Schlagwort-Archiv: Silke Ruthenberg

Schächten & Religionsfreiheit – ANIMALPEACE

Zum Artikel in der ZEIT-ONLINE

Haltet den Dieb

Während die Tierbewegten voller Sorge (ums eigene Image oder was auch immer?!) auf das zusammenfabulierte Schreckensbild einer „rechten“ Infiltration ihrer Bewegung starren – nichterkennend, dass „die Rechten“ für so einen Coup entweder viel zu blöde oder auch die Tierbewegung viel zu unwichtig im Spiel um die Macht sind – und sich gegenseitig in Dauerschleife versichern, dass „rechts“ nicht ginge, hat „links“ längst in für sie relevanten Fragen die Tierbewegten so schachmatt gesetzt, dass diese im Begriff sind, auch das wenige zu verlieren, das hierzulande in hundert Jahren für die Tiere erreicht wurde.

Am Rande – von den Tierbewegten, aus Angst oder Blödheit, kaum beachtet – liest man in mehreren Quellen, dass ein Rechtsgutachter des Europäischen Gerichtshofs EuGH zum Ergebnis gekommen sei, dass das Schächten – also Schlachten ohne Betäubung gemäß jüdischer oder muslimischer Riten – in der Europäischen Union nicht verboten werden dürfe. Die EU-Verordnung zum Schutz von Tieren gebe zwar grundsätzlich vor, Tiere nur nach Betäubung zu töten, sie sehe aber auch ausdrücklich Ausnahmen vor, um den religiösen Riten bestimmter Glaubensrichtungen Rechnung zu tragen. Dies ist in der deutschen Rechtsordnung nicht anders.

Kommuniziert wird dies medial allerdings als eine quasi zwingende Rechtsfolge aus der Religionsfreiheit (Glaubens- und Gewissensfreiheit) und das ist schlichtweg falsch. Fakt ist: der Gesetzgeber kann zwar die Möglichkeit zum Schächten einräumen, daraus ergibt sich aber keineswegs, dass er es auch muss, um dem Grundrecht auf Religionsfreiheit Rechnung zu tragen. Es unterliegt nämlich wie alle anderen Grundrechte dem Gesetzesvorbehalt und darf nur im Wesenskern durch niederrangiges Recht nicht berührt werden. Das heißt konkret, dass man zwar glauben darf, was man will, aber nicht einfach tun und lassen, so wie man möchte. Es darf auch einer religiösen Gruppierung micht verboten werden, was der Allgemeinheit erlaubt ist – das gilt aber nicht für den Umkehrschluß.
Das genau wird aber suggeriert. So schreibt DIE ZEIT fälschlich im Eröffnungstext: „Ein EuGH-Rechtsgutachter sieht dies [Schlachten ohne Betäubung] gedeckt durch die Religionsfreiheit.“
Faktisch würde aber ein Urteil, das der Rechtsauffassung des Gutachters folgt, den Mitgliedsländern jegliche Möglichkeit nehmen, in Eigeninitiative das Schächten generell zu verbieten, selbst wenn in deren Verfassung der Schutz der Tiere Grundrechtsrang hat, so wie es in Deutschland der Fall ist. Eine EU-Verordnung hat also damit möglicherweise sogar das Potential, unsere Verfassung auszuhebeln. Ganz sicher aber kippt es das Schächtverbot in einigen Eu-Mitgliedsstaaten.

Ein Urteil wird in wenigen Wochen erwartet. Es wird, so muss man es leider realistisch einschätzen, entsprechend ergehen und es wird damit jegliche regionale Bestrebungen, in diesem Bereich die Tiere nicht (mehr) zur Folter preiszugeben, zunichte machen.

Wenn der EuGH, der in der Vergangenheit schon unangenehm auffällig geworden ist, da er weniger dem Menschenrecht nach bisher geltendem Verständnis denn einem politischen Narrativ folgt, bedeutet das nichts weniger, als dass wir für die Tiere auch das Bisschen verlieren, was wir in einem Jahrhundert währendem Einsatz für sie rechtlich herausgeschlagen haben: der allgemein anerkannte ethische Anspruch, dass die Tiere bei ihrer Hinrichtung nichts mitbekommen sollen. Sie sollen nicht zu Tode gefoltert werden, sondern schmerz- und stressfrei sterben.

Dass dieser Anspruch in der Wirklichkeit nicht erfüllt wird, ist bekannt. Dies ist aber ein Versagen der Exekutive und nicht der Gesetzgebung. Schächten aber ist das willentliche Zutodefoltern von Tieren, und wer hier intellektuelle Schwierigkeiten hat, den qualifizierenden Unterschied moralisch zu erkennen, dem sei eine vertiefende Auseinandersetzung mit den Begriffen „Vorsatz“ und „Fahrlässigkeit“ angeraten, um dem Verstand auf die Sprünge zu helfen. Unabhängig davon kann man sich dann auch abschminken, dass es vor diesem Hintergrund noch eine Motivation zur Eindämmung von Fehlbetäubungen und „Missständen“ in Schlachthöfen geben wird. Aber hej, wen juckt das schon, Hauptsache man ist politisch korrekt unterwegs.

Was die „Schlachten und Schächten: Mord-bleibt-Mord“-Schwätzer in ihrem ideologischen Wahn ebenso ausblenden, ist der Umstand, dass Mord und Folter unterschiedliche Tatbestände darstellen, und es für den zum Tode Verurteilten in seiner hoffnungslosen Lage sehr wohl noch einen Unterschied macht, wie er ermordet wird. Sogar in Staaten, in der die Todesstrafe praktiziert wird, pflegt man die Delinquenten in Anerkennung ihrer Menschenwürde möglichst schnell und schmerzfrei hinzurichten, anstatt sie, wie von Foucault in „Überwachen und Strafen“ im Falle des Vatermörders François Damiens auf vier Buchseiten geschildert, in mittelalterlicher Manier zu Tode zu massakrieren. Man legitimiert eine Ermordung nicht automatisch, wenn man den Opfern zumindest das Recht auf Schutz vor Folter einräumt.

Nochmal: Mit Glaubens- und Gewissensfreiheit hat dies jedenfalls überhaupt nichts zu tun, es ist tatsächlich die Verhöhnung unserer Werte: de fakto hebelt eine einfache EU-Verordnung, deren Erlassverfahren ohnehin kaum mehr demokratisch genannt werden kann, Recht und Gesetz aus. Es ist die Preisgabe von grundsätzlichen Werten an die nackte Barbarei. Offensichtlich ist dies erwünscht.

In Frankreich werden mittlerweile 40 Prozent aller Hühner, 50 Prozent aller Rinder und 95 Prozent aller Schafe zu Tode gefoltert (geschächtet), obwohl die Nachfrage nach entsprechendem Fleisch „nur“ 10% beträgt. Der Grund: für die Schlachthöfe ist es unwirtschaftlich, zwei Schlachtstraßen zu betreiben. In Großbritannien sieht es vergleichbar aus. Die Lebenswirklichkeit wird sich sehr rasch auch hierzulande an diese neuen Möglichkeiten anpassen – soviel ist gewiss.

Wir werden Verhältnisse bekommen, dass der Fresser „sein“ Schnitzel mit entsprechendem Siegel „schmerzfrei geschlachtet“ und mit ordentlichem Aufpreis am Katzentisch des Supermarkts kaufen kann, vielleicht neben der Auslage für Fakefleischprodukte. „Schmerzfrei“ ist dann das neue „Bio“ – etwas für Randgruppen. Die Masse frisst dann eben Folterfleisch, das Schicksal der Futtertiere hat sie ja bis heute nie wirklich ernsthaft interessiert.

Diese Entwicklung hat nicht „rechts“ angerichtet, dass haben die Tiere den „Linken“ mit ihrer verkommenen Form von Toleranz zu verdanken. Im neurotischen Bemühen, in jeder Form auch ausreichend „gut“ zu sein, haben sich große Teile der Tierbewegten für ein anderes Narrativ vom eigenen Thema wegerziehen lassen, um so zum Verräter in eigener Sache zu werden. Aber Hauptsache, sich gegen „rechts“ sauber abgrenzen.

Mit Ethik hat das jedenfalls nichts zu tun. Das kommt davon, wenn man sich selber wichtiger nimmt als die Sache. Das kommt aber vor allem davon, dass die Tierbewegung bis heute es nicht geschafft hat, ein eigenes politisches Bewusstsein zu entwickeln und unter dem Zwang steht, sich und die Sache der Tiere einer herrschenden politischen Agenda unterzuordnen. Dabei war die Geburtsstunde der Bürgerrechte und der Demokratie das Produkt eines Schulterschlusses über politische Gestaltungsvorstellungen hinweg. Die Querfront von Liberalen, Progressiven und Konservativen findet sich in der Losung der Französischen Revolution: Freiheit steht für das Liberale Gedankengut, Gleichheit für das links-progressive und Brüderlichkeit für das konservative Ideengut. Aber für die Tiere ist so eine Idee bis heute Tabu, weil die politische Linke bis heute die Hand drüber hält.

Solange die Bewegung derart politisch unbewusst, devot und narzisstisch orientiert ist, wird sie nichts nach vorne bewegen. Aber trösten wir uns: es dauert nicht mehr lang, dann geht’s wirklich nicht mehr schlimmer. Dann ist ein „Rückwärts nimmer“ auch gar nicht mehr möglich.

Und bald auch mit höchstrichterlichem Segen.

Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

OB SCHLACHTEN, SCHÄCHTEN ODER HALALI – FLEISCH IST MORD!

Die Corona-Affaire schwächt das feindliche Lager – Offener Brief an die Tierheit

RAPORT der ANIMAL PEACE – Tierrechtsveteranin an die Tierheit

Werte Tierheit, wir überbringen Euch heute gute Nachrichten aus dem Feindlichen Lager.

Eure Fress- und Todfeinde haben weiterhin Stallpflicht. Weil ein Keim 0,0016% von ihnen angeblich hinweggerafft hat, haben sie so eine Angst, dass sie sogar auf ihre natürlichen Rechte verzichten.

Sie sperren schon ihre Anwälte, ihre Ärzte, ihre Rebellen in ihre Züchtigungstheater für Unangepasste – Psychiatrien genannt – oder verpassen ihnen Maulkörbe, weil diese sich nicht genug fürchten vor diesem Keim, den noch nie irgendeiner von ihnen je gesehen hat, weil er so winzig ist, dass selbst die Scharfsichtigsten unter Euch ihn nicht sehen könnten.

Sie hören nicht mehr auf die klügsten Vorfahren von ihnen, niemand denkt heute an ihre weisen Mahner, die sie Hannah Arendt nannten oder Michel Foucault. Du sollst nicht gehorchen, sagten ihre Klügsten und tun es Tag für Tag und verraten die, die sich dem neuen System nicht unterwerfen.

Sie sind viel dümmer, als Ihr es Euch vorstellen könnt. Sie gehorchen ihren Frechsten und ihrer Angst um sich selbst. Sie haben alles Wilde in sich verloren. Sie haben die Freiheit ihres Geistes verloren. Eure Feinde gegen aufeinander los. Sie haben alle Angst. Und das ist gut.

Vor lauter Angst vergisst das feindliche Lager seine Privilegien

Manche Eurer Fress- und Todfeinde glauben dabei weniger an diesen unsichtbaren Feind und mehr daran, dass ihnen ihre Privilegien – sie nennen sie „Menschenrechte“ – dauerhaft gezupft werden. Auch das ist sehr gut. Es könnte eine Chance sein, dass sie ein Gefühl dafür bekommen, was es bedeutet, keine Rechte zu haben, indem man sie Euch Entrechteten gleichstellt. Ihre Privilegien haben sie bisher blind gemacht für Eure Versklavung und sie dachten, sie könnten Euch mit ein paar Gnadenerweisen abspeisen und sich damit auch noch gut fühlen.

Wir werden auch weiterhin als Eure Abgesandten im feindlichen Lager nach besten Kräften daran arbeiten, dass dieser Zustand eintritt, auch wenn es nur eine Chance ist, die wir nutzen. Sie wollten ja nicht auf unseren Vorschlag eingehen, die Grundrechte mit Euch zu teilen. Wir haben es ihnen mehrfach und 25 Jahre lang vorgeschlagen. Aber sie haben bis heute abgelehnt. Weil sie, Eure Fress- und Todfeinde, sich ja so sicher fühlten auf der Seite der Macht, der Tyrannei.

Ein Held aus Euer Mitte hat es geschafft

Vor wenigen Tagen ist wieder einer von Euch, der Stier Ferdinand, den Vernichtungseinrichtungen entkommen und mit der Hilfe von solidarischen Helfern konnte der Held heute an einen sicheren Ort (Erdlingshof) gebracht werden. Ihr habt loyale Freunde im Lager der Fress- und Todfeinde und es werden täglich mehr.

Aus der Kunst des Krieges wissen wir: Erscheine stark, wenn du schwach bist, und schwach, wenn du stark bist. Seid Euch bewusst, dass der Todfeind geschwächt ist, versteht, wie immens feige und selbstverliebt er ist, wenn er vor etwas Unsichtbarem Todesangst hat und wie groß seine Sorge um sein Ego ist. Aber seid Euch auch bewusst: seine Vernichtungsmaschinerie läuft weiter. Er ist noch viel zu frech. Er hat Eure Güte gesehen, das macht ihn angriffslustig und erbärmlich bis zum heutigen Tag.

Nehmt, was ihr kriegen könnt

Deshalb erscheint stark: dringt weiter in die Refugien ein, die sie Euren Urvätern geraubt haben und nehmt Euch an Freude, was ihr Euch schnappen könnt. Jeder Quadratzentimeter Boden, den ihr für Euch gewinnen könnt, ist Eure gewonnene Schlacht, die Euch niemand mehr nehmen kann.

Wir werden Euch dienen auf Eurem Befreiungszug. Mit jeder Faser unseres Körpers, jedem Funken unseres Geistes und jedem Herzschlag stehen wir auf Euer Seite.

Eure Silke Ruthenberg

ANIMAL PEACE

Kanzlei für die Tiere!

Über die Gefühle und Gedanken der Tiere – VEGANMANIA

Das Fundament für ein neues Wir-Gefühl.

Wer bist Du?

Über ein Jahrhundert hinweg wurde uns von der Wissenschaft die Vorstellung von Tieren als Reiz-Reaktions-Automaten vermittelt, die unbewusst, instinktgesteuert und ihren Trieben unterworfen durchs Leben laufen, fliegen, schwimmen.

Nur ist dies alles einfach nicht wahr. Die moderne Verhaltensforschung hat in wenigen Jahren mit einer Flut an Erkenntnissen über das seelische und geistige Innenleben der anderen Tiere aufgedeckt, dass die sorgfältig konstruierte Grenze zwischen Menschen und allen anderen Tierarten ein Hirngespinst ist. Von der Muschel bis zum Menschenaffen verbindet uns alle eine gemeinsame Struktur, die uns durch das Leben leitet: die der Gefühle und Gedanken.

Dieses Buch bringt auf der Basis von über 350 Anekdoten und wissenschaftlichen Untersuchungen dafür eine Fülle an Belegen: Ameisen können zählen, Krabben berechnen Wege und Guppy kann lesen. Hühner führen inhaltliche Gespräche, Mäuse empfinden Mitleid und der Rhesusaffenmann schaut sich gerne Pin-ups an. Wir begegnen Seelenverwandten, in denen wir uns selbst wiedererkennen können. Das Fundament für ein neues Wir-Gefühl.

Ruthenberg, Silke
Wer bist Du?
Über die Gefühle und Gedanken der Tiere

ISBN: 9783752858426
E-Book ISBN: 9783752819762

Lieferbar seit: 14.05.2018
Gesamtseitenzahl: 388
Zahlreiche Abbildungen
Format: 17 cm x 22 cm
Paperback
EURO 14,95

Über die Gefühle und Gedanken der Tiere

Über die Gefühle und Gedanken der Tiere – veganmania/Ostern vegan

Buchvorstellung:

Wer bist Du?

Über die Gefühle und Gedanken der Tiere

IMG_0820
Silke in Aktion

Es gibt zwei starke Gründe, den anderen Tieren ihre Rechte zurückzugeben, die ihnen mit der Macht der Tyrannei und der Hybris vorenthalten werden: Wer keine Rechte hat, dem ergeht es schlecht auf dieser Welt. Wir brauchen nur in die Ställe schauen, die Schlachthofe, Zoos und Zirkusse und auch die Privathaushalte mit den in Käfigen lebendig begrabenen Meerschweinchen und Kanarienvögeln, dann sehen wir die Folgen von Rechtlosigkeit.
Der zweite Grund, den anderen Tieren ihre Rechte zurückzugeben, ist ein nicht minder starker: Sie sind es wert. In ihrer Klugheit, ihrer Schönheit und in ihrer Sensibilität.

IMG_0866

Laura Schneider („Marienhof“) hat Silke Ruthenberg auf der Veganmania Ostern 2018, München, zu diesem Thema interviewt. Hier das ganze Interview in drei Teilen.

Das Buch mit etwa 300, zumeist wissenschaftlichen Belegen für die Klugheit und Sensibilität von der Muschel bis zum Menschenaffen erscheint Ende April im Buchhandel.

Aktivisten durften für Filmaufnahmen in Zuchtbetrieb eindringen – ZEIT ONLINE

ANIMALPEACE:

Das Urteil darf nicht vergessen lassen, dass auch Betriebe, die sich an Recht und Gesetz halten, reine Foltereinrichtungen sind.

EIN Gericht, untertreibt DIE ZEIT.

Es ist immerhin die höchste Instanz der Bundesländer-Gerichte (darüber gibt es nur noch den Bundesgerichtshof) und es hat die Urteile der zwei untergeordneten Instanzen bestätigt und damit das maximale geleistet, was ein Gericht bei der geltenden Rechtslage für die Tiere leisten kann: es hat einen „übergesetzlichen Notstand“ angenommen, wenn Tierschützer sich Zutritt in Ställe verschaffen und damit prinzipiell einen Hausfriedensbruch begehen, um Rechtsbrüche zu dokumentieren.
Dies geschieht in Zeiten, in denen in den GROKO-Verhandlungen eine verschärfte Bestrafung von Stall“einbrüchen“ anvisiert wurde, und macht Hoffnung, dass in Zeiten des Backlashs noch nicht alles verloren ist.

Andererseits: Das Urteil darf nicht vergessen lassen, dass auch Betriebe, die sich an Recht und Gesetz halten, reine Foltereinrichtungen sind. Bis jetzt ist es nicht gelungen, dies in ausreichendem Maß medial darzustellen. Wie es schon vor 25 Jahren war, wird die Folter fälschlich medial als „Missstand“ – und damit als Ausnahme – dargestellt und letztlich bewegt sich auch dieses Gerichtsurteil in diesem Denkrahmen. Dies impliziert, dass es meistens ja doch ordentlich zuginge. Die verschleiert in fataler Weise den Umstand, dass das Verbrechen legitimiertes Prinzip ist und nicht etwa eine Ausnahme und dabei muss man noch nicht mal von einem tierrechtlerischen Ansatz ausgehen. Die gesetzlichen Vorgaben bedeuten für die Betroffenen Folter und diese quält unabhängig davon, ob sie gesetzmäßig ist oder nicht.

Letztlich baut diese Denken auf einem diskriminierenden Tierbild auf, das Tieren wesentliche Bereiche der Leidensfähigkeit abspricht und rein auf die Fähigkeit zum körperlichen Schmerz reduziert. Des leugnet die vielen anderen, psychischen Aspekte des Leidens: die depressionsauslösende Wirkung von Ausweglosigkeit und Reduzierung des Lebens auf banalste Vorgänge: Schlafen, Essen, Ausscheiden. Es leugnet die Wichtigkeit von Glückserlebnissen für ein erfülltes Leben, die freie Gestaltung von Sozialbeziehungen, die Bedeutung von Freizügigkeit, von Selbstbestimmung statt völliger Kontrolle, vom Aspekt, reiche Erfahrungen zu machen und so vieles mehr. Hühner, Schweine, Rinder sind mehr als schmerzempfindende Lebewesen, sie sind Personen, die komplex denken und fühlen. Jede Reduzierung auf den Aspekt „Schmerz“ hält sie automatisch in Kategorien fest, die ihre Vielschichtigkeit leugnet. Mit diesem Tierbild werden wir uns (für die Tiere) nicht einen Millimeter voran bewegen.

Der andere Haken an der Sache ist, dass durch die Legalisierung der Recherche der Angelegenheit das Heldenhafte genommen wird und damit ein wesentlicher Aspekt seiner öffentlichen Wirkkraft. Kein Mensch mit der Fähigkeit zum grundsätzlich moralischem Denken wird in einem Tierschützer einen Verbrecher sehen, nur weil er Massentierhaltungsquälerei öffentlich gemacht hat. Im Gegenteil unterstreicht eine Verurteilung die Glaubwürdigkeit der Helden, die es auf sich nehmen, persönliche Opfer zu bringen, um das Verbrechen publik zu machen. Dies wird durch ein solches Urteil genommen.
In erster Linie ist das Urteil deshalb ein persönliches Glück für die Aktivisten, die vor Gericht standen. Für sie freuen wir uns und gratulieren von Herzen zu diesem Sieg.

.

.

Tierschutz: Aktivisten durften für Filmaufnahmen in Zuchtbetrieb eindringen

Ein Gericht hat drei Tierschützer vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs in einem Zuchtbetrieb freigesprochen. Sie hatten dort Missstände bei der Schweinezucht dokumentiert.
tierschuetzer-sachsen-anhalt-schweinezuchtanlage

Das Oberlandesgericht (OLG) Naumburg in Sachsen-Anhalt hat Freisprüche für mehrere Tierschützer vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs bestätigt, die zur Dokumentation von Missständen in einen Zuchtbetrieb eindrangen. Laut einer Mitteilung verwarf das OLG die Revision der Staatsanwaltschaft und folgte damit den Vorinstanzen. Das Tierwohl sei im vorliegenden Fall deutlich höher zu bewerten als das verletzte Hausrecht, hieß es zur Begründung. Die Freisprüche haben damit Rechtskraft.

Die drei angeklagten Mitglieder einer Tierschutzorganisation waren im Jahr 2013 in zwei Sommernächten in einen Zuchtbetrieb eingedrungen, in dem sie Missstände unter anderem bei der Haltung von Schweinen vermuteten. Sie kletterten dazu über die Umzäunung und erreichten das Innere der Ställe durch geöffnete Türen.

Dort dokumentierten sie Verstöße gegen die Haltungsvorschriften. Das Videomaterial legten sie später den zuständigen Behörden vor und erstatteten Strafanzeige gegen die Verantwortlichen. Bei Kontrollen wurden schließlich diverse Verstöße gegen die Vorschriften festgestellt.

Bereits in erster Instanz sprach das Amtsgericht Haldensleben die Angeklagten frei. Eine Berufung der Staatsanwaltschaft verwarf dann das Landgericht Magdeburg. Es sah zwar den Tatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllt, die Verletzung des Hausrechts sei aber unter dem Gesichtspunkt des Notstands gerechtfertigt gewesen.

Dem folgte nun auch das OLG Naumburg, indem es einen sogenannten rechtfertigenden Notstand feststellte. Die Tat sei zur Abwendung von Gefahr erforderlich gewesen, weil mit einem Eingreifen der zuständigen Behörden ohne die Filmaufnahmen nach vorherigen Erfahrungen nicht zu rechnen gewesen sei.