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„…nicht bloß ein Mittel zum beliebigen Gebrauche…“ – ANIMALPEACE

Auf PETA Prime befasst sich Ingrid Newkirk mit der Frage, ob es ethisch vertretbar ist, Insekten zu essen. Ihre Argumente haben wir hier als Gastbeitrag übernommen.

PETAs Lösung für das ‘Proteinproblem’: Nein, es sind keine Grillen

insekten-grilleGrillen-Empanadas, Mehlwurmbällchen, Termite an Mango: Diese Gerichte klingen, als entstammten sie direkt einer Halloween-Horror-Küche. Aber vielleicht dauert es nicht mehr lange, bis sie auf der Speisekarte vieler Restaurants stehen. Denn seit einiger Zeit schießen sich immer mehr Foodies – die sowieso alles essen, ob es sich nun bewegt oder nicht – auf die Idee ein, das Essen von Insekten könne auf magische Weise den Welthunger stoppen. Denn, so die Annahme, man könnte damit eine wachsende Weltpopulation mit jeder Menge Proteinen versorgen.

Vegan Blog

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„…nicht bloß ein Mittel zum beliebigen Gebrauche…“

Da haben wir es wieder, dieses Phänomen, wenn die eigenen Reihen Tiere benutzen, um das Benutzen von Tieren anzuprangern., den Teufel also mit dem Belzebub austreiben wollen. Attila Hildmann ist neulich beim Benutzen sogar zur Tat geschritten, nun finde ich diesen Text von Ingrid Newkirk, die es tut, nämlich in einer Argumentationskette gegen das Insektenfressen. Letztlich folgt sie dem utilitaristischen Denken vom „größten Glück der größten Zahl“ als ethische Maxime. Warum es in Folge also aus Gründen der Effizienz besser sei, einen Wal mit der Harpune zu „schießen“ , schließlich könnte man mit einem 40 Tonnen schweren Wal ein ganzes Dorf wochenlang ernähren, mit einem toten Huhn nur eine Familie für einen Tag. Das mag sich für Unbeteiligte ganz verführerisch anhören, für den Dummen, der sein Leben lassen soll, ist diese Argumentation nur zynisch. Leben gegeneinander aufrechnen ist ein Unding.

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Es mag sein, dass diese utilitaristische Herangehensweise für den angloamerikanischen Kulturkreis eine gewisse argumentative Kraft entfaltet. Für den hiesigen Kulturkreis, geprägt vom Geist der kantschen Aufklärung, ist dieses Denke auch aus strategischen Erwägungen problematisch. Warum sollten wir ein schlechtes ethisches Konzept gegen ein besseres austauschen? Kant hat es sehr genau erklärt, warum die Maxime des Utilitarismus nichts taugt, da es nämlich das Individuum verdinglicht und zum Mittel zum Zweck macht. Das Verwerfliche von Hühner fressen, Wale fressen und Insekten fressen liegt einzig und allein in der Person des Betroffenen selbst und wird nicht besser dadurch, indem es einer größeren Menge nutzt. Die nutznießende Menge kann gar nicht so groß sein, als dass es den Angrif auf das leben rechtertigt.
Ingrid Newkirk benutzt ein denkbar schlechtes Konzept für ein natürlich richtiges Ergebnis, findet aber zum Glück zum Schluss zu diesem Kern, der völlig ausgereicht hätte, den Wahnsinn einer Insektenzucht für die Proteinversorgung der Weltbevölkerung ausreihend zu begründen: „Kognitionswissenschaftler/-innen haben mittlerweile herausgefunden, dass Insektengehirne zwar winzig sind, aber doch die gleichen Funktionen wie das menschliche Mittelhirn erfüllen. Dieses Mittelhirn ist der neurale Kern, der seit jeher unsere Wahrnehmungsfähigkeit unterstützt. Mit anderen Worten: Diese kleinen Lebewesen haben, genau wie wir, ein Bewusstsein. Damit wird der Gedanke, sie für unsere Ernährung zu züchten, ethisch problematisch.“
Warum sich also in verworrenen Argumentationsschrauben versteigen, wenn es so einfach geht?

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Silke Ruthenberg

ANIMALPEACE

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Tiere – durchdacht und klug, nicht süß – HUFFPOST

Es ist herablassend, ein Tier „süß“ zu nennen

Von PETA-Gründerin Ingrid Newkirk

Portrait of ginger catJeden Morgen kommt eine Krähe mit nur einem Fuß zu meinem Büro in Washington D.C. Ich höre sie krähen – ich weiß, dass sie eine „sie“ ist, weil sie letztes Jahr ein ziemlich lautstarkes Baby bekam.

Ich rufe nach ihr, sie landet auf meiner Fensterbank und ich stelle ihr Frühstück hinaus. Sie liebt Blaubeeren und hasst Falafel. Das weiß ich, seitdem sie ein Stück Falafel auf einen Mann ausspuckte, der unter dem Fenster vorbeilief.

Manchmal essen Krähen Eichhörnchenbabys. Deshalb tue ich ab und zu so, als würde ich ihr ein Eichhörnchenbaby geben – aber in Wahrheit ist es nur ein warmer, weicher Bohnenburrito. Vielleicht denkt sie, das rote Innere sei Mageninhalt, wo es doch tatsächlich nur Bohnen und Tomatensauce sind. Eines Tages sah jemand, wie meine Krähe ihr Frühstück aß und sagte: „Ohh, sie ist so süß!“

Wie oft nehmen wir Tiere – ganz egal, was sie tun – als „süß“ wahr, anstatt ihre Erfahrungen zu reflektieren? Schließlich sprechen wir hier von einer einfüßigen Krähe, die es schafft zu überleben. Sie umfliegt Stromkabel, den Verkehr und böse Menschen in unserer Betonstadt.

Sie durchstöbert den Müll, um sich und ihre Kinder zu ernähren. An eiskalten Wintertagen wird sie bis auf die Haut durchnässt. Und selbst bei starkem Wind muss sie sich mit nur einem Fuß an Ästen oder Feuertreppen festhalten. Wenn sie sich ihren einen Fuß verletzt, hat sie verloren!

Sie schafft so viele beeindruckende Dinge, die ich niemals schaffen würde. Sie ist ein ganz eigenes, erwachsenes Individuum mit einer Behinderung und steht vor enormen Herausforderungen. Und doch infantilisieren wir diese klugen Wesen häufig, kichern über sie und halten sie für süß. Das ist, als würde man kurz vor dem Hungertod stehende Geflüchtete „süß“ nennen.

Tiere – durchdacht und klug, nicht süß

Im Normalfall ist alles, was Tiere tun, gut durchdacht und klug, nicht süß. Wenn ein kleiner Hund, der keine opponierbaren Daumen hat – keine unserer Vorteile -, ein Kinderplanschbecken ins Haus schafft, ist das beeindruckend.

Schauen Sie sich das Video im Internet an. Der Name des Hundes ist Gus. Er arbeitet an diesem Projekt, weil er das Becken gern im Haus hätte. Mit verschiedenen Strategien und einem unerschütterlichen Willen schafft er es schließlich. So löst man Probleme.

Mehr zum Thema: Studie: Menschen sind nicht intelligenter als Tiere

Wenn eine Springspinne in das Netz einer anderen Spinne geht, darauf klopft und so die andere Spinne anlockt, weil diese denkt, ihr sei eine Fliege ins Netzgegangen – ist das süß? Sicher nicht für die zweite Spinne, die gegessen wird. Es ist intelligent. Es gibt Belege dafür, dass Springspinnen dieses Verhalten lernen und dass sie herausfinden, welche Art zu klopfen am besten funktioniert.

Kraken nutzen weggeworfene Kokosnussschalen als Unterschlupf. Ist das nicht vielmehr clever als süß? Für sie geht es ums Überleben.

Es gibt viele unglaubliche Beispiele für den Einfallsreichtum von Tieren. Eichhörnchen graben ihre Nahrung wieder aus und vergraben sie neu, wenn ihnen ein Artgenosse beim Verstecken zugesehen hat. Schweine haben eine bevorzugte Temperatur und lernen mittels der Trial-and-Error-Methode, wie sie in einem kalten Stall die Heizung anstellen können, wenn man ihnen die Gelegenheit dazu gibt.

Kaninchenfische und Gänse stehen abwechselnd Wache, damit die anderen in Sicherheit essen können. Präriehunde sprechen miteinander über Fressfeinde und geben sogar Details wie Größe, Form, Farbe und Geschwindigkeit weiter.

Wir vergessen das Leben um uns herum

Hühner verzichten auf eine Leckerei, wenn sie später eine größere Belohnung bekommen. Zur Kommunikation untereinander miauen Katzen nur selten. Doch sie erfinden eine ganz eigene Sprache an Miau-Lauten, um mit Menschen zu kommunizieren.

Tauben erinnern sich an menschliche Gesichter und erkennen die Menschen, die gut zu ihnen waren, wieder. Sie bleiben ein Leben lang mit ihrem Partner zusammen und teilen sich die Nistaufgaben.

Wenn wir Sonden ins Weltall schicken, um nach intelligentem Leben zu suchen, vergessen wir dabei häufig das um uns herum, hier auf der Erde, an Land und im Wasser. Wenn wir uns selbst wirklich als denkende Tiere verstehen wollen, müssen wir endlich aufhören, Tiere als „süß“ anzusehen und stattdessen Worte nutzen, die Empathie und Respekt ausdrücken.

HUFFPOST

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Instrumentarium der Unterdrückung

Kommentar von Silke Ruthenberg ANIMAL PEACE

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Silke Ruthenberg, Bild via Imago.

Es ist ein wichtiges Instrumentarium der Unterdrückung, den Unterdrückten nicht für voll zu nehmen. Sogar die Tierschutzbewegung ist voller Leute, die auf die anderen Tieren herablassend blicken, nur ihre Leidensfähigkeit erkennen und ihre enormen Fähigkeiten nicht anerkennen. Das ist nicht nur in der Sache falsch, es ist auch strategisch unklug, denn in einer Gesellschaft, die den Intellekt weit vor den Gefühlen einordnet, spielt es eine wichtige Rolle, den anderen Tieren ihren Geist abzusprechen, um sie vernichten zu können.

Allerdings ist das Stichwort „süß“ für mich kein Merkmal der Abwertung, so wie es Newkirk sieht, sondern erstmal nur eine emotionale und vor allem wohlwollende Zuwendung. Dass sich in Liebe auch Machtaspekte verbergen (können), steht auf einem anderen Blatt. Diese Liebe ist zu fördern und nicht zu verurteilen. Deshalb finde ich den Artikel von Newkirk gut und schlecht zugleich. Auch das ist möglich. Zumindest ist es ein wichtiges Thema.

 

 

Tiere lieben, Menschen verachten … – THE VICE

Tiere lieben, Menschen verachten:

Veganer haben ein Problem

Von Philipp Sommer 06.10.2016

Ein Leben ist ein Leben und wer tötet, ist ein Mörder, und wer getötet hat, der muss bestraft werden, und wenn es ihn das Leben kostet. Der Mensch ist ein Tier, eines ohne Fell, ein nackter Affe. Nacktaffen eigentlich, so nannte sie 1967 Desmond Morris, ein Zoologe, in seinem Buch, „Der nackte Affe“. „Mensch und Tier“, diese Bezeichnungen sei so unsinnig wie „Fichte und Pflanze“, einen Unterschied gäbe es nicht. Deswegen besteht Silke Ruthenberg darauf, den Menschen einen Nacktaffen zu nennen. Sie will die „ideologische Besetzung“ aufbrechen, die die unterschiedlichen Bezeichnungen zu Folge haben. Silke Ruthenberg ist eine Pionierin der veganen Szene in Deutschland, eine Autorität, auch wenn sie über die Jahre weniger Zuspruch bekam. Sie ist Chefin von „Animal Peace“, einer Tierschutzorganisation mit etwa 5000 Mitgliedern und sehr genau 3827 Facebook-Likes. Schon in den neunziger Jahren war sie aktiv, immer auch ein Liebling der Presse. Wenn sie redet, dann hat das nicht unbedingt deswegen Gewicht, weil sie so viele Menschen hinter sich versammeln kann, sondern weil sie eine radikale Stimme ist. Animal Peace ist klein, klein gemessen an den Zielen, die sie haben, aber wenn sie reden, dann hört man ihnen zu.

Silke Ruthenberg, Bild via Imago.

Silke Ruthenberg, Bild via Imago.

Die vegane Szene hat in den letzten Jahren massiven Zulauf bekommen, die meisten entscheiden sich aus ethischen Gründen dafür, kein Fleisch mehr zu essen. Ihnen liegt der Tierschutz am Herzen, sie verzweifeln an den Zuständen in den riesigen Mast- und Schlachtbetrieben. Doch so wahrnehmbar groß diese Gruppe geworden ist, so klein ist auch der tatsächliche–politische–Einfluss geblieben. An dem Kern des Problems hat sich wenig geändert. Im Gegenteil: Die deutsche Fleischindustrie wächst noch immer, vor allem durch den Export. 2016 ist ein Rekordjahr: 8,22 Millionen Tonnen (Tonnen, nicht Tiere sind die Maßeinheit) Fleisch wurden produziert, so viel wie nie zuvor. Die politisierte vegane Szene versagt in ihrem zentralen Ziel. Die Gründe liegen vor allem bei den professionellen Tierschützern, die ihrem Anliegen oft mehr schaden als nutzen.

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Ein Bauernhof im Januar ’16, ein Bauer betritt seinen Kuhstall, dort findet er seinen toten Vater. Der Bulle hatte ihn angegriffen und tödlich verletzt. Animal Peace schrieb daraufhin, sie würden sich vor „diesem Held der Freiheit“ verbeugen, bezeichnete den Stier als „Held“, den Bauern einen „Sklavenhalter“. Als im Juli diesen Jahres ein Stier einen Torero in der Arena tötete, nannte Animal Peace das Tier einen „Freiheitskämpfer“, der den „widerwärtigen Sadisten“ in sein „kaltes Herz“ getroffen habe. Und als Gerwald Claus-Brunner einen Mann tötete und sich selbst das Leben nahm, sagte sein Bruder, dass Claus-Brunner in der Vergangenheit Tiere gequält habe, daraufhin schrieb Animal Peace dazu: „Der Pirat war schon lange ein feiger Mörder bevor er sich strafbedroht an einem Nacktaffen vergangen hat. Wen wundert´s [sic]? Das war ja dann ein Schritt in die Richtung ausgleichende Gerechtigkeit.“ Sie feiern den Tod der Menschen am Rande der Legalität, oft bekommen sie Anzeigen dafür, was sie sagen. Alles dient der Provokation. Alles, um die Menschen daran zu erinnern, dass sie „eine Tierart unter Millionen anderer Arten sind“, wie es Silke Ruthenberg im Interview ausdrückt. Sie ist eine Anti-Speziezistin, jemand der es ablehnt, den Wert eines Lebens daran zu bemessen, welcher Spezies es angehört. Konsequent angewendet bedeutet das: Wenn ich einer Fliege etwas zuleide tue, bin ich ein Mörder. Dann habe ich auch nicht mehr mit übermäßiger Gnade zu rechnen.

Über Jahrhunderte haben sich Gesellschaften das Bekenntnis zu einer unantastbaren Würde des Menschen erkämpfen müssen, das geht den Anti-Speziezisten nicht weit genug, sie wollen auch die gleichen Rechte für alle Tiere. Doch so lange die Tiere nicht gleichbehandelt werden, kann man den Menschen auch schlecht behandeln, so macht es den Eindruck.

„Eine Diskriminierung von Individuen aufgrund ihrer Artzugehörigkeit ist Speziesismus und das ist genauso falsch wie Rassismus oder Sexismus“, sagt auch Harald Ullmann, zweiter Vorsitzender von PETA Deutschland e. V. Mitleid entstünde aus der Nähe zu anderen Lebewesen, was es verständlich macht, aber dort dürfe die Solidarität nicht aufhören.

Im Juli lockte ein Zahnarzt aus den USA den Löwen Cecil aus dem Hwange National Park, wo die Jagd illegal ist, schoss auf ihn mit einem Bogen, verfolgte das verletzte Tier für 40 Stunden, bevor er es erschoss, köpfte und häutete. Als die Behörden herausfanden, wer der Täter war, reagiert auch PETA. Die Vorsitzende des US-Verbandes sagte in einer Mitteilung, der Täter solle „ausgeliefert, angeklagt und vorzugsweise gehängt“ werden. Die deutsche Sektion nahm die Mitteilung so nicht auf ihre Seite, ein Hauch von Distanzierung, trotzdem verteidigt Harald Ullmann seine Kollegin Ingrid Newkirk: „Ms. Newkirk hatte nicht damit gerechnet, dass dieser Kommentar tatsächlich allzu wörtlich genommen wird. Wir glauben, dass der Jäger in Simbabwe zur Rechenschaft gezogen werden sollte und die Konsequenzen tragen muss, wie es im Englischen heißt ,…and be hanged in the court of public opinion‘. Wir sind eine gewaltfreie Organisation, wir arbeiten daran Gewalt zu stoppen.“ Ja, es gibt die Redewendung „court of public opinion“. Da geht es allerdings um die öffentliche Meinung, die bei tatsächlichen Gerichtsprozessen oft bedeutsam für deren Ausgang ist, und nicht darum, jemanden zu lynchen.

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Das alles sind Einzelfälle, sicher, und sie gehen unter in dem, was Tierschützer nahezu geschlossen bekämpfen, sie alle wollen das Ende der Massentierhaltung. Massentierhaltung, das Yuval Noah Harari im Guardian eines „der größten Verbrechen der Geschichte“ genannt. Die Ausmaße der Produktion sind unermesslich, niemand kann mit Sicherheit sagen, wie viele Tiere schon ihr Leben gelassen haben. PETA schätzt die Zahl alleine in Deutschland auf etwa 60.000.000 Schweine. Jedes Jahr. Veganer tragen die Sorge um die Umwelt, die Gesundheit, die Zukunft des Planeten, das Leid der Tiere. Und wenn es darum geht, das industrielle Töten zu beschreiben, zu thematisieren, zu kritisieren, kann es manchen Tierschützern nicht weit genug gehen.

Ingrid Newkirk. Bild via Imago

Ingrid Newkirk. Bild via Imago

„Holocaust auf dem Teller“, das ist die Kampagne mit der PETA die meiste Aufmerksamkeit erreichte, allerdings auch viel juristische Aufmerksamkeit. Deutsche Gerichte unterbanden diese PR, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bestätigte das Urteil 2012. PETA wollte lange nicht von dem unsäglichen Vergleich lassen, die rechtliche Einschätzung will Ullmann so verstanden wissen: „Das Gericht hatte die ,Holocaust auf dem Teller‘-Kampagne nicht per se verboten, nur 7 der 8 Plakate, die eine direkte Gegenüberstellung von Tierleid und den Gräueltaten der Nazis zeigten, durften nicht mehr gezeigt werden, und das auch nur in Deutschland.“ Richtig, denn so begründete das Gericht seinerzeit: Man müsse den „spezifischen Kontext der deutschen Geschichte“ beachten und der Vergleich führe zu der „Bagatellisierung und Banalisierung des Schicksals der Holocaustopfer“. Bei aller berechtigten und notwendigen Kritik an der Massentierhaltung darf man nicht vergessen, dass das eigentlich ein System ist, das zur Ernährung von Menschen gedacht ist und nicht vergleichbar ist mit einem System, das allein zur vollständigen, totalen und ewigen Ausrottung des Judentums gedacht war. Yuval Noah Harari, der Israeli ist und in Jerusalem Geschichte lehrt, hat sich einer solchen Sprache aus guten Gründen nicht bedient, als er über Massentierhaltung sprach.

Das ist eine Radikalität, die es braucht, um die „apathische Öffentlichkeit“ aufzuwecken, meint man bei PETA: „Die Geschichte hat gezeigt, dass gerade die Radikalen die waren, die die Sklaverei beendet haben, Frauen das Wahlrecht verschafften und gleiche Rechte für Homosexuelle erreicht haben. Ich nehme die Bezeichnung ,radikal‘ immer als Kompliment auf.“ Das ist ohne Frage richtig, richtig ist aber auch, dass es auch Radikale waren, die das Schlimmste hervorgebracht haben. Auch bei Animal Peace gibt es NS-Vergleiche, unter einem Post zu einem Bison, der einen Pfleger angegriffen hatte, sprach jemand von dem Pfleger als KZ-Wächter. Die entsprechende Zeilen sind allerdings inzwischen gelöscht, vielleicht hatten die Beteiligten sich über ihre eigene Sprache erschrocken.

Es ist 20 Jahre her, da hat Silke Ruthenberg die Sorge um die Sprache umgetrieben, als eine Vorstufe der Gewalt. Der Spiegel portraitierte sie, zitierte ein Flugblatt von ihr: „Schweine […] seien die primären Opfer faschistoider Wortwahl. Sensible Schweine müßten herhalten, die Immoralität von Nazi-Schergen und Massenmördern, Kinderschändern und Vergewaltigern auszudrücken, gar zu verschärfen.“ Das würde ein Klima schaffen, in dem es in Ordnung erscheint, Tiere zu schlachten. Nun ist sie dabei, mit ihrer Sprache ein Klima zu schaffen, das dazu führt, dass Veganer—im besten Fall—verlacht werden. Es sind die Fälle oben, die hängen bleiben. Nicht die Argumente.

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In den nächsten Tagen bekommen sowohl PETA Deutschland als auch Animal Peace die Gelegenheit, sich umfassend zu äußern. Wir werden die beiden Interviews, die geführt worden sind, in voller Länge veröffentlichen. 

Themen:Animal Peace, Cecile, Cluas-Brunner, Harald Ullmann, Massentierhaltung, PETA, Silke Ruthenberg, Stierkampf, Tierrecht, Veganismus, Vegetarismus

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