass nur allzu gut verstanden wird, dass es nun an den Kern der Wahrheit geht. Und wir verstehen nur allzu gut, dass der Angriff gegen uns von dem Interesse getragen ist, dass alles so bleibt wie es ist – weil man weiter aus den Tieren seinen Nutzen ziehen will, ohne einen angemessenen Preis dafür zu bezahlen.
.
Das Tierrecht kann nicht verzweckt werden, weil es seine Kraft aus den archaischen Prinzipien der Moral schöpft, der angeborenen Fähigkeit zu Gerechtigkeit und Mitgefühl, und sein Fühlen und Denken damit prinzipiell autonom ist und unvergiftet von Machtstrukturen, Ideologien und Narzissmen der Gesellschaft. Deshalb ist es gefährlich über die Frage der Tiere hinaus. In Zeiten, in denen unsere Grundrechte (und vor allem unser Bewusstsein darüber) sukzessive untergraben werden und die moralischen kollektiven Leitplanken im Sinne von Machtinteressen verschoben werden, ist es unerwünscht, wenn ein Bewusstsein für Individualrechte, Werte und was sie wirklich bedeuten, über die Hintertür mit dem Tierrecht wieder auf der Bühne erscheint. Es ist nicht weniger als die Angst vor der immensen Kraft der Moral.
.
Mit „rechts und links“ hat das alles nichts zu tun. Auch deshalb sind und bleiben wir politisch neutral. Wir wollen und werden die Sache der Tiere aber emanzipieren von jeder Form des Benutztwerdens. Unser Ziel ist die Autonomie der Sache der Tiere, die eine Unabhängigkeit vom herrschenden Denken und Fühlen voraussetzt. Wir bauen ausschließlich auf die natürliche Fähigkeit zur Moralität und zu Urteilen über Verletzungen elementarer moralischer Prinzipien. Jenseits aller Ideologien, rechter wie linker. Denn die Sache der Tiere ist größer. Sie ist die erste und einzig echte Befreiungsbewegung in der Geschichte.
.
Apropos Neutralität. Nur dass keine Missverständnisse aufkommen: Die Rechtsradikalen müssen keine Angst vor uns haben, wir unterwandern sie mit guten Absichten. Wir sprechen mit JEDEM, denn das ist nämlich unser Grundrecht. Und davon verstehen zumindest wir etwas. Also Hi, Skinhead und Nazi, auch Du bist hier herzlich eingeladen zu einem Mineralwasser, so wie es Jan Stremmel bekommen hat, gern auch zu einem Kaffee mit Sojamilch oder einen Tee mit Zitrone. Wenn ein SÜDDEUTSCHE-Journalist seinen Fleischfresserarsch auf meinen heiligen Stuhl drücken darf, wo sonst der Hausherr Jussi schläft, und ich hinnehme, dass seine Fleischfresserlippen meine Gläser ethisch kontaminieren, dann darf das ein Rechtsradikaler schon lange. Die politische Gesinnung ist in so einem Fall nämlich mein geringstes Problem.
.
.

Mittel zum Zweck – Silke Ruthenberg

Hildmann hat es verraten:

Vegangott hat das Kälbchen nur als Mittel zum Zweck benutzt

In diesem Jahr jährt sich die Oskarverleihung für das „Leben der Anderen“ als bester fremdsprachiger Film zum 10. Mal. Das Melodram (Kulisse ist die ehemalige DDR) demaskiert auf eindringliche Weise, wie im Dunstkreis von Ideologie die einzelnen Darsteller doch nur ihre persönlichen Ziele verfolgen.
.
Diese Muster, die in diesem Film gezeichnet werden, die Muster von Ehrgeiz, Macht und Gier, Verrat, Mißtrauen, Feigheit und Sehnsucht nach dem Guten lassen sich lückenlos auf die Vegane Welt übertragen. Letzte Woche spielte sich in dieser Veganen Welt eine Szene wie aus dem Drehbuch des genannten Films ab: Attila Hildmanns medial durchschlagende PR für seine vegane Frittenbude. Die Reaktionen bewegten sich zwischen gewohnter Ächtung seiner verbalaggressiver Art und Infragestellung seiner Person und Glaubwürdigkeit – reduzieren ihn und sein Anliegen also auf die Rolle eines Borderliners – und blinder Groopie-Begeisterung für Hildmanns Tierschutzaktion, die tatsächlich gar keine war. Ich wiederhole mich nicht gern, wer es lesen und verstehen will, der lese hier: Kälberkönig Attila – Oder was das Tierrecht von Hildmann lernen kann. Und was nicht.
.
Nun hat sich der Medienstar, schneller als gedacht, selbst entlarvt. Um im Bild von „Im Leben der Anderen“ zu bleiben: Hildmann wollte mit seiner PR-Aktion die Rolle des Stasi-Hauptmanns Wiesler einnehmen, der lange eisenhart und erfolgreich seine Ziele verfolgte, bis er eines Tages den „Guten Menschen“ in sich entdeckt und in Folge seine schützende Hand über ein Künstlerpaar im Fadenkreuz der Stasi hielt. Mit seiner eigenen „Sonate vom Guten Menschen“ hat Hildmann es aber nur in die Rolle des zynischen und schmierigen Kulturministers Bruno Hempf geschafft, der sich im Filmstück auf der Rückbank des Dienstwagens an der schönen Schauspielerin Christa-Maria Sieland schnaufend vergreift, die sich zum Sexobjekt degradieren lässt, um sich dadurch den Segen des Systems als Theaterdarstellerin zu sichern. Hildmanns Opfer, das er als Stilmittel und Staffage benutzte, hatte noch nicht einmal eine theoretische Wahl, ob es den Kopf hinhält, damit ein Vegandarsteller sich moralisierend zum Guten Menschen erklären kann. und es hatte keinen Vorteil davon, noch nicht einmal dafür hat es beim Selbstinszenierer gereicht.
.
Das Schicksal des kleinen, bildhübschens Kälbchens, nennen wir es Christa, kann nun als geklärt betrachtet werden. Attila Hildmann hat in einem Interview vom Wochenende die Kardinalfrage „Woher kamen Kalb und Ziege, und wohin gingen sie danach?“ beantwortet in einer so zynischen Form, die ich ihm trotz meiner Kritik an der Aktion nicht zugetraut hätte. Eine deutlichere Bestätigung hätte ich mir nicht wünschen können… wenn es nicht so unendlich traurig wäre.
Hildmann hat das Kälbchen mit seiner Aktion nicht nur verdinglicht, wie ich beschrieb und erklärte und was niemals der Sache der Tiere dienen kann, es sei denn, man glaubt daran, den Teufel mit dem Belzebub austreiben zu können. Hildmann hat mit dem Kälbchen auf dem Hänger, diesem bildschönen Sklavenwesen mit seinen dunklen Samt- und Seelenaugen, genau das gemacht, was der fette Bruno Hempf auf der Rückbank mit der schönen Schauspielerin tat. Er hat es benutzt wie ein Stück Vieh… für sich. Und nur für sich und seiner Sonate auf sich selbst als guter Mensch, der nicht töten will und kann. Im Dunstkreis einer Ideologie hat Hildmann nur sein eigenes Ding gemacht. Und eine blinde, taube Schar spendet ihm dafür Applaus, anstatt das Kälbchen zum Gott zu erheben. Was noch für manche wohl noch zu abstrakt war, was ich da schrieb von der Verdinglichung des Kalbes, hat Hildmann nun selbst bestätigt, mit einem einzigen Satz in einem 25minütigem Interview als Fakt bestätigt, was zuvor noch reine Theorie war. Dieser Satz lautet:
.
„Ich bin am Tag davor zu nem Bauern gefahren und hab gesagt: Komm, hier sind 500 Euro, komm vorbei mit nem Tiertransport quasi und lad mir dieses Kalb auf.“
Unbenannt
.
Die Aktion von Attila Hildmann war eine Lüge. Ein Verrat.
.
Und wer rettet nun Christa vor diesem falschen Vegangott? Um Christas Willen? Und für die Glaubwürdigkeit der großen veganen Idee, wie sie einst gedacht war? Hildmann kann ja dann die Patenschaft übernehmen, den Hunderter im Monat wird er doch wohl übrig haben, auch, um sich selbst zu retten. Es ist nie zu spät, ein Guter Mensch zu werden.