Monatsarchiv: Januar 2015

Kommentar Alexander Molitor (Partei-MUT) zum Tabubruch

Gerechtigkeit

Das zukünftige Mensch-Tier-Verhältnis, in einer modernen Gesellschaft ist keine Frage von „Tierliebe“, sondern eine Frage von Gerechtigkeit.

10356317_766965809992612_9080926779861151555_nNeulich sah ich eine Zeichnung des Cartoonisten Leandro Martinez – ein wütender Stier hatte einen Bauern brutal und fest im Würgegriff, auf dem Boden umgekippte Eimer und verschüttete Milch, daneben eine offensichtlich beschämte und verschüchterte Kuh. Die Frage des Stiers: „Ist es der, welcher Dir an die Brüste gefasst hat…“.

Naja, ich habe schon mehr gelacht, aber ich ertappte mich dennoch bei einem leichten Schmunzeln.
Zugegeben – über das Schicksal des Bauern dachte ich nicht weiter nach auch wenn ich weiß, dass tatsächlich immer wieder Bauern durch Stiere schwer verletzt oder sogar getötet werden.
Mein Gott – es ist eine Cartoonfigur, nennen wir es mal Satire, wer würde das verbieten oder sich ernsthaft darüber aufregen……

Nun tobt seit Tagen ein Sturm der Entrüstung durch die Medien (mittlerweile auch außerhalb Deutschlands), aufgrund der provokativen Äußerungen einer Tierrechtsorganisation.
Täglich lesen wir neue Schlagzeilen: „Wie menschenverachtend manche Tierschützer denken“, „Schadet dem seriösen Tierschutz“, „Turbulenzen in der Veggieszene“, „Veganer entsetzt“, „Eine Organisation […] dessen Tierliebe […] zur Menschenfeindlichkeit mutiert ist“.

Ja, angesichts des Todes eines Menschen gehört zur Menschlichkeit auch Pietät, Mitgefühl für die Angehörigen – und verantwortlich den Unterschied zwischen abstrakter Satire und einem tatsächlichen Ereignis zu sehen.

Doch müssen wir uns dann nicht auch fragen, was Verantwortung gegenüber der Vielzahl der Toten bedeutet, die ausgelöst durch die Karikaturen eines französischen Satiremagazins zu beklagen sind?

Müssen wir uns nicht die Frage gefallen lassen, wo das Mitgefühl gegenüber deren Angehörigen seinen Platz findet, wenn wir es bejubeln, dass Karikaturen veröffentlicht werden, obwohl man im Vorfeld mit Sicherheit weiß, dass tatsächliche schwerste Unruhen in einer Vielzahl von Ländern stattfinden werden?

Für wen gilt unsere Meinungsfreiheit?

Für einen Nobelpreisträger für Literatur, den es „schmerzt […], dass es nie zu einer Erhebung der Tiere gegen uns kommen wird […], der sich vorstellt „wie eine Rebellion in einem Schlachthaus ausbricht und von da sich über eine ganze Stadt ergießt“, weil er mit diesen Worten scheinbar niemanden persönlich trifft und sich nicht auf ein konkretes Ereignis bezieht?

Für einen Satiriker, der wissentlich eine derart überwältigende persönliche Betroffenheit schafft, dass er damit konkrete Ereignisse erst auslöst, nur weil er seine Aussage in Humor kleidet?

Für eine Tierrechtlerin soll eben diese Meinungsfreiheit plötzlich nicht gelten, weil sie diese zu nah an einem konkreten Ereignis äußert, oder weil sie nicht auch noch Witze darüber macht?

Was nützen nun die vorschnellen Antworten, ausgerechnet derer, die noch nicht einmal die Frage verstanden haben? Hier geht es nicht um „Tierschutz“, hier geht es nicht um eine „vegane Ernährung“, hier geht es ganz sicher nicht um eine „Veggieszene“ – hier geht es um Tierrechte.

Das zukünftige Mensch-Tier-Verhältnis, in einer modernen Gesellschaft ist keine Frage von „Tierliebe“, sondern eine Frage von Gerechtigkeit.

Wir – und das gilt auch und insbesondere für mich an dieser Stelle – müssen nicht zu allen Fragen sofort eine Antwort finden, ohne wenn und aber Stellung beziehen, aber wir müssen endlich einmal anfangen die Fragen zu stellen, dazu gehört auch die Frage warum ohne Provokation das ganze Thema Tierrechte von einer Mehrheit nicht wahrgenommen werden will, wer schon die Fragen ignorieren will, wird kaum eine vernünftige Antwort finden.

Die Äußerungen der Tierrechtsorganisation Animal Peace muss nicht jede und jeder teilen, nicht jeder Mensch muss sie verstehen, aber man hat sie hinzunehmen, man hat sie zu akzeptieren, man hat nicht an einem Tag die Meinungsfreiheit zu preisen, nur um am anderen Tag eben diese, in einem sinnlosen, undifferenzierten Sturm der Entrüstung preis zu geben.

 

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Bild vom handelnden Subjekt – Rindermann geh du voran

Welch ein Alptraum!

10943486_402236529943582_437966941_nAm 8.1. nahm ein namenloser Bulle aus Nümbrecht Rache an seinem Sklavenhalter. Mithilfe von Top Agrar, Spiegel, Focus, Süddeutsche, Bild , Berliner Kurier, Express, Schweizerbauer, taz (gleich 3 mal) Daily Telegraph, boerderij, N24, SAT 1 und anderen schossen wir einen Stachel ins Fleisch von mindestens 20 Millionen Fleischessern. Dieser Stachel besteht aus fünf Sätzen, die da lauten:

Rinder-Mann, geh´ Du voran: Wieder ist ein Held aus unserer Mitte aufgestanden. Ein dreijähriger Bulle hat nahe Köln seinen Sklavenhalter angegriffen und tödlich verletzt. Wir verneigen uns vor dem Held der Freiheit. Mögen ihm viele weitere Rinder in den Aufstand der Geknechteten folgen.

Dieser Stachel, das Bild vom handelnden Subjekt, das gegen die Tyrannei sich erhebt, ein Opfer, das sich wehrt, sitzt nun fest im Fleisch dieser Millionen, die sich mit aller Gewalt wehren und auf ANIMAL PEACE losgehen und uns mit Dreck bewerfen, was sie nur greifen können. Denn dieser Stachel schmerzt wie das Gift einer Kobra. Sie werden ab heute Mühe haben, eine Rindsroulade zu essen, ohne an ein sich erhebendes Opfer zu denken. Welch ein Alptraum.

10945153_402236589943576_1100203380_nWer sich um den Ruf von Veganern schert, hat das Grundsätzliche nicht verstanden. Unser Ruf schert uns einen feuchten Kehricht. Unser Ruf ist bedeutungslos. Hass ehrt.
Das, was zählt, ist das Ansehen der anderen Tiere. Und nur der anderen Tiere.

Und für alle, die es immer noch nicht verstanden haben: Wer der Macht zu nahe kommt, dem ist gewiss, dass er kollektiv zum Feind erklärt wird. Soziale Ächtung, Isolation, wirtschaftliche Zerstörung sind die Mittel, die öffentlich praktiziert werden, um Nachahmer abzuschrecken.
Aber wenn man das weiß, muss man nicht mehr in die Falle laufen. Dann greift die Methode nicht mehr.
Bei uns greift diese Methode ganz sicher nicht.

Wir bedanken uns für die Professionalität von z.B. MUT, für das großartige Statement, und dem Vegetarierbund, sich aus dem Feuersturm zu begeben mit dem Verweis auf die freie Meinung.

 

 

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Medienspiegel

TABUBRUCH & RAGE

 

TOPAGRAR

rp-online

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spiegel.de

N24

Oberberg Aktuell

Radio Köln

taz.de

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SÜDDEUTSCHE

Telegraph

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express

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uva

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Zwischenkommentar von Animal Peace:

wen isst duWir denken an Hölderlin und Hyperion und seine Gedanken zu den Deutschen, wenn wir betrachten, was dieses kleine Posting – ein Werk von 10 Minuten – freigelegt hat an Dreck unter der verlogenen Decke der Harmonie. Und damit meinen wir ausdrücklich NICHT die Bauern, deren ehrliche und erfrischende Art zu kämpfen wir achten und schätzen. Sie haben noch einen Arsch in der Hose, wie man so sagt.

Wir denken: so kamen wir unter die Tierschützer. Wir forderten nicht viel und waren gefasst, noch weniger zu finden. Demütig kamen wir, wie der heimatlose blinde Oedipus zum Tore von Athen, wo ihn der Götterhain empfing; und schöne Seelen ihm begegneten –

Wie anders ging es uns!

Barbaren von alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark zum Glück der heiligen Grazien, in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit beleidigend für jede gutgeartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes – das, mein Bellarmin! waren unsere Tröster.

Wie Soldaten im dreckigsten aller dreckigen Kriege gegen die Tierheit überschlagen sie sich im Übereifer, nur schnell auf die sichere Seite der Tätermacht zu gelangen. Das ist ein so bitterer Verrat an allen Tieren dieser Welt, die der Tyrannenhand nicht entrinnen können und man kann nur froh sein, dass sie es nicht wissen, welch falsche Freunde sich in ihrem Elend so wichtig gerieren. Ausspuck.

 

 

Rinder-Frau, Rinder-Mann, entschlossen gehet Ihr voran!

Die sieben Helden von Dortmund

cache_36168669Weil sich nach dem heldenhaften Aufstand des Nümbrechter Bullen (R.i.P.) unter den Rindern herumgesprochen hat, dass auf die Solidarität des Tierschutzes kein echter Verlass ist, entschlossen sich weitere sieben Rinder, ihre Sache selbst in die Klaue zu nehmen.

Es geschah in Dortmund, wo die Sklavenhalter bereits vor Hunderten von Jahren mit den Bochumer Mittätern um die Leibeigenen im Streit lagen. Die sieben Leibeigene verschafften ihrer Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben einen Weg und brachen aus ihre Gefängnis auf einem Hof in Dortmund aus.

Die Häscher der Polizei und Bedienstete des Gefängnisses nahmen die Verfolgung auf. Zunächst flohen die Freunde der Freiheit über den Hof einer nahegelegenen Schule. Kurz darauf trennte sich die Gruppe aus taktischen Gründen, um die Verfolger in die Irre zu führen. Zwei Rinder verbargen sich in einen Hinterhof an der Carl-von-Ossietzky-Straße, um abzuwarten, bis die Luft rein ist. Leider begaben sich damit in eine ausweglose Situation, denn die Häscher bemerkten die beiden. Die Rinder kapitulierten daraufhin widerstandslos vor den eingetroffenen Beamten und Bediensteten des Gefängnisses und ließen sich abführen.

Der zweite Teil der Gruppe bewies mehr Klaue bei den Fluchtbemühungen. Zu fünft wählten sie den Fluchtweg über eine Kleingartenanlage zum Waldgebiet „Bolmke“. Die Verfolger holten daraufhin die Gefängniswärter des Dortmunder Zoos zur Unterstützung herbei und mit deren Hilfe wurden die Helden der Freiheit auf einer Wiese in der Bolmke schließlich festgesetzt und zurück in ihr Gefängnis zurückgebracht.

Wir verneigen uns vor der Entschlossenheit und dem Mut dieser sieben Helden der Freiheit. Mögen ihre nächsten Ausbruchversuche und die ihrer Brüder und Schwester die Freiheit bringen und damit ihnen zu ihrem natürlichen Recht auf eine würdige und selbstbestimmte Existenz verhelfen.

Rinder-Frau, Rinder-Mann, entschlossen gehet Ihr voran!

Den Häschern und Freiheitsberaubern aber möchten wir die Worte des großen Abraham Lincoln zurufen: „Wer anderen die Freiheit verweigert, verdient sie nicht für sich selbst.“

Anwalt der anderen Tiere …

Und wenn sie Dir sagen, Du sollst Müttern ihre Kinder wegnehmen, dann sag NEIN!

cache_36207444Tierrechter zu sein heißt für mich, als Anwalt der anderen Tiere subjektiv und mit besten Wissen und Gewissen für ihre, und nur für ihre Interessen einzutreten. Die Berufsehre des Anwalts verpflichtet zur unbedingten Loyalität gegenüber ihrem Mandanten. Jedes Abweichen von dieser Position ist Kollaboration mit der Gegenseite. Es ist Mandantenverrat.

Die Denunziation seitens der Gegenseite resp. der Interessensverbände schreitet fort. Man will nun gerichtliche Hilfe suchen. Gern. Dieses Recht steht jedem zu. Es ändert nur unsere Position nicht. Es ändert auch die Wirklichkeit nicht.
Unsere Haltung ist, dass wir unsererseits Denunziation und Verleumdung, Vergewaltigungsaufrufe, Drohungen und Morddrohungen zur Kenntnis nehmen und nicht zu unserem Problem machen.

Statt uns in erbärmlichen Kleinkriegen verstricken zu lassen, halten uns lieber an Grillparzer:

Will unsre Zeit mich bestreiten,
Ich laß es ruhig geschehn,
Ich komme aus andern Zeiten,
Und hoffe in andre zu gehn.

Was hängt ihr euch an mich und meinen Lauf,
Und strebt dem Höhern plumpen Dranges wider?
Ich zieh‘ euch, merk‘ ich, nicht zu mir herauf,
Doch ihr, weiß Gott, mich auch zu euch nicht nieder.

Statt dessen rufen wir den Bauern, diesmal den Bauern ganz persönlich, zu:
Und wenn sie Dir sagen, Du sollst Müttern ihre Kinder wegnehmen, dann sag NEIN!
Und wenn Sie Dir sagen, Du sollst die, die du jahrelang genährt und gepflegt hast, an den Schlachthof verkaufen, sag NEIN!
Und wenn Sie Dir sagen, Du sollst die, die in Deiner Gewalt leben, an Ketten hängen und in Stehsärge zwängen. Sag NEIN!
Denn wenn Du nicht NEIN sagst, geht dieses unendliche Unrecht weiter und weiter und dieses furchtbare Leid und dieser tiefe Verrat und dieser Krieg dieser unendliche unfaire Krieg, der alle Seiten beschädigt. Auch Dich.

 

Statement zur Freude über die Rache des Bullen und sonst so EINIGES

Ein Bulle nimmt Rache …

Nümbrecht, 7.1.15 – Rinder-Mann, geh´ Du voran: Wieder ist ein Held aus unserer Mitte aufgestanden. Ein dreijähriger Bulle hat nahe Köln seinen Sklavenhalter angegriffen und tödlich verletzt. Der 61jährige Landwirt wollte eine Schiebetür im Stall reparieren. Als am Abend der Sohn den Stall betrat, um die Kühe zu melken, entdeckte er die Leiche seines Vaters. Wir verneigen uns vor dem Held der Freiheit. Mögen ihm viele weitere Rinder in den Aufstand der Geknechteten folgen.

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Presseanfragen bitte derzeit ausschließlich über die email-Adresse, wir melden uns umgehend. Wir bekommen derzeit so viele aparte Morddrohungen und reizende Vergewaltigungsaufrufe, dass wir das Telefon derzeit abgestellt haben. Hier wohnt auch ein Kind, das damit noch nicht so humorvoll umgehen kann wie wir. Danke.

animal-peace medienkoordination

mobil: 0151 423 18 339  r.k.

email: Silke.Ruthenberg@t-online.de

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Statement zur Freude über die Rache des Bullen und sonst so EINIGES

Es schmerzt mich, dass es nie zu einer Erhebung der Tiere gegen uns kommen wird, der geduldigen Tiere, der Kühe, der Schafe, allen Viehs, das in unsere Hand gegeben ist und ihr nicht entgehen kann. Ich stelle mir vor, wie eine Rebellion in einem Schlachthaus ausbricht und von da sich über eine ganze Stadt ergießt… Ich wäre schon erleichtert über einen Stier, der diese Helden, die Stierkämpfer, jämmerlich in die Flucht schlägt und eine ganze blutgierige Arena dazu. Aber ein Ausbruch der mindern, sanften Opfer, der Schafe, der Kühe wäre mir lieber. Ich mag nicht wahrhaben, dass sie nie geschehen kann; dass wir vor ihnen, gerade ihnen allein, nie zittern werden.

Elias Canetti, Nobelpreisträger für Literatur

 

cache_36207444Wir haben uns auf Anfeindungen gefasst gemacht. Doch mit soviel Ehre hätten wir dann doch nicht gerechnet. Deshalb nun unser Statement zum Shitstorm von negativen Kommentaren, Bedrohungen und Beleidigungen auf Facebook – gern auch jenseits des strafrechtlich Erlaubten – aufgrund unseres – demokratisch völlig legitimen – Beitrags zu einem Bullen, der Rache nahm an seinem Sklavenhalter, dem Bauern. Und das nicht nur von Landwirten – wo man es ja verstehen kann – sondern auch von so einigen, die eigentlich solidarisch sein wollen mit Tieren. Dass es rundherum an einer guten Form der politischen Auseinandersetzung gebricht, soll dabei dahingestellt bleiben. Die schlechte Form spricht ja für sich. Uns soll es hier um den Inhalt gehen.

 

Zunächst: Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Mit keinem Wort haben wir Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass ein Mensch zu Tode kam. Nennt man das Freudsches Verlesen, narzisstisch begründete Paranoia oder schlechtes Gewissen oder wie soll man diese verzerrende Interpretation einordnen? Warum wird die ausdrückliche Solidarität mit einem Rind sofort mit dem gemeinsten Verdacht belegt? Dafür kann es nur innere Gründe geben. Es ist und bleibt unsubstantiiertes, denunziatorisches Geraune.

 

Wir teilen die Gefühle des hochgeschätzten Elias Canetti, aber wir haben uns eine andere Einschätzung der Angelegenheit erlaubt, und wir haben uns dabei inspirieren lassen von den modernen wissenschaftlichen Forschungen zu Aufstand und Rebellion bei versklavten Tierindividuen, die eine vermeintliche Unberechenbarkeit mit guten Gründen als Sklavenaufstand einordnen. Diese Freiheit der Bewertung steht nicht nur Wissenschaftlern zu.

Wenn Canetti sich so einen Aufstand aus tiefster Seele wünschte, so fühlen wir uns in bester intellektueller Gesellschaft, wenn wir uns freuen, dass sich endlich einmal ein Opfer erhebt, um sich zu wehren, wo sie – die Opfer – sich doch sonst zu Millionen und Abermillionen widerstandslos und in tiefster Seele gebrochen in den Schlachthof treiben lassen, sich ihre Kinder wegnehmen lassen, sich in düstere Verschläge und Stehsärge sperren lassen und nur ertragen, erdulden, wie nur tief traumatisierte Opfer erdulden und ertragen, weil ihnen durch die Gewalt die Fähigkeit genommen wurde, sich zu wehren. Die auf Knien leben, weil sie nicht aufrecht leben und und auch nicht aufrecht sterben können.

Ist das besser? Ist es wirklich besser, wenn sich die Opfer von Gewalt anstandslos gefallen lassen?

 

Wir haben einen Perspektivenwechsel unternommen und uns in die Gefühls- und Erlebniswelt des Bullen hineinversetzt. Wir haben aus dem Prisma der Rinder betrachtet und bewertet. Das ist ein Tabubruch in einer Welt, die strukturell eine Täterwelt ist. Doch ist dieser Tabubruch nicht nur legitim, er ist notwendig und angebracht, um diese Strukturen zu erhellen und zu durchbrechen. Dass dieses Stilmittel so manchen psychologisch und intellektuell überfordert – so what?! Es gibt auch viele, die genau verstehen. Womöglich ist es nur eine Frage der psychischen Konstitution und der Beschaffenheit des Denkapparates. Immerhin gibt dieser Tabubruch mehr Stoff zum Denken und Diskutieren als ein Rezept über Zucchinispaghetti.

Wir haben dieses Postulat auch angelegt, weil der anbiedernde, relativierende, verleugnende Anpasserunsinn der Harmonieveganer nicht mehr zu ertragen ist im Angesicht dieser wahnsinnigen Tötungsmaschinerie, die da läuft Minute um Minute und Tag um Tag. Es ist doch nur Feigheit vor dem Feind und man darf sich schon fragen, warum diese verschmuste und verlogene Heuchelei als Kommunikationsform soviel mehr geschätzt wird als das ehrliche, klare Wort. Das wiederum kann nur Eitelkeit sein. Oder noch Schlimmeres.

 

Dass Landwirte unser Postulat nicht verstehen, ist nachvollziehbar. Die Einbindung in das System lässt keinen anderen Blick auf Tiere zu als den aus einer gefühlten natürlichen Legitimierung, alles tun zu dürfen, was gegenüber einem Menschen ein Verbrechen wäre. Diese Schizophrenie zu leben macht es unmöglich, den Blickwinkel der Tiere einzunehmen jenseits der Wahrnehmung ihrer basalen, körperlichen Bedürfnisse zum reinen Existenzerhalt. Der Gesetzgeber am Gängelband der Systeminteressen gibt ihnen ja auch Recht und Legitimation.

Das verstehen wir durchaus. Wir haben auch Milgrams Botschaft sehr gut verstanden. Nur: Mit dem gleichen Recht, wie sich die einen die Solidarität mit dem Landwirt und seiner Familie erlauben und mit ihr trauern, erlauben wir uns die Solidarität mit dem Bullen und trauern mit ihm um sein Schicksal und das seiner Kinder. Unsere Haltung entspringt ausdrücklich nur der erklärten Solidarität mit den Rindern. Das Postulat ist eine politische und keine persönliche Botschaft und sollte so verstanden werden.

 

Vor der Kollaboration der vermeintlichen Tierschützer hingegen steht man ratlos. Man wird erinnert an den enormen Hass, der Natatscha Kampusch entgegenschlug, weil sie sich nicht wie ein richtiges Opfer gebärdete, wie es eine verheuchelte Täterkultur von Opfern erwartet, sondern trotz des Erlittenem mit bewundernswert aufrechtem Gang aus der Gefangenschaft im Kellerloch in die Gesellschaft zurückkehrte. Wie pervers ist es, wenn wir nur gebrochene, schwache Opfer sehen wollen, über die wir uns dann in Mitgefühl erheben können? Und nur diejenigen Schafe beweinen, die sich stumm und willenlos zur Schlachtbank führen lassen?

Wen haben denn die Tiere außer uns? Und hat ein Bulle, der sich wehrt, keine Solidarität verdient? Er ist doch Opfer und ist es sein Leben lang gewesen, wie seine Mutter und Großmutter und seine Geschwister. Nie hat er ein freies, selbstbestimmtes Leben führen dürfen und jetzt ist er sicher schon tot, umgebracht ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren.

Divide et impera. Wenn wir die Solidarität mit den Tieren nicht leisten, werden wir ihr Leben nie retten können. Aber wer weiß das schon, ob das überhaupt ein Ziel derjeniger ist, die jetzt verheuchelte und populistische Solidarität mit Landwirten üben. Wagenburgmentalität mit Tätern, diese Selbstinszenierung ist grotesk. Wäre ich Landwirt, mir würde übel werden, wenn sich jemand so an meinem Arsch zu schaffen machte.

 

Aber wenn man ständig gegen den Stachel löckt, dann tut es gut, einmal zur Machtmehrheit zu gehören, gell?! Die Tiere werden sich sicher nicht beschweren. Und es geht mal wieder nur um die eigenen Gefühle und um sonst gar nichts.

 

Ist es da noch ein Wunder, dass unsere ganze Hoffnung darauf liegt, dass es zu einem Aufstand der Tiere kommen möge, so wie es Canetti beschrieben hat, und nicht wegen der Landwirte, nein, sondern wegen der sogenannten Tierfreunde, die die falschesten Freunde sind bei dem Unglück, dem die Tiere ausgesetzt sind. Da braucht es keine Feinde mehr.

Wir haben mit einem Zitat von Elias Canetti begonnen und wir schließen mit einem Zitat von ihm. Es lautet:

 

Wann werden alle Tiere schießen lernen? Wann wird es für jeden Jäger gefährlich werden zu schießen? Wann werden Tiere wie Rebellen Gewehre stehlen, beiseite schaffen und sich im Schießen üben? Horntiere hätten es besonders gut, aber auch mit Zehen und mit Zähnen ließe sich auf Jäger schießen. Und wenn unschuldige Menschen dabei zu Schaden kämen? Aber wieviel unschuldige Tiere….!

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Interview

Silke Ruthenberg zur Strafanzeige des Bauernverbandes

„Bauernschlaue Hassprediger“

München | 26.1.15 – Laut Medienberichten hat der Bauernverband Strafanzeige wegen Verunglimpfung eines Verstorbenen gestellt. Silke Ruthenberg als Verantwortliche des Portals Viva-Vegan.info bezieht hier zu den dringenden Fragen Stellung.

 

FRAGE: Der Bauernverband hält den Artikel „Die Rache des Bullen“ für einen Rechtsverstoß und eine Verunglimpfung des Andenkens von Verstorbenen. Wie siehst Du das?

 

Silke Ruthenberg: Eine rechtliche Beurteilung mögen die Gerichte vornehmen. Die beherrschen das. Wir gehen davon aus, dass die Staatsanwaltschaft kein Ermittlungsverfahren einleiten wird, geschweige denn, dass ein entsprechendes Urteil ergehen wird. Im anderen Fall sind wir durchaus bereit, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen.  Pressefreiheit ist ein sehr hohes Gut, für das noch vor 14 Tagen Millionen Menschen auf die Straße gegangen sind.  Da stehen wir alle in der Pflicht.

 

Kannst Du nachvollziehen, dass viele den Artikel als eine menschenverachtende Verhöhnung des zu Tode gekommenen Bauern verstehen?

 

Sie sind der Geist, den sie begreifen. Wir haben mit keinem einzigen Wort den getöteten Bauern verhöhnt. Wer lesen kann, ist da klar im Vorteil. Wir freuen uns über den Aufstand eines Geknechteten. Nicht mehr. Nicht weniger. Es ist eine politische und keine persönliche Botschaft. Wer in einem Rind ein Objekt sieht, der wird das womöglich nicht verstehen können, weil er den Blickwinkel des Verfassers nicht einnehmen will oder kann. Aber Rinder können wahrnehmen, bewerten, entscheiden und handeln. Sie wissen, was sie tun. Sie sind Subjekte, die fühlen und denken können und mit diesen Gefühlen und Gedanken ein freies und unversehrtes Leben führen wollen. Wie wir. Wer das versteht, der begreift auch den Artikel, wie er geschrieben steht und gemeint ist.

 

Empfindest Du die Interpretation des Bauernverbandes als üble Nachrede?

 

Man bekommt den Eindruck, dass so taktiert wird. Die Deutung ist eine denunziatorische Fehlinterpretation, die auf dumpfe Vorurteile aufbaut, Tierfreunde seien Menschenfeinde. Spätestens mit meinem Statement dazu ist unser Beitrag geleistet, sowohl Motivation als auch Aussage des Artikels glasklar darzulegen. Die Sache ist doch die: Der Bauerverband will seinem politischen Widersacher – uns, die wir für das Recht der Tiere einstehen – rufmörderisch etwas unterschieben. Es ist schmutzige Politik, eine bauernschlaue Hetzkampagne von Hasspredigern, nichts mehr.

 

Meinst Du, die große Öffentlichkeit zur Freude des Bullen schadet der Sache der Tiere?

 

Im Gegenteil. Und sogar dann, wenn Medien wie die Rheinische Post uns keine Gelegenheit zur Stellungnahme geben, wie es gute journalistische Gepflogenheit ist. Egal. Es bringt die Sache der Tiere ins Rampenlicht. Wer Tiere liebt, der versteht auch. Wer schuldig ist, wird es schmutzig benutzen und steht damit in finsterem Licht. Wir haben unzählige Morddrohungen, Vergewaltigungsandrohungen und primitivste Beleidigungen erhalten, die eindeutig belegen, wo die Menschenverachtung zuhause ist. Dass sich der Bauernverband eine solche Blöße gibt, so eine  Hetzkampagne anzuschieben, wundert einen schon. Professionell ist das nicht. Es ist primitiv. Da hätten wir mehr erwartet.

 

Aber verstehst Du nicht, dass die Angelegenheit für die Hinterbliebenen eine Belastung darstellt. Das ist doch asozial und rücksichtslos, so hinterherzutreten?

 

Unser Webauftritt wird von Veganern besucht und von Menschen, die sich für Tierrechte und für die vegane Ernährung interessieren. Nicht von Landwirten. Es ist offenkundig, dass dieser Artikel niemals in den Kenntnisbereich der Hinterbliebenen gelangt wäre, wenn nicht Aufwiegler am Werke wären und der Verband höchstpersönlich die Familie damit belästigt hätte, um Fronten zu schaffen. Meines Wissens war der verstorbene Landwirt noch nicht einmal Mitglied. Der Bauernverband benutzt eine trauernde Familie für ihre politischen Interessen und wiegelt nun Jäger und Bauern gegen uns auf. Warum? Wollen sie etwa bezwecken, dass ein labiler Kollege mit dem Schießgewehr loszieht, um ein zweites Charlie Hebdo zu veranstalten? Das ist menschenverachtend. Man sollte auf diese bauernschlaue Tour nicht hereinfallen.

 

Aber warum stellt man dann einen solchen Artikel ins Netz, in dem man bejubelt, dass ein Bulle einen Landwirt getötet hat.

 

Wir befinden uns damit in allerbester Gesellschaft. Auch der weltberühmte Literaturnobelpreisträger Elias Canetti hat sich mehrfach den Aufstand der unterdrückten Tiere gegen ihre Peiniger gewünscht – sogar um den Preis, dass unschuldige Menschen zu Schaden kämen. Weil so viele unschuldige Tiere zu schaden kommen. Was ist falsch daran, sich zu freuen, wenn sich ein Opfer wehrt? Sie lassen sich doch sonst ohne Gegenwehr alles gefallen, was gegenüber Menschen ein Verbrechen wäre! Ist das etwa besser?

 

Aber um das zu vermitteln, gibt es doch bessere Methoden, die weniger Kontroverse verursacht, und nicht missverstanden wird?

 

Es gibt andere Methoden, natürlich. Ob sie besser sind werden die Jahre zeigen. Eine scharfe Kontroverse ist aber immer auch belebend und erhellend. Das ist unbedingt notwendig. Sie gibt dem Thema neue Dimension und treibt es voran, weil es tiefer geht als das übliche Geschwurbel. Ich halte das für sehr zielführend. Und überhaupt: als Tierrechtlerin verstehe ich mich als Anwältin der Tiere. Es ist Mandantenverrat, nicht jederzeit und immer unerschütterlich zum Mandanten zu stehen und seine und nur seine Interessen zu vertreten. Wenn wir als Tierrechtler und Veganer es nicht leisten, zu einem Bullen zu stehen, der sich wehrt, wer sollte es dann sonst tun?

Und wenn wir es nicht tun: welche Botschaft geht denn davon aus? Dass es die Tiere nicht wert sind, dass wir zu ihnen stehen, bedingungslos und mit ganzem Herzen? Das wird man niemals bei mir erleben! Und dafür ziehe ich nötigenfalls bis zum Bundesverfassungsgericht.

 

Danke für das Gespräch.

 

Das Interview führte 
Kirsten Kosubek


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Anwalt der anderen Tiere …

Rinder-Frau, Rinder-Mann, entschlossen gehet Ihr voran!

Bild vom handelnden Subjekt – Rindermann geh du voran


Kommentar der Partei – Mensch Umwelt Tierschutz zum Tabubruch