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KOMMUNALWAHL – WAZ

Tierschutz-Partei Duisburg:

Interner Zoff und radikale Ziele

Annette Kalscheur/WAZ – 18.09.2020, 15:00

DUISBURG.  Die Tierschutz-Partei hat zwei Ratssitze gewonnen. Unterstützung kommt aus Düsseldorf, auch von Torsten Lemmer. Ein Mit-Kandidat wittert Betrug.

Reinhold Kassen versteht die Welt nicht mehr. Als Spitzenkandidat für die „Unabhängige Wählergemeinschaft Tierschutz“ machte er in Duisburg Wahlkampf, sammelte Unterschriften und stellt jetzt fest, dass er gar nicht im Rat gelandet ist – weil er nicht mal Spitzenkandidat war.

Kassen, ehemaliger Bergmann, ist seit Jahren aktiver Tierschützer, hauptberuflich bezeichnet er sich als Medienkoordinator für Animal Peace. Er protestierte gegen den Hundewelpen-Verkauf bei Zoo Zajac und das Gänsereiten in Wattenscheid. Politisch kandidierte er (vergebens) für den Bundestag und das Europa-Parlament, und jetzt auch für „seine Stadt Duisburg“. Deshalb trat er nebst Frau und Sohn bei den Kommunalwahlen an.

Direktkandidaten der Tierschutzpartei geben als Wohnort Düsseldorf an

Als Direktkandidaten ziehen nun aber Jessica Westerteicher und Ben Hammouda Touiaba in den Rat der Stadt ein. Kassen sagt: „Ich hab die zwei noch nie gesehen!“

Jessica Westerteicher, in den sozialen Netzwerken als Jessi Wester unterwegs, arbeitet als Fachkraft für Lagerlogistik und wohnt laut Facebook-Profil in Düsseldorf. Ihr Motto lautet demnach „Ich bin nicht so das nette Mädchen von neben an, ich bin eher die Bekoppte (sic!) von gegenüber xDDD“. Ben Hammouda Touaiba, ebenfalls Lagerist, nennt als Wohnort auf seinem Facebook-Profil ebenfalls Düsseldorf.

NRW-Wahlkampfmanager Lemmer will dem Tierschutz zum Erfolg verhelfen

Um wählbar zu sein, muss man seit mindestens drei Monaten in Duisburg leben. Nach Angaben der Stadt werde das überprüft, auch eine Bescheinigung des Vermieters werde abgefragt. DieKandidaten hätten alle Voraussetzungen erfüllt.

Beim ersten Kontaktversuch mit den beiden erscheint Torsten Lemmer auf der Bildfläche. Er sei NRW-Wahlkampfmanager der „Aktion Partei für Tierschutz – Tierschutz hier!“, die dank seines Engagements auch in Gelsenkirchen, Essen, Düsseldorf und Neuss in den Rat einziehe. Weil die Gründung eines Kreisverbandes Duisburg nicht mehr gelang, wurde die Unabhängige Wählergemeinschaft gegründet. Die beiden Kandidaten seien Tierschützer, die sich um Hunde kümmerten, sie würden sich aber weder mit Politik noch mit Medien auskennen, deshalb „werde ich am Anfang in Duisburg helfen, damit das Projekt ein Erfolg wird“.

Einziges Interesse von Westerteicher und Touaiba sei es, die Tiere zu schützen, „wir werden nicht schul- oder sozialpolitisch auftrumpfen“, sagt Lemmer. Ziel sei vor allem der Umweltausschuss. Bis zur konstituierenden Sitzung des Rates im November will er das Paar vorbereiten und über kommunalpolitische Feinheiten wie Haushaltspläne aufklären. Bis dahin wolle er seiner „Fürsorgepflicht“ nachkommen und diese „liebenswerten Menschen schützen“.

Parteiziele laut Lemmer: Den Zoo schließen, vier Tierheime gründen

Lemmer nimmt Medientermine wahr und erklärt gegenüber unserer Redaktion und dem WDR: Oberstes Ziel seiner Kandidaten sei es, „mittelfristig den Zoo zu schließen und so dem Tiergefängnis ein Ende zu bereiten“. Außerdem wolle man künftig darauf achten, dass bei Bauprojekten nicht mehr nur auf Belastungen für Anwohner geachtet werde, sondern auch auf den Artenschutz. Weiteres Ziel seien vier Tierheime für Duisburg sowie die Abschaffung von Taubenstacheln.

Und was sagt er zum Betrugsvorwurf? Die Familie Kassen stand lediglich auf den Listen für die Bezirksvertretungen auf den obersten Plätzen, so Lemmer. Reinhold Kassen indes sagt, er habe gemeinsam mit seinem Sohn die Wahlliste unterschrieben, auf der sie ganz oben standen. „Aber ich war nicht im Wahlamt, um die Liste noch mal zu überprüfen“, ärgert er sich.

Da sei er wohl zu naiv gewesen, denn Lemmer „ist ein Ganove!“, sagt Kassen. Lemmer umgekehrt nennt Kassen einen „Querulanten“ und „veganen Tierrechtsextremisten“. Die Tierschutz-Szene sei total zerstritten, so Lemmer, schon wegen der Differenzen zwischen Veganern und Vegetariern. „Das ist ähnlich wie die rechtsradikale Szene in Duisburg, da blickt ja auch keiner mehr durch“, sagt Lemmer, erklärter Fleischesser.

Lemmer sitzt für die Freien Wähler im Rat von Düsseldorf

Lemmer hat ein Buch über seinen angeblichen Ausstieg aus der Neonazi-Szene veröffentlicht, wurde danach wegen Volksverhetzung verurteilt. Er hat als Backgroundsänger und Manager der Rechtsrockband Störkraft fungiert, spielte als Neonazi in einem Film mit Christoph Schlingensief mit, war Oberbürgermeisterkandidat und ist frisch gewähltes Mitglied im 90-köpfigen Rat von Düsseldorf.

Er hatte auf Listenplatz 1 für die Liste Tierschutz/Freie Wähler kandidiert, ist außerdem Mitglied der Piratenpartei. Als Geschäftsführer der Ratsfraktion wurde er kürzlich geschasst, sein Stellvertreter Alexander Führer übernahm – und wird auch in Duisburg eine tragende Rolle spielen: Führer will künftig „bei jeder Ratssitzung in Duisburg sein und die beiden Ratsmitglieder unterstützen. Alle Anträge werden über meinen Schreibtisch gehen.“

Protokolle zur Aufstellungsversammlung der Unabhängigen Wählergemeinschaft

Führer war auch bei der Aufstellungsversammlung dabei und rekonstruiert anhand seiner Protokolle das Geschehen. Demnach wurden bei der Gründungsversammlung der Unabhängigen Wählergemeinschaft am 7. Juni die ersten drei Listenplätze besetzt – ohne Familie Kassen, die an dem Tag nicht dabei war. Bei einer weiteren Aufstellungsversammlung am 4. Juli seien die Plätze 4, 5 und 6 mit Familie Kassen besetzt worden, deren Mitglieder außerdem für die Bezirksvertretungen Homberg, Mitte und Rheinhausen als Spitzenkandidaten antraten.

„Kassen hat die Listen für Rat und Bezirksvertretung verwechselt“, sagt Führer. Dessen Enttäuschung, nach dem langen Wahlkampf nicht gewählt worden zu sein, könne er verstehen. Aber sein Wissen werde in den kommenden fünf Jahren noch gebraucht, es sei auch wahrscheinlich, dass Kassen in Ausschüsse gewählt werde oder nachrutsche.

Kassen selbst unterstellt, dass der einzige Beweggrund für die Kandidatur von Westerteicher und Touaiba ein monetärer ist. Ratsmitglieder in Duisburg verdienen pauschal 492,90 Euro im Monat. Auch Lemmer und Führer würden profitieren. Führer sagt allerdings, dass die Aufwandsentschädigungen in den Tierschutz fließen werden, etwa in Demos. „Wir wollen sichtbar sein in Duisburg!“

Tierschutzpartei warnt vor „rechten Tierschützern“

Reinhold Kassen sagt, er habe früher lange „und gut“ mit Lemmer im Tierschutz zusammengearbeitet. Er habe als langjähriger Grünen-Wähler „nichts Rechtes“ an Lemmer entdecken können, deshalb habe er zu ihm gehalten. 2014 habe ihn die Tierschutzpartei zur Zusammenarbeit mit Lemmer gedrängt, wegen dessen Vergangenheit habe er sich zunächst gewehrt. Tatsächlich sei die Zusammenarbeit erfolgreich gewesen.

Als es zum Bruch zwischen der Tierschutzpartei und Lemmer kam, habe man wieder Einfluss auf Kassen nehmen wollen, damit er auf Distanz geht, das habe er aber verweigert, berichtet der 56-Jährige.

Die „Mensch Umwelt Tierschutz – Tierschutzpartei“ warnt auf ihrer Webseite explizit gegen „rechte Tierschützer“. Der Bundesvorstand hat sich 2017 von Torsten Lemmer distanziert und seine Einflussnahme auf allen Ebenen missbilligt. Dass Lemmer seit Jahrzehnten Boxer züchtet und Juror bei Wettkämpfen ist, passte der Tierschutzpartei auch nicht ins Konzept. Allerdings wurde auch Kassen 2017 aller Ämter enthoben. Damals war er Landesgeschäftsführer NRW.

Kassen will Tauben schützen und scheut Tabubrüche nicht

Kassen selbst hätte im Rat versucht, „gegen den geplanten Genozid an den Duisburger Tauben durch das Ordnungsamt“ vorzugehen. „Ihr könnt doch nicht einfach das Friedenssymbol umbringen“, schimpft Kassen.

Der Aktivist scheut vor Tabubrüchen nicht zurück, „wir wollen schließlich was erreichen für die Tiere“. Aber die aktuelle Situation geht ihm zu weit. „Der Rat darf nicht gemolken werden.“ Das würde auch dem Ehrenkodex widersprechen, mit dem Duisburgs Ratsmitglieder und Bezirksvertreter dazu angehalten werden, ihr Mandat verantwortungsvoll und uneigennützig einzusetzen.

TIERSCHUTZ-PARTEI DUISBURG – WAZ – 18.09.2020, 15:00

Wimp-Interview mit Tierrechtler Reinhold Kassen von ANIMAL PEACE

Wimp-Interview: 

Der prominente Tierrechtler Reinhold Kassen kandidiert am 13. September für den Duisburger Stadtrat!

Als Koordinator von ANIMAL PEACE zählt er zu den Urgesteinen in der Tierrechtsszene. Mit über 27 000 Followern gehört die Seite facebook.com/animalpeace.info zu den größten auf Facebook. Wir haben ihn interviewt!

Tierhaltung ist die moderne Sklavenhaltung

– Wimp: Was hat Sie bewogen, bei den kommenden Kommunalwahlen für den Stadtrat zu kandidieren?

– Kassen: Die Welt ist zu 100 Prozent auf Ausbeutung von Tieren aufgebaut. Wir von Animal Peace verstehen uns als Anwälte der Tiere; gerade auf kommunaler Ebene brauchen zum Beispiel die Veterinärämter wesentlich mehr finanzielle und personelle Unterstützung. Auch hierfür würde ich meine Erfahrungen und Kontakte für die Stadt Duisburg zum Einsatz bringen. So haben wir in den letzten 30 Jahren bundesweit in Zusammenarbeit mit den Veterinärämtern hunderte von Tieren in ein schöneres, angstfreies Leben geführt.

– Wimp: Was meinen Sie mit Ausbeutung?

– Kassen: Tierhaltung ist die moderne Sklavenhaltung. Tierbefreiung, wie wir sie anstreben, beginnt im Kopf und mündet in der Sprache. Das betrifft sowohl die sogenannten ‚Nutztiere‘, wie auch den Umgang mit Wildtieren. Als ehemaliger Bergmann weiß ich sehr genau, wem wir die Tauben in den Städten zu verdanken haben. Auch verwilderte Haustiere sollten den Schutz der Stadt genießen. Denn auch sie gehören zu unserer Gesellschaft.

– Ein besonders schlimmes Beispiel für Feudalismus ist die Sklavenhaltung und Zurschaustellung von Tieren im Zoo. Und als ob das nicht reichen würde, haben wir auch noch den weltgrößten Zooladen vom Hunde am Fließband verkaufenden >Zajac<. Unsere Initiative gegen den Welpendiscount, konnte den Hunde- und Katzenverkauf zwar nicht ganz verhindern, aber durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit arg reduzieren. Wenn wir schon Hunde und Katzen auf diese Art feilbieten, werden wir für die sogenannten Nutztiere auch in ferner Zukunft überhaupt kein Land sehen.

Weltgrößter Welpenhändler ZOO ZAJAC

– Wimp: Denken Sie, dass auch nichtkommerzielle Zoos verboten werden sollten?

– Kassen: es gibt keine nichtkommerziellen Zoos. Das Konzept Zoo ist darauf aufgebaut, fühlende Wesen zu Karikaturen ihrer selbst zu machen. Als Stadtratsmitglied würde ich mich dafür einsetzen, dass der Zoo, die Zeichen der Zeit nutzt, und die vorhandene Infrastruktur auch für echten Tierschutz, zum Beispiel. für die Aufnahme beschlagnahmter Wildtiere verwendet. Es werden nur die Zoos überleben, die in der Lage sind, hier umzudenken und neue Wege zu gehen. Auch die zoologischen Gärten haben sehr viel Geld am Leid der Tiere verdient. Jetzt ist es an der Zeit, auch etwas zurückzugeben!

– Wimp: Die Coronakrise bringt private Tierhalter, ebenso wie Tierhöfe und Tierheime in existentielle finanzielle Schwierigkeiten. Wie wollen Sie das Problem lösen?

– Kassen: Zuallererst müssen wie gesagt die Veterinärämter sowohl privat wie auch städtisch mehr unterstützt werden. Hier sind vor allem finanzstarke Vereine gefordert. Schon vor Corona wurde da zuwenig gemacht. Wir von Animal Peace hatten mit Hilfe des Deutschen Tierhilfeverbands DTV mit unserem Coronaschutzschirm eine Menge Vereine während der Krise unterstützen können.

– Ich konnte im Laufe von über drei Jahrzehnten viele Erfahrungen sammeln, die nützlich sind, Investoren mit ins Boot zu holen: Tierschutzlehrerprojekt, Jugendfarmprojekt, eine Tiertafel, ein Tierrettungsdienst und die Unterstützung vorhandener Stadttiergruppen. Zusätzlich sollten die privaten Stadttiergruppen mit Tierheimen gekoppelt und so auch von städtischer Seite mitfinanziert oder zumindest unterstützt werden. Das Geld darf natürlich nicht den Hunden oder Katzen weggenommen werden, sondern muss zusätzlich bereitgestellt werden.

– Wimp: Was ist ihr größter Wunsch für die Zukunft?

– Kassen: Wissen Sie, ich lebe seit Anfang der 90er Jahre vegan und habe seitdem viele Vegetarier und Veganer mit auf den Weg gebracht. Aber die Welt, in der wir leben, bleibt eine böse, solange die Gesetze nicht angepasst werden. >Andere tragen Brillen, aber ich, ich habe Visionen.< Und deshalb Tierrechte in die Parlamente!

– Wimp: Wir danken Ihnen für das Interview und wünschen Ihnen von ganzem Herzen viel Erfolg bei den Wahlen!

facebook.com/wimp.world


niemand kann etwas für die welt in die er hinein geboren wird und dann wird man obendrein auch noch durch erziehung gebrochen, bis einem das unvorstellbare ausmaß des verbrechens vor den augen verschwimmt.

hier die lösung des problems: verzeiht euch selbst und wechselt die seite,
werdet die unüberhörbare stimme der tiere! ihr schrei nach gerechtigkeit! ich hab’s vor fast 30 jahren getan und ich bereue keinen augenblick.

reinhold kassen

1. Veganer Veihnachtsmarkt in Duisburg

Duisburg rockt den POTT

29. & 30.11.2014 Duisburg

grinsche ... vegane.))Der erste vegane Weihnachtsmarkt in Duisburg schlug für zwei Tage seine Zelte auf dem Grundstück der Ev. Kirchengemeinde Walsum-Aldenrade auf.

Die Veranstaltung sollte komplett nicht politisch sein, daher durften wir nicht mit einem MUT-Stand Teilnehmen. Als Animal Peace allerdings waren wir höchst willkommene geladene Gäste.
Aber wer will das noch auseinander dividieren?
30 unserer aktiven Mitstreiter fanden den Weg zu dieser Veranstaltung. Und etliche Interessenten suchten trotz Tarnkleidung das Gespräch mit uns. So haben wir u.a. Interessenten aus Gelsenkirchen und Recklinghausen begeistert, die nach einem näheren Gespräch wohl unsere nächsten Stadtgruppen aufbauen werden.

Wer an diesem Wochenende sich nicht die Zeit genommen hat diese Veranstaltung zu besuchen hat definitiv den Beweis für das zusammenwachsen der Szene verpasst.
Noch nie haben wir so viele fröhliche, glückliche Menschen harmonisch den Beginn der Weihnachtszeit miteinander feiern sehen.

IMG_5505Neben den wichtigsten Tierrechtsorganisationen und einigen fantastischen lokalen Gastronomen, fand der Besucher einen Handwerkermarkt, einen lohnenden Bücherflohmarkt und die Jungs von Buddy Ollie und Band,
die die Gäste mit ihren Texten und ihrem charmant lustigen Programm mit Musik durch die Tage begleiteten.

Die Gemeindemitglieder und Organisatoren sorgten sogar für einen Aufwärmraum mit heissen Suppen und Kaffe für alle Helfer. So richtig umgeworfen hat uns dann der Heissgetränkeservice direkt an den Ständen. So macht Aufklärungsarbeit natürlich gleich doppelt Spaß. Aus ganzem Herzen Danke für dieses wundervolle, seelenheilende Wochenende.

Euer Mut-NRW Team „Undercover“

 

Ein leckerchen …

ANIMAL PEACE zum Welpenverkauf bei Zoo Zajac – DER WESTEN

Warum ein Gegner des Welpenverkaufs mit Zoo Zajac kooperieren würde

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Philipp Wahl – am 01.02.2013

Duisburg.  Dass Zoo Zajac nur 400 statt 1000 Hunde verkauft hat, sei ein Erfolg der „Initiative gegen Welpendiscount“, findet Reinhold Kassen. Warum der Tierschutzaktivist dennoch behauptet, Norbert Zajac zu mögen und warum er manche Zajac-Gegner „Hundehändler übelster Sorte“ nennt.

Seit Jahren kämpft Reinhold Kassen gegen den Handel mit Tieren und Tierfleisch – und darum auch gegen Zoo Zajac. Der Duisburger Tierschutzaktivist demonstriert, sammelt Unterschriften und versucht, seine Botschaften gegen die XXL-Tierhandlung an Menschen und Medien zu bringen. Als Norbert Zajac 2011 bekanntgab, ab Januar 2012 Hundewelpen in seinem Geschäft verkaufen zu wollen, war es Kassen, der den bundesweiten Widerstand im Bündnis „Initiative gegen Welpendiscount“ organisierte. Und nun sagt Kassen, Medienkoordinator der Tierrechtsorganisation Animal Peace, so etwas: „Ich mag ihn. Er hat es weit gebracht.“ Ja doch, der Aktivist meint Norbert Zajac, den Gründer und Chef des laut Guinness-Buch größten Zoofachgeschäftes der Welt. Zajac, so Kossen, sei ein „Ruhrpott-Original und ich glaube, dass ich auch eins bin.“ Damit nicht genug: Zajacs Hundeverkaufsanlage, so Kassen, sei „nicht schlecht“ und „am liebsten würde ich gemeinsame Sache mit Herrn Zajac machen“.

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Reinhold Kassen aus Duisburg organisiert den Widerstand gegen den Welpenhandel bei Zoo Zajac n der „Initiative gegen Welpendiscount“. Eigentlich mag er Norbert Zajac, sagt Kassen. – Foto: Animal Peace

Allerdings hat Kassen nicht etwa die Seite gewechselt. Für den Geschäftsführer des gemeinnützigen Ablegers „Animal-Peace Tierhof“ ist Zajacs Hundeverkauf „immer noch eine Gräueltat“ und „der Tierhandel der moderne Sklavenhandel. Im Zajac-Supermarkt ist es besonders schlimm.“ Beinahe jede Woche, so der 48-Jährige, hätten er und der harte Kern seiner Aktivisten seit dem Start des Welpenverkaufs im Januar 2012 in den Fußgängerzonen an Rhein und Ruhr vor dem Hundekauf bei Zajac gewarnt und Unterschriften gesammelt. Etwa 10.000 Bürger sollen an den Infoständen unterschrieben haben, „um dem gewerblichen Verkauf von Hunden und Katzen in Zoohandlungen Einhalt zu gebieten“.

Vor allem wegen dieser Dauerkampagne, so Kassens Sichtweise, habe Zoo Zajac im ersten Jahr 400 statt 1000 Hunde verkauft – und nicht etwa, weil dem Unternehmen seriöse Lieferanten fehlten. So hatte Norbert Zajac selbst die unter seinen anfänglichen Erwartungen liegenden Verkaufszahlen nach 365 Tagen Welpenhandel erklärt: „Die Nachfrage ist auf jeden Fall da.“ Einen Erfolg will der Geschäftsmann dem Tierrechtler dennoch zugestehen, wie er sagt: „Mit den Dauerprotesten vor meinem Laden hat er zumindest erreicht, dass bis heute keine andere Zoohandlung in Deutschland in den Welpenhandel eingestiegen ist. Das soll mir nur Recht sein.“

 

Tierschützer will Hunde und Katzen in Zoogeschäften verbieten lassen

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Tierschützer Reinhold Kassen (links) im Gespräch mit Norbert Zajac. Foto: Animal Peace

 

Zurück zu Kassens Charmeoffensive. Die lässt den 58-jährigen Adressaten erwartungsgemäß kalt. Kassen indes hofft – allen Ernstes ? – darauf, „dass der Tierfreund Norbert Zajac aufwacht, Tieren in Not mit seinem vielen Geld Gutes tut und dass wir endlich gemeinsam gegen die richtigen Bösewichte vorgehen.“ Mit Zajac als medialem Zugpferd würde er „gerne ein Auffanglager für Wildtiere aus nicht artgerechter privater Haltung aufbauen und die Tiere weitervermitteln. Dasselbe könnte Herr Zajac auch mit Hunden aus dem Tierheim machen. Da wäre er doch auch in den Medien ein Held.“

Will Zajac aber nicht, weil er so nicht für „unseren Qualitätsstandard“ bürgen könne. Und Exoten, die ihren Herr- und Frauchen zu groß geworden sind, lieferten Zoll und Behörden ohnehin schon bei ihm in Duisburg-Neumühl ab, „weil Zoos keinen Platz dafür haben und Tierheime nicht das Know-how“. Kaimane, Riesenschlangen, große Fische und Affenfamilien habe er so beispielsweise schon weitervermittelt.

Hinter dem Annäherungsversuch des Mannes, der schon Anfang der 90er-Jahre für Animal Peace im Dauereinsatz ist, vermutet Norbert Zajac ohnehin „den Versuch, eine neue Einnahmequelle zu generieren“. Was Kassen freilich bestreitet:

Zajac nennt Hunde-Lieferanten nicht – Vorwürfe und Erklärungen

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Foto: WAZ

Zwischen 5000 und 10.000 Euro nehme sein Verein „Animal-Peace Tierhof“, dessen Geschäftsstelle an der Friedrich-Alfred-Straße in Rheinhausen liegt, monatlich ein: „Unsere Fördermitglieder – es sind zurzeit etwa 700, 800 – unterstützen uns monatlich mit jeweils 30 bis 100 Euro, dazu kommen Spenden, auch anderer Organisationen.“

Das Geld investierte er einerseits in Tierhöfe in Moers-Kapellen und Haltern sowie in Aufklärungsarbeit, Kampagnen und „Tierbefreiungen“. Vor wenigen Tagen erst endete die Rettung von 129 Mastschweinen, die der Verein „Rüsselheim e.V.“ in Augsburg freigekauft hatte. „Animal-Peace Tierhof“ half beim Transport auf einen Hof im Berliner Umland mit.

Ein Dauerbrenner bleibt die Kampagne „gegen Wühltischwelpen“. Kassen hofft, den Verkauf von Katzen und Hunden in Zoohandlungen gesetzlich verbieten lassen zu können: „Dazu müssen aber alle deutschen Tierschutzorganisationen und Tierheime an einem Strang ziehen.“

Kunden erfahren nicht, woher Welpe stammt

Bis dahin kritisiert Kassen erst einmal seinen „Lieblingskontrahenten“ Zajac weiter: Der nenne die Namen seiner Welpen-Lieferanten nur nicht, „um irgendwelchen unseriösen Hinterhofzüchter zu decken“. Dass Norbert Zajac genau mit diesen Züchtern keine Geschäfte macht und nur jeden vierten angebotenen Hund kauft, will der Tierschützer ihm nicht glauben.

Der Hundehändler selbst argumentiert, er müsse seine Lieferanten nach den schlechten Erfahrungen Anfang 2012 vor Tierschützern wie Kassen schützen: „Diese Leute haben meine Geschäftspartner beschimpft, haben Demos in deren Vorgärten veranstaltet und ihre Internetseiten gekapert.“

Selbst die Kunden erfahren nicht, woher ihr Hund stammt: Die Tierschützer, so Zajac, „haben wiederholt Testkäufe bei uns gemacht. Ich kann da nicht zwischen Aktivisten und ehrlichen Käufern unterscheiden. Wenn da Adressen in Umlauf geraten, habe ich bald wirklich keine Züchter mehr, die mir gesunde Welpen verkaufen.“

Als die Proteste vor dem Zoogeschäft im Januar 2012 ihren Höhepunkt erreichten, hatten Zajac und Kassen häufiger Gelegenheit zum Gespräch:

Im Duisburger Tierheim wurden wohl noch keine Zajac-Hunde abgegeben

Damals habe Kassen ihm erklärt, dass viele der Tierschützer vor Ort ihre Einnahmequelle durch Zajacs „Sortimentserweiterung“ gefährdet sähen, behauptet Zajac: „Diese Gruppen verkaufen jährlich 500.000 Straßenhunde, die sie zum Beispiel aus Mittelmeerländern einführen, hat Herr Kassen mir erzählt.“

Der Tierrechtler bestreitet diese Aussage, gesteht aber zweierlei: dass tatsächlich viele „vermeintliche Tierschützer als Hundehändler übelster Sorte Geld verdienen“ und dass er sich während der Demonstrationen auch mit Hundezüchtern verbündet habe, denen er selbst kritisch gegenüberstehe. Zumal er jede Form des Tierhandels ablehne.

Vorsitzende des Tierheims kritisiert Hundeverkauf bei Zajac

Im „Tierschutzzentrum Duisburg“, dem städtischen Tierheim, hat seit Beginn des Hundehandels übrigens noch niemand einen Hund abgegeben und Zajac als Bezugsquelle genannt. Das berichtet die Vorsitzende Monika Lange. Sie bleibt dennoch dabei, dass die Zajac-Welpen „in der wichtigsten Phase ihres Lebens, in der Sozialisierungsphase sehr stressige Veränderungen erleben müssen, die bei empfindlichen Tieren Schaden anrichten können.“

So könnten durch die fehlende Prägung Verhaltensauffälligkeiten verursacht werden. Gleichwohl seien die Unterbringung und die Betreuung der Hunde bei Zoo Zajac nicht schlecht, besser sogar als bei vielen Züchtern, so Lange. „Wir sollten aber bei der Bewertung des Hundeverkaufs dort nicht nur Negativbeispiel heranziehen. Es geht eben auch viel besser.“

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