Prügel hat noch keinem Kind geschadet…

Rentier-Schlachtung in Norwegen

Ein Tracht Prügel hat noch keinem Kind geschadet

hahn-der-coole_0002So lautete bis vor wenigen Jahren und Jahrzehnten die allgemeine Meinung und bei vielen (hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand) auch heute noch. Und trotzdem ist Kinderprügeln mit gutem Grund seit 17 Jahren mit dem Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung verboten. Das gilt im übrigen für alle skandinavischen Länder, Österreich, Kroatien, Zypern und Lettland. Auch für Norwegen.
Natürlich liegen solchen Gesetzen lange Entwicklungsprozesse in einer Gesellschaft zugrunde und insbesondere auch Erkenntnisse der Psychologie hinsichtlich der nachhaltend traumatisierenden Auswirkungen körperlicher Misshandlungen auf ein Opfer.

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Und die Forschung scheitet auch hier fort und öffnet den Blick auf die psychischen Folgen jedweder Gewalt. Vor einem Jahr berichtete die Süddeutsche Zeitung über eine große Studie, die belegte, was einzelne Forscher immer wieder vermutet haben. Die emotionale Misshandlung von Kindern wirkt sich ähnlich schlimm auf die psychische Gesundheit aus wie körperliche Gewalt und Vernachlässigung. http://www.sueddeutsche.de/…/emotionale-misshandlung-ohrfei…

Traumatisierungen haben auf Menschen unterschiedliche Auswirkungen. Entweder sie schaffen es, die Erfahrungen zu bewältigen, oder sie verdrängen und werden körperlich oder psychisch krank. Aus der Traumaforschung ist bekannt, dass das Erleben von Gewalt als Zuschauer bereits schwere Traumafolgestörungen nach sich ziehen kann. Dies ist keine These oder Außenseitermeinung der Disziplin sondern anerkannter Fakt. es hat wohl etwas mit genereller Empathiefähigkeit zu tun.

Und aus diesem Grund ist das Geschwätz des Kinderpsychiaters Günter in der Stuttgarter Zeitung unfundiertes und inkonsistentes Geschwätz eines auf gesellschaftsgefällige Anpassung Orientierten, der selbstbedacht andere die heißen Kohlen der Erkenntnis aus dem Feuer holen lässt, um sich später im sicheren Bereich damit wichtig zu tun.

Wie viel entsetzliche und rohe Gewalt gegen Tiere haben Kinder gerade in der Vergangenheit miterleben müssen. Die Anpasser unter ihnen haben sie – ihrer geistigseelischen Grundkonstitution entsprechend – akzeptieren gelernt und sich mit dem Gewalttäter und der Gewalt lebenslang identifiziert (so entwickelt sich generell die Täterkultur, so wie sie Arno Gruen beschreibt).
Ein anderer Teil hat es geschafft, die entsetzlichen Bilder zu verdrängen und im Schweigen darüber versinken zu lassen in unterdrückten Erinnerungen und bei manchen wurden sie zum unerkannten Trauma.
Wie viele Menschen haben mir dann aber doch davon erzählt: der alte Mann mit Tränen in den Augen, wie am Tag nach dem Tod des geliebten Großvaters er dessen Hund zum Schlachthof bringen musste. Die Trauer der Geschwisterkinder um die erfrorenen Fische, die Mutter hatte das Glas mit diesen in der Winternacht auf den Balkon gestellt und die weinenden Kinder wurden am nächsten Tag dafür noch verhöhnt mit einer inszenierten Trauerveranstaltung für die toten Fische. Die Schreie des Schweines aus dem Keller, wo es wochenlang in Dunkelhaft gemästet wurde. Und so viele andere schreckliche Geschichten von Rohheit und Gewalt.

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Silke Ruthenberg, Bild via Imago.

Von mir selbst kann ich sagen, dass ein entsprechender Vorfall das für mich beeindruckendste Erlebnis meiner Kindheit war: Südtirol, Villnösstal, Wanderurlaub mit den Eltern, ich war vier Jahre alt. Da erfuhren wir von einer Bäuerin, dass ihr zweijähriger Sohn das kleine Katzenbaby, mit dem ich immer gespielt hatte, ins Plumpsklo geworfen hatte, es käme nicht mehr hinaus und würde wohl in den nächsten Tagen im Dung ersticken. Die Geschichte ging zum Glück gut aus, das Kätzchen schaffte es wieder Erwarten allein aus dem Dreckloch hinaus, schwer traumatisiert lief es dann verängstigt über den Hof, streicheln ließ es sich natürlich nie mehr. Von mir kann ich sagen, dass ich dieses Gefühl namlosen Entsetzens, das mich damals erfasste, bis heute nicht verloren habe. Was für Folgen hätte es erst gehabt, wenn das Kätzchen – im Stich gelassen von allen – alleine im Dreck gestorben wäre? Auch für mich?

15941381_1354285707948791_8130262185665115655_nSchadet es Kindern, wenn sie zuschauen müssen, wie der Pastor die große Schwester und den großen Bruder vor ihren Augen mit der Rute züchtigt, wie im oskar-nominierten Film „Das weiße Band“ so nachdrücklich szenisch dargestellt wird? Sie sind in dieser psychologisch äußerst feinfühligen Geschichte alle groß geworden in dieser von seelischer, sexueller und körperlichen Gewalt und Unterdrückung geprägten Welt. Und sie sind alle bereitwillig, nur allzubereitwillig in den 1. Weltkrieg gezogen. Gewalt ist in ihrer Erlebniswelt von Kindesbeinen an normal. Wie kann man annehmen, dass Gewalterleben folgenlos bleibt? Sie bleibt nie folgenlos, weder für den einzelnen, der unter der Gewalt moralisch deformiert, noch für eine ganze Gesellschaft.

Man kann davon ausgehen, dass in einer Gesellschaft, in der Gewalt gegen Tiere als „normal“ empfunden wird, die durch kindliche Gewalterfahrung an Tieren Beeinträchtigte darüber weitgehend schweigen werden, um sich selbst vor Lächerlichmachung zu schützen. Bei so einem Kinderpsychiater wie Günter ist es geradezu empfehlenswert, aus Selbstschutzgründen den Mund zu halten. Man muss sich sonst nur ärgern über einen, der psychologisch och in der Höhle sitzt, seine Schattenbilder betrachtet und meint, die Wahrheit zu kennen.

Silke Ruthenberg

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Rentier-Schlachtung in Norwegen

STUTTGARTER ZEITUNG

media-media-3ddafd5e-1027-4e56-b713-d837eba3c208-normalized„Kindern schadet es nicht, wenn sie so etwas angucken“

Stuttgart – So geht Kindererziehung in Norwegen: Der Ausflug des norwegischen Kindergartens Granstubben Barnehage zu einer Rentierschlachtung hat auf Facebook helle Empörung ausgelöst. Besser gesagt: Eine veritablen digitalen Orkan #RentierMassaker #Shitstorm. Die Bilder, die die Kita-Mitarbeiter aus Henning bei Trondheim ins Netz gestellt haben, sind in der Tat an Expressivität kaum zu überbieten. Man sieht auf den Fotos Kinder, die blutige Rentierfelle durch den Schnee schleifen und die Köpfe der Tiere in hohem Bogen in einen Abfallcontainer schmeißen. . . .

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