Warum nun genau Nacktaffe?

Apropos Nacktaffe

Seit geraumer Zeit verwenden wir auf unserer Facebook-Seite den Begriff „nackter Affe“ bzw. „Nacktaffe“ als Synonym für „Menschen“. Dies sorgt immer wieder für Irritationen, aber immer mehr helle Köpfe verwenden diesen Begriff nun auch selbst. Darüber freuen wir uns außerordentlich, denn wir möchten, dass „Nacktaffe“ sich als gebräuchliches Synonym für „Menschen“ durchsetzt.
Und das hat einen Grund.

unbenannttrDie Begriffe „Mensch“ und „Tier“ werden im allgemeinen Sprachgebrauch als Antagonisten verwendet. Hier der Mensch, und dort… wird alles von der Amöbe bis zum Berggorilla unter dem Oberbegriff „Tier“ zusammengefasst. Dabei sind Menschen natürlich auch Tiere, nicht mehr oder weniger als Marienkäfer, Molche und Mäuse, eine Art von etwa eineinhalb Millionen anderen Arten. „Tier“ ist erstmal nur die Klassifizierung von Lebewesen, die bestimmte Merkmale vereint – in (fließender) Abgrenzung zu Pflanzen und Pilzen. Es war Darwin, der neben Kopernikus (Nix mit Mittelpunkt des Kosmos) und Freud (Nix mit Herr im eigenen Haus) der Menschheit die größte narzisstische Kränkung zufügte, und feststellte, dass auch Menschen Tiere sind.
Biologisch wird das mittlerweile akzeptiert, juristisch und im allgemeinen Sprachgebrauch grenzt sich der Mensch weiterhin ab und betont seine Sonderstellung, die bis auf seine Hybris keine echte Grundlage hat, denn einzigartig ist jede Art, jede hat Alleinstellungsmerkmale. Trotzdem hält sich der Mensch auch weiterhin noch für das besonders Besondere unter den Besonderen.
Das Begriffspaar „Mensch und Tier“ dient dabei der Ausgrenzung, der Abgrenzung und der Selbsterhöhung. Der Begriff „Mensch“ ist ideologisch aufgeladen mit Wertigkeiten und Fähigkeiten, die wahrlich nicht exklusiv menschlich sind. Mit den Begriffen Mensch und Tier wird ein trennender Graben aufgerissen nur über die darin innewohnenden Konnotationen, die mit beiden Begriffen verbunden sind. „Menschen“ sind „wir“, „Tiere“ sind bestenfalls „die Anderen“, eigentlich ja eher „Niemand“. Abe wer bestimmt eigentlich, wer „wir“ ist, und wer „ein Anderer“? Und vor allem: wem nützt dieses Denken? Und wem schadet es?
Wir halten den Abschied von den Begriffen „Mensch“ und „Tier“ wichtig, weil beide Begriffe ideologisch aufgeladen sind mit zugewiesenen Merkmalen und mit ihnen Informationen transportiert werden, die per se dem Tierrecht nicht dienen sondern schaden. Wem das Tierrecht am Herzen liegt, sollte als erstes an der Sprache arbeiten, denn die Sprache schafft die Herrschaftsstrukturen und sie löst sie auch auf. Wir schlagen fürs Erste eben den „Nacktaffen“ vor und ersetzen den Begriff „Tier“ zunehmend durch die spezielle Artzugehörigkeit oder einfach durch den neutralen Begriff „Person“.
Warum nun genau Nacktaffe? 1967 erschien das Buch „Der nackte Affe“ von Desmond Morris und es räumte gründlich auf mit der Sonderstellung des Menschen. Es richtete sein Augenmerk auf das Verbindende im Verhalten von Menschen und speziell der anderen Affenarten. Das Buch wurde zum Bestseller und schenkte uns eine Bezeichnung für unsere Art, die den ausgrenzenden Dünkel vermeidet. Und weil Sprache ein Schlüssel zur Veränderung ist, werden wir ihn auch künftig konsequent benutzen und uns über seine weitere rege Verwendung allüberall freuen.

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Auf dem Bild sind übrigens keine Nacktaffen zu sehen sondern aufgrund einer genetischen Veränderung haarlose Schimpansen (Häftlinge in einem Tiergefängnis in London). Genetisch sind wir Nacktaffen übrigens auch Schimpansen – oder Schimpansen und Bonobos sind Menschen/ Nacktaffen, so gering ist der genetische Unterschied. Sogar die biologische Wissenschaft lügt sich da was zurecht, wenn sie unterscheidet, und wendet ihre selbst erhobenen Kritierien zur Klassifikation bei sich selbst nicht stringent an. Genetisch stehen Nacktaffen den Schimpansen näher als zum Beispiel zwei Gibbonarten. Es ist sogar so, dass Nacktaffenfrauen Schimpansenfrauen genetisch meist näher stehen als ihren Nacktaffenmännern, deren genetischer Unterschied zu Schimpansenmännern sich hinwiederum vor allem im Hoden abspielt und kaum im Hirn. Umso dringender, mal aufzuräumen… und wenn es zunächst nur über den Begriff „Nacktaffe“ geschieht. SR

 

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