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Deshalb bin ich gegen Menschenrechte – ANIMALPEACE

Menschenrechte und Tierrechte

Ein Ding oder ein Widerspruch in sich?

Tierrechte und Menschenrechte werden gern in einem Atemzug genannt. Wohlgemerkt von Tierschutzbewegten und praktisch nie von Menschenrechtsaktiven. Allein das macht die These verdächtig, ob dahinter wirklich eine sinnvolle Analogie steckt oder es allenfalls nur eine schwachsinnige, vielleicht sogar im Kern schädliche Phrase ist.
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Um dieser Frage nachzugehen, ist eine Begriffsklärung im Vorfeld sinnvoll. Menschenrechte sind zunächst subjektive Rechte, die jedem Menschen gleichermaßen “aufgrund seines Menschseins” zustehen. Dazu gehören das Recht auf Leben, auf Freiheit, auf Unversehrtheit, auf Schutz vor Diskriminierung, Folter und einiges mehr. Praktisch alle Staaten der Welt anerkennen die Menschenrechte prinzipiell! Sie sind Bestandteil des Grundgesetzes und Internationaler Deklarationen. In den meisten Ländern werden Verstöße gegen Menschenrechte sanktioniert mit teils erheblichen Strafen. Menschenrechte müssen nicht gefordert werden. Sie existieren!
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Wenn wir von Tierrechten sprechen wird bereits die Definition schwieriger. Viele “Tierrechter” meinen, sie seien “Tierrechtler”, weil sie bessere Schutzgesetze für Tiere fordern, die deren Leiden abschaffen. Historisch kam der Begriff aber mit einer anderen Konnotation und einer anderen Anspuchshaltung auf: Tierrechtler fordern für die Tiere (zumindest für die denkenden, fühlenden unter ihnen, also diejenigen mit Bewußtsein) subjektive Rechte in Analogie zu dem Menschenrechten, konkret zumindest das Recht auf Leben, Freiheit, Unversehrtheit, ganz einfach, weil sie ein vergleichbares Interesse an solchen Rechten haben wie Menschen. (Anmerkung: Tierschutzgesetze legen die Rechte des Menschen am Tier fest, NICHT Tierrechte. Selbst ein allerbestes Tierschutzgesetz räumt Tieren keine Rechte ein, sondern beschränkt nur die Verfügungsgewalt des Menschen. Tierrechte gibt es nirgendwo auf der Welt. Kein einziges Tier von der Muschel bis zum Schimpansen hat auch nur ein einziges Recht. Nirgendwo.
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Aus dieser Begriffsdefinition ergibt sich bereits, dass das Nennen beider Begriffe in einem Atemzug die wesentliche Realität dazu verschleiert. Aber das Problem geht noch tiefer.
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1.) Menschen SIND Tiere, sie sind EINE Art von weit mehr als einer Million Tierarten. Von Menschen und Tieren zu sprechen ist so sinnvoll wie von Birken und Bäumen, Rosen und Blumen, Löwen und Säugetieren, Menschen und Frauen/ Schwarzen/ Russen. Hier wird ein Gegensatz unterstellt, der de fakto nicht da ist, da die eine Gruppe implizit Bestandteil der anderen Gruppe ist, was mit der Auseinanderdividierung aber verschleiert wird, noch schlimmer: indirekt sogar bestritten wird. Das geschieht natürlich mit der Absicht, fälschlich zu suggerieren, Menschen wären gar keine Tiere, oder bestenfalls ein ganz besonders Tier, das keinesfalls mit den anderen in einem Atemzug genannt werden darf. Diese Botschaft wird der Floskel untergeschoben und dann in der ständigen Praxis zur ideologischen Realität ohne tatsächliche Substanz. Der Wendung “Menschen und Tiere” ist bereits Propaganda gegen Tiere.
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2.) „Menschenrechte“ ergeben sich allein aus der Zugehörigkeit zur Art Mensch – so wird es begründet. Egal, wie dieser Mensch beschaffen ist, hat er dieses Recht per se. Weil er eben Mensch ist. Es ist also de facto nur ein Feudalherrenprivileg, ein selbstverliehenes Sonderrecht für die herrschende Art auf Grundlage einer gigantischen Diskriminierung aller anderen Arten, denen dieses Recht vorenthalten wird. Kraft einer moralisch irrelevanten, metaphysischen Annahme “Besonderheit der Zugehörigkeit zu einer Art” werden diese Rechte verliehen. Groteskerweise bzw. logischerweise ist hierbei die begünstigte Spezies gleichzeitig Partei und Richter in einer Person: es sind Menschen, die sich selbst Rechte verleihen und den Nichtmenschen diese Rechte vorenthalten. Ätsch. Das Menschenrecht ist damit das Rechtsverständnis einer Bananenrepublik. Dies ist umso pikanter, weil der Grundidee des Rechts die Absicht vorausgeht, dem “Recht des Stärkeren” aus Gerechtigkeitserwägungen etwas Wirksames entgegenzusetzen und eben den Schwächeren vor dem Stärkeren beschützen soll und nicht den Starken zusätzlich priviligieren. Das Menschenrecht tut das Gegenteil: es begünstigt den Sieger. Es ist Zweiklassenjustiz. Es ist Diskriminierung par excellence. Privilegien zementieren Ungerechtigkeiten zu geltendem Recht. Das Menschenrecht ist in seinem Kern faschistisch und gehört als ein solches abgeschafft, weil es eine in Gesetzform gegossene Diskriminierung aller fühlenden, denkenden Individuen ist, die der priviligierten Art nicht angehören,nur weil sie dieser Art nicht angehören. Aus diesem Grund MUSS ein Tierrechtler Menschenrechte ablehnen und ihre Abschaffung einfordern.
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3.) Die Unterstellung, man müsse für Menschenrechte sein, um Tierrechte fordern zu können, verschleiert die Wirklichkeit in einem zentralen Punkt: Menschen haben Rechte, alle anderen Tierarten haben KEINE Rechte. Wenn Menschen diese Rechte verweigert werden bzw. gegen diese Rechte verstoßen wird (durch staatliches Handeln, diskriminierende Gesetze oder durch Verbrechen), dann leiden sie im UNRECHT. Das ist nicht unbedingt ein Trost und oft ist trotzdem Hilfe fern, aber darin liegt ZUMINDEST die Anerkennung, dass ihnen UNRECHT geschieht. Alle anderen Tiere leiden ZURECHT, im RECHT. Darin liegt auch die völlige Aussichtslosigkeit darauf, dass ihnen Recht widerfahren kann! Das beste, was ihnen geschehen kann, ist ein Gnaden und wir wissen, wie gering selbst diese Aussichten sind. Sie leiden ZUDEM unter der Gewalt derer, die Rechte haben. TÄTER haben RECHTE. Menschenrechte. Und fast alle Menschen sind Täter! Diejenigen Tierschützer und Tierrechtler, die immer das Menschenrecht so hoch halten, betreiben Opferverrat und übelsten Täterschutz, ein Schutz von Tätern, die keine Strafe befürchen müssen, also die allerfeigsten Täter überhaupt.
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4.) Wer “Menschenrechte” fordert – was in sich ja schon falsch formuliert ist, da es sich dabei allenfalls um die DURCHSETZUNG von BESTEHENDEN Menschenrechten handelt, da es Meschenrechte ja schon gibt – fordert Rechte für TÄTER und PRIVILIGIERTE ein – fast in allen Fällen. Das ist gutes Recht, mag in manchen Fällen auch angebracht sein und steht unabhängig und für sich als Herausforderung in der Welt. Es geht hier also nicht um rethorisch trickreiches Aufrechnung und gegenseitiges Ausspielen von Verlierern. Dies aber mit der Forderung nach Tierrechten zu verknüpfen – die es ja eben nicht gibt und eben eine echte Forderung darstellen – nennt Dinge in einem Atemzug, die nicht zusammengehören und die das Schicksal der Tiere unerträglich relativiert bzw. verharmlost. Was würde man wohl rückwirkend über Leute sagen, die bei den Protesten von ausgebeuteten Arbeitern im Industriezeitalter Schilder hochhalten würden mit dem Text: „Fabrikbesitzer haben auch Rechte“ und in “Arbeiterrechte” eine Diskriminierung des Fabrikbesitzers vermuten würden. Ich bin sicher: wer das bei den Arbeiteraufständen getan hätte, hätte sein leben riskiert und das Zurecht. Es wäre Kollaboration mit dem Feind. Genau das tun Leute, wenn sie von Tierrechtlern das Menschenrechtsbekenntnis abverlangen.
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5.) Es gibt noch einen weiteren Punkt, Menschenrechte abzulehnen. Rechte zu haben macht rasch BLIND für die Folgen von Rechtlosigkeit. Dh. eben auch, dass das Menschenrecht blind macht für die Folgen der Rechtlosigkeit für Tiere. Die Gewalt gegen Tiere mit ihren Milliarden Gesichtern und Schicksalen ist allein die Folge der prinzipiellen Rechtlosigkeit. Wir Menschen wissen nicht (mehr), wie es sich anfühlt, rechtlos zu sei. Und welche ungeheure Schutzmacht von Rechten ausgeht, weil wir sie nämlich allzuselbstverständlich in Anspruch nehmen. Das Menschenrecht erschwert die Verwirklichung von Tierrechten, es ist sogar ein Grund, es anderen Arten zu verweigern. Einen “gerechten Staat” entwirft man nicht als per se egoistisches Triebwesen, wenn man schon vorher weiß, dass man zu den Priviligierten gehört. Nicht umsonst sprach John Raws vom “Schleier des Nichtwissens” als Voraussetzung für die Entwicklung eines gerechten Gesellschaftsordnung.
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Fazit: Wer Tierrechte=Menschenrechte proklamiert, verhöhnt die Milliarden rechtlose Individuen und den Genozid an ihnen. Wer Tierechte will fordert die Abschaffung des Fedalherrenprivilegs Menschenrecht. Das Recht auf Leben, Freiheit, Unversehrtheit, Schutz muss allen Arten zustehen. Nur dann ist es ein Recht und kein Privileg des Machthabers.
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Deshalb bin ich gegen Menschenrechte. Deshalb bin ich für Grundrechte für alle fühlenden, denkenden Individuen. Niemand darf aufgrund seiner Artzugehörigkeit benachteiligt oder bevorzugt werden.
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Silke Ruthenberg
ANIMALPEACE

Seid den Tieren loyal, sie sind es wert – Silke Ruthenberg

Die archaische Kraft der Treue und die Tücke des Verrats

(Dieser kleine Text ist ein Dank an alle, die in stürmischen Zeiten mir die Treue halten.)

 

23561629_288855001622371_646785585615999970_nFür mich ist das eigentliche Thema des Tierrechts weniger das des Leidens, schon gar nicht des eigenen, sondern das des Verrats. Wenn das Füreinanderdasein nicht funktioniert. Für mich ist es wie ein Lebensthema von dem Moment an, als das Kätzchen ins Plumpsklo geworfen wurde und niemand ihm beistand. Das unberührte, unverbindliche Bedauern und gleichzeitige Imstichlassen. Aber es hat lange gebraucht, bis ich das überhaupt verstanden habe, ich dachte, es ginge immer um Empathie, um Mitgefühl. Aber im Leben ist immer Leid, Leben ist Leiden, sagte nicht nur Schopenhauer, der größte Pessimist aller Zeiten. Am Leiden kann man sogar wachsen, den Umgang damit lernen, daraus etwas Schöpferisches werden lassen. Bei Nietzsche las ich den Satz „Das dionysische mit seiner selbst am Schmerz perzipirten Urlust, ist der gemeinsame Geburtsschooss der Musik und des tragischen Mythus.“ Und er sagte auch „Muth zum Leiden. – So wie wir jetzt sind, können wir eine ziemliche Menge von Unlust ertragen, und unser Magen ist auf diese schwere Kost eingerichtet. Vielleicht fänden wir ohne sie die Mahlzeit des Lebens fade: und ohne den guten Willen zum Schmerze würden wir allzu viele Freuden fahren lassen müssen!“ Denn wo kein Schmerz ist, ist auch keine echte Freude, keine Liebe und Leidenschaft. Was wäre ich ohne die Schmerzen meines Lebens?

 

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Der Verrat jedoch separiert einen von allem Echten und Lebendigen. Nach dem Verrat gibt es kein Leben mehr im Miteinander. Zu wissen, dass man im Moment der Not alleine ist, schafft diese tiefste und schmerzhafteste Einsamkeit, die sich durch alle Schichten der Seele frisst. Verrat lähmt. Nicht Trost braucht man da, denn auch Trost trägt bereits den Verrat in sich, den Trost bekräftigt den Opferstatus. Es ist die Loyalität, die in solchen Momenten in Würde ertragen lässt. Verraten sind wir auf uns selbst zurückgeworfen und dafür sind wir nicht geboren. Der Verrat nimmt uns alle Sicherheit. Der Verrat vereinzelt das Individuum und zerstört seine innere Kraft. Das Prinzip Loyalität und ein „alle für einen, einer für alle“ hingegen führt uns an die archaiischen Wurzeln der Moral zurück, an seine Urprinzipien. Aufgefangen werden, das Gefühl, gesehen zu werden in seiner Not, ist rettend und heilend.

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In unserer Gesellschaft leben wir separiert voneinander wie in einem Schwarm lauter Einzelwesen, die sich aneinander orientieren, aber kein echtes Wir kennen. Nur die tiefe unbewusste Sehnsucht danach. Das macht uns verletzlich und schwach. Verstanden habe ich die Bedeutung des Verrats allerdings erst spät. Wahrscheinlich kann man ohnehin nur etwas wirklich verstehen, was man erfahren hat. Deshalb ist das Erlebnis mit dem Kätzchen für mich so ein wichtiges im Leben. (Ich hatte die Geschichte übrigens schon einmal erzählt, 1996 einem SPIEGEL-Reporter für die Reportage „Tierische Gier„, da nannte ich sie mein Schlüsselerlebnis).

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Ich habe in den vergangenen drei Jahren genau mit diesem Element „Verrat und Treue/ Loyalität“ gearbeitet und jedes Mal war es ein Donnerschlag in seiner Wirkmächtigkeit: wenn man die Welt verändern will, ist Widerspruch Bestätigung, nicht der Applaus. Jedes Mal habe ich mir den Hass zugezogen, ganz bewusst, um Treue und Loyalität zu demonstrieren als einen politischen Akt. Weil nichts stärker macht und schützt im psychologischen Sinn wie diese Botschaft: das Opfer steht nicht alleine.

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Das erste Mal war es der Rindermann, der den Bauern tötete, und dem ich meine Solidarität aussprach, was zu einem europaweiten Echo der Empörung führte. Ein Jahr später war es mein Satz zum Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt, mit dem ich erinnerte: „Sechs Millionen Terroropfer jährlich in Deutschland. Für Gänse ist jeden Tag Weihnachtsmarkt. Vergesst das nie!“ In diesem verletzlichen Moment Loyalität mit den Tieren leben, darum ging es und der Shitstorm war auch hier gewaltig. In der WELT erkannte ausgerechnet ein JÄGER mehr als so viele Tierschützer und Tierfreunde. Und nun war es meine demonstrierte Loyalität mit Hitlers Hündin Blondi und ihrem Schicksal, dass zum nächsten Widerstand führte, dem SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Artikel, und das in seiner vernichtendsten Form, nämlich dem Nazivorwurf. In unserer Gesellschaft ist Loyalität nur mit den Richtigen erlaubt, nämlich mit den Mächtigen, mit den Tätern und deren nützlichen Idioten, die im Spiel um die Macht eine Funktion als Opfer erfüllen und wo die ausgedrückte Solidarität, das Sehen ihres Leids, erlaubt und erwünscht ist. Dies allein dient der Aufrechterhaltung des Herrschaftssystems. Wer sich an diese Spielregeln nicht hält, wird sozial vernichtet mit dem Ziel, um das Ausgedrückte eine Art gedankliche Bannmeile zu legen, es zu einem Tabu zu erklären, um die Verhältnisse zu befestigen.

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Es ist eine archaische Sprache, die ich spreche. Es ist eine einfache Botschaft: Seid den Tieren loyal, sie sind es wert. Und am deutlichsten drückt man das aus in Konfliktsituationen, wo die solidarische Entscheidung der meisten aus einer unbewussten Beugung vor der Macht anders ausfällt. Und in dem Verrat des Opfers liegt die Wurzel des Unrechts. Das kleine Kätzchen aus Südtirol erfährt in meinem Fühlen damit jedes Mal eine Rettung. Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Vorfall. Und vor allem jedes Opfer, dessen Opfersein nicht gesehen werden soll.

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Der Nicht-Verrat , die Loyalität mit dem Opfer, wertet das Opfer auf in seiner Bedeutung. In diesem Moment ist es nicht nur Opfer, es ist ein Jemand, der es wert ist, dass man zu ihm steht. Es sind Botschaften, die viel wichtiger sind als alle argumentativen Kopfgeburten, weil sie verstanden werden von allen, sehr schmerzhaft verstanden werden, weil sie die Wurzel der Moral berührt. Und nur im Schmerz lernt der Mensch.

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In diesem Sine: Seid stark! Seid treu!

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Silke Ruthenberg

 

LOVE ANIMALS! HATE ANTIFA! – SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Kuschelnazis oder Nazikuschler?!

Eine ganze Seite widmete am Wochenende die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG der Sorge, das Tierrecht könnte die rechtsradikale Szene unterwandern.

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Und hier geht es zu den, im Beitrag der SÜDDEUTSCHEN erwähnten und kurz zitierten Artikeln:

 

Tiere – durchdacht und klug, nicht süß – HUFFPOST

Es ist herablassend, ein Tier „süß“ zu nennen

Von PETA-Gründerin Ingrid Newkirk

Portrait of ginger catJeden Morgen kommt eine Krähe mit nur einem Fuß zu meinem Büro in Washington D.C. Ich höre sie krähen – ich weiß, dass sie eine „sie“ ist, weil sie letztes Jahr ein ziemlich lautstarkes Baby bekam.

Ich rufe nach ihr, sie landet auf meiner Fensterbank und ich stelle ihr Frühstück hinaus. Sie liebt Blaubeeren und hasst Falafel. Das weiß ich, seitdem sie ein Stück Falafel auf einen Mann ausspuckte, der unter dem Fenster vorbeilief.

Manchmal essen Krähen Eichhörnchenbabys. Deshalb tue ich ab und zu so, als würde ich ihr ein Eichhörnchenbaby geben – aber in Wahrheit ist es nur ein warmer, weicher Bohnenburrito. Vielleicht denkt sie, das rote Innere sei Mageninhalt, wo es doch tatsächlich nur Bohnen und Tomatensauce sind. Eines Tages sah jemand, wie meine Krähe ihr Frühstück aß und sagte: „Ohh, sie ist so süß!“

Wie oft nehmen wir Tiere – ganz egal, was sie tun – als „süß“ wahr, anstatt ihre Erfahrungen zu reflektieren? Schließlich sprechen wir hier von einer einfüßigen Krähe, die es schafft zu überleben. Sie umfliegt Stromkabel, den Verkehr und böse Menschen in unserer Betonstadt.

Sie durchstöbert den Müll, um sich und ihre Kinder zu ernähren. An eiskalten Wintertagen wird sie bis auf die Haut durchnässt. Und selbst bei starkem Wind muss sie sich mit nur einem Fuß an Ästen oder Feuertreppen festhalten. Wenn sie sich ihren einen Fuß verletzt, hat sie verloren!

Sie schafft so viele beeindruckende Dinge, die ich niemals schaffen würde. Sie ist ein ganz eigenes, erwachsenes Individuum mit einer Behinderung und steht vor enormen Herausforderungen. Und doch infantilisieren wir diese klugen Wesen häufig, kichern über sie und halten sie für süß. Das ist, als würde man kurz vor dem Hungertod stehende Geflüchtete „süß“ nennen.

Tiere – durchdacht und klug, nicht süß

Im Normalfall ist alles, was Tiere tun, gut durchdacht und klug, nicht süß. Wenn ein kleiner Hund, der keine opponierbaren Daumen hat – keine unserer Vorteile -, ein Kinderplanschbecken ins Haus schafft, ist das beeindruckend.

Schauen Sie sich das Video im Internet an. Der Name des Hundes ist Gus. Er arbeitet an diesem Projekt, weil er das Becken gern im Haus hätte. Mit verschiedenen Strategien und einem unerschütterlichen Willen schafft er es schließlich. So löst man Probleme.

Mehr zum Thema: Studie: Menschen sind nicht intelligenter als Tiere

Wenn eine Springspinne in das Netz einer anderen Spinne geht, darauf klopft und so die andere Spinne anlockt, weil diese denkt, ihr sei eine Fliege ins Netzgegangen – ist das süß? Sicher nicht für die zweite Spinne, die gegessen wird. Es ist intelligent. Es gibt Belege dafür, dass Springspinnen dieses Verhalten lernen und dass sie herausfinden, welche Art zu klopfen am besten funktioniert.

Kraken nutzen weggeworfene Kokosnussschalen als Unterschlupf. Ist das nicht vielmehr clever als süß? Für sie geht es ums Überleben.

Es gibt viele unglaubliche Beispiele für den Einfallsreichtum von Tieren. Eichhörnchen graben ihre Nahrung wieder aus und vergraben sie neu, wenn ihnen ein Artgenosse beim Verstecken zugesehen hat. Schweine haben eine bevorzugte Temperatur und lernen mittels der Trial-and-Error-Methode, wie sie in einem kalten Stall die Heizung anstellen können, wenn man ihnen die Gelegenheit dazu gibt.

Kaninchenfische und Gänse stehen abwechselnd Wache, damit die anderen in Sicherheit essen können. Präriehunde sprechen miteinander über Fressfeinde und geben sogar Details wie Größe, Form, Farbe und Geschwindigkeit weiter.

Wir vergessen das Leben um uns herum

Hühner verzichten auf eine Leckerei, wenn sie später eine größere Belohnung bekommen. Zur Kommunikation untereinander miauen Katzen nur selten. Doch sie erfinden eine ganz eigene Sprache an Miau-Lauten, um mit Menschen zu kommunizieren.

Tauben erinnern sich an menschliche Gesichter und erkennen die Menschen, die gut zu ihnen waren, wieder. Sie bleiben ein Leben lang mit ihrem Partner zusammen und teilen sich die Nistaufgaben.

Wenn wir Sonden ins Weltall schicken, um nach intelligentem Leben zu suchen, vergessen wir dabei häufig das um uns herum, hier auf der Erde, an Land und im Wasser. Wenn wir uns selbst wirklich als denkende Tiere verstehen wollen, müssen wir endlich aufhören, Tiere als „süß“ anzusehen und stattdessen Worte nutzen, die Empathie und Respekt ausdrücken.

HUFFPOST

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Instrumentarium der Unterdrückung

Kommentar von Silke Ruthenberg ANIMAL PEACE

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Silke Ruthenberg, Bild via Imago.

Es ist ein wichtiges Instrumentarium der Unterdrückung, den Unterdrückten nicht für voll zu nehmen. Sogar die Tierschutzbewegung ist voller Leute, die auf die anderen Tieren herablassend blicken, nur ihre Leidensfähigkeit erkennen und ihre enormen Fähigkeiten nicht anerkennen. Das ist nicht nur in der Sache falsch, es ist auch strategisch unklug, denn in einer Gesellschaft, die den Intellekt weit vor den Gefühlen einordnet, spielt es eine wichtige Rolle, den anderen Tieren ihren Geist abzusprechen, um sie vernichten zu können.

Allerdings ist das Stichwort „süß“ für mich kein Merkmal der Abwertung, so wie es Newkirk sieht, sondern erstmal nur eine emotionale und vor allem wohlwollende Zuwendung. Dass sich in Liebe auch Machtaspekte verbergen (können), steht auf einem anderen Blatt. Diese Liebe ist zu fördern und nicht zu verurteilen. Deshalb finde ich den Artikel von Newkirk gut und schlecht zugleich. Auch das ist möglich. Zumindest ist es ein wichtiges Thema.

 

 

ANIMAL PEACE – TIERRECHTE IN DIE PARLAMENTE!

TIERRECHTE IN DIE PARLAMENTE!

Nach der Zurücknahme der disziplinären Maßnahmen gegen das Pateimitglied Reinhold Kassen durch das Schiedsgericht der Partei, Mensch, Umwelt, Tierschutz hat sich das Parteimitglied Reinhold Kassen, bis auf Weiteres dazu entschlossen, die aktive Tätigkeit in der Partei vorerst ruhen zu lassen.

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Begründung:

image001Die Zurücknahme der disziplinarischen Maßnahmen gegen Reinhold Kassen durch das Schiedsgericht erfolgte aus formalen Gründen, vor einer Sachentscheidung hat man sich letztlich gedrückt. Es steht damit weiterhin ungeklärt im Raum, ob das Teilen von ANIMAL PEACE-Posts auf der privaten Seite tatsächlich den Vorwurf der „Menschenverachtung“ erfüllt und sich in einer Art parteischädlich auswirkt, oder nicht vielmehr von rechten Parteigenossen ein denunziatorische Zerrbild entworfen und befeuert wurde, um das tierrechtlerische Lager in der Partei zu schwächen und in die Defensive zu drängen.
Die wirklich interessante Frage, inwieweit der Bundesvorstand im Spannungsfeld zwischen dem Recht auf freie Meinungsäußerung des einzelnen aktiven Mitglieds und der Parteiraison Maßnahmen überzogen hat oder nicht, wurde damit nicht geklärt.
Damit wird ein Klima der Unsicherheit geschaffen, das zur Selbstzensur ermuntert und damit das eigentliche Ziel, radikale Stimmen in der Partei mundtot zu machen, auf elegantem Wege erreicht wird, während eine klare Sachentscheidung womöglich nicht so gelungen wäre, wie es dem anderen Flügel der Partei genehm gewesen wäre, die die Verwässerung der Positionen und Ziele anstreben.
Eine Klärung der Sachfrage wäre auch aus dem Grund angebracht gewesen, um beurteilen zu können, ob eine Abkehr von antropozentrischen Positionen als Grundvoraussetzung für Tierrechte überhaupt in dieser Partei möglich ist, denn nichts anderes drücken die „umstrittenen“ Posts von ANIMAL PEACE aus. Die Unterstellung, sie seien „menschenverachtend“, bleibt eine Unterstellung und eine denunziatorische Taktik, die mithilfe der Umklammerung mit negativen Begiffen die Position in Mißkredit bringen soll.

Die Angriffe gegen Reinhold Kassen werden nach der Entscheidung des Schiedsgerichts zudem auf eine sehr persönliche Weise fortgesetzt, was den Eindruck verstärkt, dass es lediglich um das Ziel der Entfernung einer missliebigen Person aus der Partei geht und die Unterstellung, Reinhold Kassen sympathisiere mit menschenrechtswidrigen Positionen, nur vorgeschoben ist.

Wir sehen vor diesem Hintergrund der Durchsetzung ängstlich-devoter Parteiraison zulasten einer lebendigen und progressiven Demokratie, die letztlich eine Bescheinigung der Meinungsfreiheit des einzelnen Aktiven zur Folge hat, keine Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme an der Pateiarbeit. Das tatsächlich menschenverachtende Klima in der Partei, der seinen Mitgliedern mit fadenscheinigem Vorwand ein Grundrecht beschneiden will mit stillschweigender Billigung des Schiedsgerichts, macht dies bereits aus gründen der Selbstachtung unmöglich. Gleichwohl wollen wir die Parteiarbeit im Wahljahr nicht durch interne Flügelkämpfe belasten und stellen deshalb die aktive Mithlfe vorerst ein.

 

Foto Aniela Adams

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