Statement zur Freude über die Rache des Bullen und sonst so EINIGES

Ein Bulle nimmt Rache …

Nümbrecht, 7.1.15 – Rinder-Mann, geh´ Du voran: Wieder ist ein Held aus unserer Mitte aufgestanden. Ein dreijähriger Bulle hat nahe Köln seinen Sklavenhalter angegriffen und tödlich verletzt. Der 61jährige Landwirt wollte eine Schiebetür im Stall reparieren. Als am Abend der Sohn den Stall betrat, um die Kühe zu melken, entdeckte er die Leiche seines Vaters. Wir verneigen uns vor dem Held der Freiheit. Mögen ihm viele weitere Rinder in den Aufstand der Geknechteten folgen.

teaserbox_35504596

Presseanfragen bitte derzeit ausschließlich über die email-Adresse, wir melden uns umgehend. Wir bekommen derzeit so viele aparte Morddrohungen und reizende Vergewaltigungsaufrufe, dass wir das Telefon derzeit abgestellt haben. Hier wohnt auch ein Kind, das damit noch nicht so humorvoll umgehen kann wie wir. Danke.

animal-peace medienkoordination

mobil: 0151 423 18 339  r.k.

email: Silke.Ruthenberg@t-online.de

.

 

cache_35727873

Statement zur Freude über die Rache des Bullen und sonst so EINIGES

Es schmerzt mich, dass es nie zu einer Erhebung der Tiere gegen uns kommen wird, der geduldigen Tiere, der Kühe, der Schafe, allen Viehs, das in unsere Hand gegeben ist und ihr nicht entgehen kann. Ich stelle mir vor, wie eine Rebellion in einem Schlachthaus ausbricht und von da sich über eine ganze Stadt ergießt… Ich wäre schon erleichtert über einen Stier, der diese Helden, die Stierkämpfer, jämmerlich in die Flucht schlägt und eine ganze blutgierige Arena dazu. Aber ein Ausbruch der mindern, sanften Opfer, der Schafe, der Kühe wäre mir lieber. Ich mag nicht wahrhaben, dass sie nie geschehen kann; dass wir vor ihnen, gerade ihnen allein, nie zittern werden.

Elias Canetti, Nobelpreisträger für Literatur

 

cache_36207444Wir haben uns auf Anfeindungen gefasst gemacht. Doch mit soviel Ehre hätten wir dann doch nicht gerechnet. Deshalb nun unser Statement zum Shitstorm von negativen Kommentaren, Bedrohungen und Beleidigungen auf Facebook – gern auch jenseits des strafrechtlich Erlaubten – aufgrund unseres – demokratisch völlig legitimen – Beitrags zu einem Bullen, der Rache nahm an seinem Sklavenhalter, dem Bauern. Und das nicht nur von Landwirten – wo man es ja verstehen kann – sondern auch von so einigen, die eigentlich solidarisch sein wollen mit Tieren. Dass es rundherum an einer guten Form der politischen Auseinandersetzung gebricht, soll dabei dahingestellt bleiben. Die schlechte Form spricht ja für sich. Uns soll es hier um den Inhalt gehen.

 

Zunächst: Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Mit keinem Wort haben wir Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass ein Mensch zu Tode kam. Nennt man das Freudsches Verlesen, narzisstisch begründete Paranoia oder schlechtes Gewissen oder wie soll man diese verzerrende Interpretation einordnen? Warum wird die ausdrückliche Solidarität mit einem Rind sofort mit dem gemeinsten Verdacht belegt? Dafür kann es nur innere Gründe geben. Es ist und bleibt unsubstantiiertes, denunziatorisches Geraune.

 

Wir teilen die Gefühle des hochgeschätzten Elias Canetti, aber wir haben uns eine andere Einschätzung der Angelegenheit erlaubt, und wir haben uns dabei inspirieren lassen von den modernen wissenschaftlichen Forschungen zu Aufstand und Rebellion bei versklavten Tierindividuen, die eine vermeintliche Unberechenbarkeit mit guten Gründen als Sklavenaufstand einordnen. Diese Freiheit der Bewertung steht nicht nur Wissenschaftlern zu.

Wenn Canetti sich so einen Aufstand aus tiefster Seele wünschte, so fühlen wir uns in bester intellektueller Gesellschaft, wenn wir uns freuen, dass sich endlich einmal ein Opfer erhebt, um sich zu wehren, wo sie – die Opfer – sich doch sonst zu Millionen und Abermillionen widerstandslos und in tiefster Seele gebrochen in den Schlachthof treiben lassen, sich ihre Kinder wegnehmen lassen, sich in düstere Verschläge und Stehsärge sperren lassen und nur ertragen, erdulden, wie nur tief traumatisierte Opfer erdulden und ertragen, weil ihnen durch die Gewalt die Fähigkeit genommen wurde, sich zu wehren. Die auf Knien leben, weil sie nicht aufrecht leben und und auch nicht aufrecht sterben können.

Ist das besser? Ist es wirklich besser, wenn sich die Opfer von Gewalt anstandslos gefallen lassen?

 

Wir haben einen Perspektivenwechsel unternommen und uns in die Gefühls- und Erlebniswelt des Bullen hineinversetzt. Wir haben aus dem Prisma der Rinder betrachtet und bewertet. Das ist ein Tabubruch in einer Welt, die strukturell eine Täterwelt ist. Doch ist dieser Tabubruch nicht nur legitim, er ist notwendig und angebracht, um diese Strukturen zu erhellen und zu durchbrechen. Dass dieses Stilmittel so manchen psychologisch und intellektuell überfordert – so what?! Es gibt auch viele, die genau verstehen. Womöglich ist es nur eine Frage der psychischen Konstitution und der Beschaffenheit des Denkapparates. Immerhin gibt dieser Tabubruch mehr Stoff zum Denken und Diskutieren als ein Rezept über Zucchinispaghetti.

Wir haben dieses Postulat auch angelegt, weil der anbiedernde, relativierende, verleugnende Anpasserunsinn der Harmonieveganer nicht mehr zu ertragen ist im Angesicht dieser wahnsinnigen Tötungsmaschinerie, die da läuft Minute um Minute und Tag um Tag. Es ist doch nur Feigheit vor dem Feind und man darf sich schon fragen, warum diese verschmuste und verlogene Heuchelei als Kommunikationsform soviel mehr geschätzt wird als das ehrliche, klare Wort. Das wiederum kann nur Eitelkeit sein. Oder noch Schlimmeres.

 

Dass Landwirte unser Postulat nicht verstehen, ist nachvollziehbar. Die Einbindung in das System lässt keinen anderen Blick auf Tiere zu als den aus einer gefühlten natürlichen Legitimierung, alles tun zu dürfen, was gegenüber einem Menschen ein Verbrechen wäre. Diese Schizophrenie zu leben macht es unmöglich, den Blickwinkel der Tiere einzunehmen jenseits der Wahrnehmung ihrer basalen, körperlichen Bedürfnisse zum reinen Existenzerhalt. Der Gesetzgeber am Gängelband der Systeminteressen gibt ihnen ja auch Recht und Legitimation.

Das verstehen wir durchaus. Wir haben auch Milgrams Botschaft sehr gut verstanden. Nur: Mit dem gleichen Recht, wie sich die einen die Solidarität mit dem Landwirt und seiner Familie erlauben und mit ihr trauern, erlauben wir uns die Solidarität mit dem Bullen und trauern mit ihm um sein Schicksal und das seiner Kinder. Unsere Haltung entspringt ausdrücklich nur der erklärten Solidarität mit den Rindern. Das Postulat ist eine politische und keine persönliche Botschaft und sollte so verstanden werden.

 

Vor der Kollaboration der vermeintlichen Tierschützer hingegen steht man ratlos. Man wird erinnert an den enormen Hass, der Natatscha Kampusch entgegenschlug, weil sie sich nicht wie ein richtiges Opfer gebärdete, wie es eine verheuchelte Täterkultur von Opfern erwartet, sondern trotz des Erlittenem mit bewundernswert aufrechtem Gang aus der Gefangenschaft im Kellerloch in die Gesellschaft zurückkehrte. Wie pervers ist es, wenn wir nur gebrochene, schwache Opfer sehen wollen, über die wir uns dann in Mitgefühl erheben können? Und nur diejenigen Schafe beweinen, die sich stumm und willenlos zur Schlachtbank führen lassen?

Wen haben denn die Tiere außer uns? Und hat ein Bulle, der sich wehrt, keine Solidarität verdient? Er ist doch Opfer und ist es sein Leben lang gewesen, wie seine Mutter und Großmutter und seine Geschwister. Nie hat er ein freies, selbstbestimmtes Leben führen dürfen und jetzt ist er sicher schon tot, umgebracht ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren.

Divide et impera. Wenn wir die Solidarität mit den Tieren nicht leisten, werden wir ihr Leben nie retten können. Aber wer weiß das schon, ob das überhaupt ein Ziel derjeniger ist, die jetzt verheuchelte und populistische Solidarität mit Landwirten üben. Wagenburgmentalität mit Tätern, diese Selbstinszenierung ist grotesk. Wäre ich Landwirt, mir würde übel werden, wenn sich jemand so an meinem Arsch zu schaffen machte.

 

Aber wenn man ständig gegen den Stachel löckt, dann tut es gut, einmal zur Machtmehrheit zu gehören, gell?! Die Tiere werden sich sicher nicht beschweren. Und es geht mal wieder nur um die eigenen Gefühle und um sonst gar nichts.

 

Ist es da noch ein Wunder, dass unsere ganze Hoffnung darauf liegt, dass es zu einem Aufstand der Tiere kommen möge, so wie es Canetti beschrieben hat, und nicht wegen der Landwirte, nein, sondern wegen der sogenannten Tierfreunde, die die falschesten Freunde sind bei dem Unglück, dem die Tiere ausgesetzt sind. Da braucht es keine Feinde mehr.

Wir haben mit einem Zitat von Elias Canetti begonnen und wir schließen mit einem Zitat von ihm. Es lautet:

 

Wann werden alle Tiere schießen lernen? Wann wird es für jeden Jäger gefährlich werden zu schießen? Wann werden Tiere wie Rebellen Gewehre stehlen, beiseite schaffen und sich im Schießen üben? Horntiere hätten es besonders gut, aber auch mit Zehen und mit Zähnen ließe sich auf Jäger schießen. Und wenn unschuldige Menschen dabei zu Schaden kämen? Aber wieviel unschuldige Tiere….!

Mafiabanner1.indd

.

Interview

Silke Ruthenberg zur Strafanzeige des Bauernverbandes

„Bauernschlaue Hassprediger“

München | 26.1.15 – Laut Medienberichten hat der Bauernverband Strafanzeige wegen Verunglimpfung eines Verstorbenen gestellt. Silke Ruthenberg als Verantwortliche des Portals Viva-Vegan.info bezieht hier zu den dringenden Fragen Stellung.

 

FRAGE: Der Bauernverband hält den Artikel „Die Rache des Bullen“ für einen Rechtsverstoß und eine Verunglimpfung des Andenkens von Verstorbenen. Wie siehst Du das?

 

Silke Ruthenberg: Eine rechtliche Beurteilung mögen die Gerichte vornehmen. Die beherrschen das. Wir gehen davon aus, dass die Staatsanwaltschaft kein Ermittlungsverfahren einleiten wird, geschweige denn, dass ein entsprechendes Urteil ergehen wird. Im anderen Fall sind wir durchaus bereit, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen.  Pressefreiheit ist ein sehr hohes Gut, für das noch vor 14 Tagen Millionen Menschen auf die Straße gegangen sind.  Da stehen wir alle in der Pflicht.

 

Kannst Du nachvollziehen, dass viele den Artikel als eine menschenverachtende Verhöhnung des zu Tode gekommenen Bauern verstehen?

 

Sie sind der Geist, den sie begreifen. Wir haben mit keinem einzigen Wort den getöteten Bauern verhöhnt. Wer lesen kann, ist da klar im Vorteil. Wir freuen uns über den Aufstand eines Geknechteten. Nicht mehr. Nicht weniger. Es ist eine politische und keine persönliche Botschaft. Wer in einem Rind ein Objekt sieht, der wird das womöglich nicht verstehen können, weil er den Blickwinkel des Verfassers nicht einnehmen will oder kann. Aber Rinder können wahrnehmen, bewerten, entscheiden und handeln. Sie wissen, was sie tun. Sie sind Subjekte, die fühlen und denken können und mit diesen Gefühlen und Gedanken ein freies und unversehrtes Leben führen wollen. Wie wir. Wer das versteht, der begreift auch den Artikel, wie er geschrieben steht und gemeint ist.

 

Empfindest Du die Interpretation des Bauernverbandes als üble Nachrede?

 

Man bekommt den Eindruck, dass so taktiert wird. Die Deutung ist eine denunziatorische Fehlinterpretation, die auf dumpfe Vorurteile aufbaut, Tierfreunde seien Menschenfeinde. Spätestens mit meinem Statement dazu ist unser Beitrag geleistet, sowohl Motivation als auch Aussage des Artikels glasklar darzulegen. Die Sache ist doch die: Der Bauerverband will seinem politischen Widersacher – uns, die wir für das Recht der Tiere einstehen – rufmörderisch etwas unterschieben. Es ist schmutzige Politik, eine bauernschlaue Hetzkampagne von Hasspredigern, nichts mehr.

 

Meinst Du, die große Öffentlichkeit zur Freude des Bullen schadet der Sache der Tiere?

 

Im Gegenteil. Und sogar dann, wenn Medien wie die Rheinische Post uns keine Gelegenheit zur Stellungnahme geben, wie es gute journalistische Gepflogenheit ist. Egal. Es bringt die Sache der Tiere ins Rampenlicht. Wer Tiere liebt, der versteht auch. Wer schuldig ist, wird es schmutzig benutzen und steht damit in finsterem Licht. Wir haben unzählige Morddrohungen, Vergewaltigungsandrohungen und primitivste Beleidigungen erhalten, die eindeutig belegen, wo die Menschenverachtung zuhause ist. Dass sich der Bauernverband eine solche Blöße gibt, so eine  Hetzkampagne anzuschieben, wundert einen schon. Professionell ist das nicht. Es ist primitiv. Da hätten wir mehr erwartet.

 

Aber verstehst Du nicht, dass die Angelegenheit für die Hinterbliebenen eine Belastung darstellt. Das ist doch asozial und rücksichtslos, so hinterherzutreten?

 

Unser Webauftritt wird von Veganern besucht und von Menschen, die sich für Tierrechte und für die vegane Ernährung interessieren. Nicht von Landwirten. Es ist offenkundig, dass dieser Artikel niemals in den Kenntnisbereich der Hinterbliebenen gelangt wäre, wenn nicht Aufwiegler am Werke wären und der Verband höchstpersönlich die Familie damit belästigt hätte, um Fronten zu schaffen. Meines Wissens war der verstorbene Landwirt noch nicht einmal Mitglied. Der Bauernverband benutzt eine trauernde Familie für ihre politischen Interessen und wiegelt nun Jäger und Bauern gegen uns auf. Warum? Wollen sie etwa bezwecken, dass ein labiler Kollege mit dem Schießgewehr loszieht, um ein zweites Charlie Hebdo zu veranstalten? Das ist menschenverachtend. Man sollte auf diese bauernschlaue Tour nicht hereinfallen.

 

Aber warum stellt man dann einen solchen Artikel ins Netz, in dem man bejubelt, dass ein Bulle einen Landwirt getötet hat.

 

Wir befinden uns damit in allerbester Gesellschaft. Auch der weltberühmte Literaturnobelpreisträger Elias Canetti hat sich mehrfach den Aufstand der unterdrückten Tiere gegen ihre Peiniger gewünscht – sogar um den Preis, dass unschuldige Menschen zu Schaden kämen. Weil so viele unschuldige Tiere zu schaden kommen. Was ist falsch daran, sich zu freuen, wenn sich ein Opfer wehrt? Sie lassen sich doch sonst ohne Gegenwehr alles gefallen, was gegenüber Menschen ein Verbrechen wäre! Ist das etwa besser?

 

Aber um das zu vermitteln, gibt es doch bessere Methoden, die weniger Kontroverse verursacht, und nicht missverstanden wird?

 

Es gibt andere Methoden, natürlich. Ob sie besser sind werden die Jahre zeigen. Eine scharfe Kontroverse ist aber immer auch belebend und erhellend. Das ist unbedingt notwendig. Sie gibt dem Thema neue Dimension und treibt es voran, weil es tiefer geht als das übliche Geschwurbel. Ich halte das für sehr zielführend. Und überhaupt: als Tierrechtlerin verstehe ich mich als Anwältin der Tiere. Es ist Mandantenverrat, nicht jederzeit und immer unerschütterlich zum Mandanten zu stehen und seine und nur seine Interessen zu vertreten. Wenn wir als Tierrechtler und Veganer es nicht leisten, zu einem Bullen zu stehen, der sich wehrt, wer sollte es dann sonst tun?

Und wenn wir es nicht tun: welche Botschaft geht denn davon aus? Dass es die Tiere nicht wert sind, dass wir zu ihnen stehen, bedingungslos und mit ganzem Herzen? Das wird man niemals bei mir erleben! Und dafür ziehe ich nötigenfalls bis zum Bundesverfassungsgericht.

 

Danke für das Gespräch.

 

Das Interview führte 
Kirsten Kosubek


.

Anwalt der anderen Tiere …

Rinder-Frau, Rinder-Mann, entschlossen gehet Ihr voran!

Bild vom handelnden Subjekt – Rindermann geh du voran


Kommentar der Partei – Mensch Umwelt Tierschutz zum Tabubruch

 

 

Advertisements
Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Trackbacks

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: