Mittel zum Zweck – Silke Ruthenberg

Hildmann hat es verraten:

Vegangott hat das Kälbchen nur als Mittel zum Zweck benutzt

In diesem Jahr jährt sich die Oskarverleihung für das „Leben der Anderen“ als bester fremdsprachiger Film zum 10. Mal. Das Melodram (Kulisse ist die ehemalige DDR) demaskiert auf eindringliche Weise, wie im Dunstkreis von Ideologie die einzelnen Darsteller doch nur ihre persönlichen Ziele verfolgen.
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Diese Muster, die in diesem Film gezeichnet werden, die Muster von Ehrgeiz, Macht und Gier, Verrat, Mißtrauen, Feigheit und Sehnsucht nach dem Guten lassen sich lückenlos auf die Vegane Welt übertragen. Letzte Woche spielte sich in dieser Veganen Welt eine Szene wie aus dem Drehbuch des genannten Films ab: Attila Hildmanns medial durchschlagende PR für seine vegane Frittenbude. Die Reaktionen bewegten sich zwischen gewohnter Ächtung seiner verbalaggressiver Art und Infragestellung seiner Person und Glaubwürdigkeit – reduzieren ihn und sein Anliegen also auf die Rolle eines Borderliners – und blinder Groopie-Begeisterung für Hildmanns Tierschutzaktion, die tatsächlich gar keine war. Ich wiederhole mich nicht gern, wer es lesen und verstehen will, der lese hier: Kälberkönig Attila – Oder was das Tierrecht von Hildmann lernen kann. Und was nicht.
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Nun hat sich der Medienstar, schneller als gedacht, selbst entlarvt. Um im Bild von „Im Leben der Anderen“ zu bleiben: Hildmann wollte mit seiner PR-Aktion die Rolle des Stasi-Hauptmanns Wiesler einnehmen, der lange eisenhart und erfolgreich seine Ziele verfolgte, bis er eines Tages den „Guten Menschen“ in sich entdeckt und in Folge seine schützende Hand über ein Künstlerpaar im Fadenkreuz der Stasi hielt. Mit seiner eigenen „Sonate vom Guten Menschen“ hat Hildmann es aber nur in die Rolle des zynischen und schmierigen Kulturministers Bruno Hempf geschafft, der sich im Filmstück auf der Rückbank des Dienstwagens an der schönen Schauspielerin Christa-Maria Sieland schnaufend vergreift, die sich zum Sexobjekt degradieren lässt, um sich dadurch den Segen des Systems als Theaterdarstellerin zu sichern. Hildmanns Opfer, das er als Stilmittel und Staffage benutzte, hatte noch nicht einmal eine theoretische Wahl, ob es den Kopf hinhält, damit ein Vegandarsteller sich moralisierend zum Guten Menschen erklären kann. und es hatte keinen Vorteil davon, noch nicht einmal dafür hat es beim Selbstinszenierer gereicht.
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Das Schicksal des kleinen, bildhübschens Kälbchens, nennen wir es Christa, kann nun als geklärt betrachtet werden. Attila Hildmann hat in einem Interview vom Wochenende die Kardinalfrage „Woher kamen Kalb und Ziege, und wohin gingen sie danach?“ beantwortet in einer so zynischen Form, die ich ihm trotz meiner Kritik an der Aktion nicht zugetraut hätte. Eine deutlichere Bestätigung hätte ich mir nicht wünschen können… wenn es nicht so unendlich traurig wäre.
Hildmann hat das Kälbchen mit seiner Aktion nicht nur verdinglicht, wie ich beschrieb und erklärte und was niemals der Sache der Tiere dienen kann, es sei denn, man glaubt daran, den Teufel mit dem Belzebub austreiben zu können. Hildmann hat mit dem Kälbchen auf dem Hänger, diesem bildschönen Sklavenwesen mit seinen dunklen Samt- und Seelenaugen, genau das gemacht, was der fette Bruno Hempf auf der Rückbank mit der schönen Schauspielerin tat. Er hat es benutzt wie ein Stück Vieh… für sich. Und nur für sich und seiner Sonate auf sich selbst als guter Mensch, der nicht töten will und kann. Im Dunstkreis einer Ideologie hat Hildmann nur sein eigenes Ding gemacht. Und eine blinde, taube Schar spendet ihm dafür Applaus, anstatt das Kälbchen zum Gott zu erheben. Was noch für manche wohl noch zu abstrakt war, was ich da schrieb von der Verdinglichung des Kalbes, hat Hildmann nun selbst bestätigt, mit einem einzigen Satz in einem 25minütigem Interview als Fakt bestätigt, was zuvor noch reine Theorie war. Dieser Satz lautet:
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„Ich bin am Tag davor zu nem Bauern gefahren und hab gesagt: Komm, hier sind 500 Euro, komm vorbei mit nem Tiertransport quasi und lad mir dieses Kalb auf.“
Unbenannt
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Die Aktion von Attila Hildmann war eine Lüge. Ein Verrat.
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Und wer rettet nun Christa vor diesem falschen Vegangott? Um Christas Willen? Und für die Glaubwürdigkeit der großen veganen Idee, wie sie einst gedacht war? Hildmann kann ja dann die Patenschaft übernehmen, den Hunderter im Monat wird er doch wohl übrig haben, auch, um sich selbst zu retten. Es ist nie zu spät, ein Guter Mensch zu werden.
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