Monatsarchiv: Oktober 2011

Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit

animal-peace Tierhof – Tierschutz macht Schule

Vom 04.-07. Oktober 2011 war das Thema Tierrecht/Tierschutz Inhalt einer Projektwoche der Mittel- und Oberstufe des Kopernikus Gymnasiums. Die Schule, welche ca. 1200 Schüler auf das Leben vorbereitet, hat sich entschieden, dem Thema Tierschutz mehr Gewicht im Schulalltag einzuräumen. animal-peace Tierhof begrüßt diese wichtige Entwicklung im deutschen Schulwesen und begleitete die Projekttage der Schüler in Rheine. Massentierhaltung, Tiertransporte, Pelzfarmen, Tierversuche, Zirkus, Delphinarien, Reitsport oder auch die Haustierhaltung sowie weitere Brennpunkthemen wurden von den Schülern behandelt und kritisch unter die Lupe genommen. Die Inhalte, welche von den Tierschutzlehrern altersgemäß vermittelt wurden, sollten in einzelnen kreativen Projekten und Workshops Arbeitsprozess der Schüler sein. Ergebnis war eine Schüleraustellung der besonderen Art.

Das Kopernikus-Gymnasium setzte mit dieser Projektwoche ein Zeichen. Nach Ablauf der Projekttage stellten die Schüler den auf der Abschluss Veranstaltung anwesenden Vertretern aus Politik, Medien und Elternschaft sowie weiteren Gästen ihre Projekt-Ergebnisse mittels einer Ausstellung vor. Mit Bildern, Texten, Filmzusammenschnitten und selbst gemachten Postern zeigten sie auf, was falsch läuft in der Tier/Mensch-Beziehung und hielten damit ihren erwachsenen Zuschauern den Spiegel ihres Konsumverhaltens vor. Gekaufte Produkte aus der Massentierhaltung wurden z.B. mit realen Fotos aus den Tierfabriken in direkte Verbindung gebracht.

Unter dem Motto „Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit“ war der Kreativität der Schüler kaum Grenzen gesetzt. Die Wände der Projekträume wurden Mahnmale menschlichen Fehlverhaltens und die Schüler ließen es sich auch nicht nehmen, die Räume mit passender Musik zu vertonen. Die Schüler, die Mut zur Wahrheit hatten und eine beeindruckende Atmosphäre schufen um aufzurütteln, zu informieren, gaben in diesen Räumen den Tieren eine Stimme. Sie schufen beeindruckende Räume, die zur Klagemauer der Tiere wurden. Ebenso kreativ zeigten die jungen Menschen auf, wie es sein müsste und wie die Zukunft ausschauen sollte, wenn eine nachwachsende Gesellschaft nicht weiter wegschaut.

Projektablauf und Ausstellungsergebnis öffnen neue Wege 

tierschutzlehrer.com – Die Tierschutzlehrer erhalten Auszeichnung als „Offizielles UN-Dekade-Projekt Bildung für nachhaltige Entwicklung 2010/11

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TNZ – Tier Natur Zukunft – 10.11

TV Magazin – Oktober 2011

Iim Oktober waren wir auf dem Bundesparteitag der Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz.
In Rheine hat eine von Tierschützern unterstützte Projektwoche eine ganze Schule zum Nachdenken gebracht.
In Offenwarden kümmerte sich der Hufpfleger liebevoll um die Füße von Warenga und Jette.Natürlich gibt es wieder Tipps vom Tierarzt, News und unser Chefsatiriker Heinz Brobaschinsky baut ein Fieberthermometer.

http://www.tierrechts.tv

Lügen haben kurze Beine

Ein Blick hinter die Kulissen der Schweinemast

Der Deutsche verzehrt im Schnitt 56 kg Schweinefleisch im Jahr. Im Hinblick auf unsere zig Millionen deutschen Verbraucher beinhaltet das eine Produktionsgröße in der industriellen Schweinemast, die man sich vor seinem inneren Augenicht ansatzweise vorzustellen vermag. Man kommt dabei auf 4.536.000.000 kg Schweinefleisch, eine schlicht unvorstellbare Zahl. Bunte Werbeflächen der Fleischlobby – mit lachenden Schweinen auf grünen Wiesen – sind leider nicht nur schlichte Irreführung des Verbrauchers. Sie stellen darüber hinaus ein geradezu irrwitziges und elendiges Werbeelement der Lobbyisten dar. Lächelnde Schweine bieten dort auf Werbetafeln ihren eigenen Körper portionsweise feil. Fakt ist, dass Millionen Schweine tagtäglich in deutschen Mastbetrieben vor sich hinvegetieren und leiden. Jedes Stück Schweinefleisch ist das Ergebnis monatelanger Tierquälerei, die der Verbraucher mit seinem Geld an der Fleischtheke entlohnt – ob bewusst oder unbewusst.

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Schweinebestände in Deutschland (in 1000 Stück): 26335

Schweinefleischverbrauch in Deutschland (in 1000 Tonnen): 4498

pro Kopf Verbrauch in Deutschland : 54,5 kg

Quelle: ZMP, Vieh u. Fleisch 2005

Die industrielle Schweinehaltung ist nicht ansatzweise als artgerecht oder bedarfsgerecht zu bezeichnen. Sie widerspricht nur allzu deutlich dem deutschen Tierschutzgesetz, dem zufolge ein Tier seinen Bedürfnissen entsprechend untergebracht werden muss. Und doch wird sie nicht nur erlaubt, sondern wird politisch wie wirtschaftlich gefördert. Warum? Weil moralische Werte dort aufhören, wo der Profit beginnt.

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Die Haltung

Die Stallungen werden so gebaut, dass die Landwirte möglichst wenig Arbeit haben. Schweine stehen auf Betonspaltenböden, durch die Kot und Urin hindurch fallen. Ein Ausmisten des Stalles ist somit nicht mehr notwendig. Ein wohl wichtiger Umstand, da wenige Mitarbeiter täglich bis zu 50 000 Schweine versorgen müssen. Es entsteht dabei konzentrierte Gülle, die schädlich für die Atemwege ist und den Tieren somit große gesundheitliche Probleme beschert. Es wundert daher nicht, dass der Einsatz von Medikamenten derart hoch ist, damit die Tiere die Mastzeit überhaupt überleben. Die Schweine vegetieren in engen, dunklen Ställen dahin. Bewegungsfreiheit ist nicht vorgesehen, da das die schnelle Mast behindern würde. Ein bewegungsfreudiges Tier wie das Schwein soll in einem Maststall ja auch innerhalb weniger Monate sein Schlachtgewicht erreichen. Dies führt dazu, dass sie unter Kreislaufschwäche, Gelenk-, Herz- und Muskelkrankheiten, Klauenerkrankungen, entzündlichen Verletzungen und Verhaltensstörungen leiden. Tiergerechte Suhl- und Scheuermöglichkeiten sind ebenfalls kaum oder garnicht vorhanden. Es gibt kein Material wie etwa Stroh, das zum Bearbeiten, Wühlen oder für den natürlichen Nestbau geeignet wäre. Ebenso wenig wird ein Mastschwein jemals draussen an der frischen Luft laufen dürfen, in natürlichem Tageslicht leben oder gar auf natürlichem Boden seinen arteigenen Bedürfnissen nachkommen können.

Die Beschäftigungslosigkeit der neugierigen und intelligenten Tiere ist ein großes Problem der industriellen Haltung. Die Reizarmut ruft Verhaltensstörungen hervor wie „Stangenbeißen“, „Trauern“ (das Tier sitzt auf seinen Hinterläufen und lässt den Kopf hängen) oder Kannibalismus. Aggressives Verhalten ist bei den dicht gedrängten Tieren an der Tagesordnung und der Stress durch Langeweile, Enge, Dunkelheit, Bewegungslosigkeit braucht natürlich ein Ventil. Die Tiere verletzen sich demzufolge gegenseitig, beissen sich sogar die Schwänze ab. Die Antwort der Schweinemäster auf diese schwere Verhaltensauffälligkeit ist nicht etwa eine Änderung der Haltungsbedingungen sondern das prophylaktische Kupieren der Schwänze in den ersten Lebenstagen eines Ferkels. Auf eine Betäubung wird verzichtet, da es unwirtschaftlich, sprich zu teuer wäre. Auch die schmerzhafte Kastration der männlichen Ferkel geschieht routinemäßig und im Akkordverfahren ohne jegliche Betäubung. Das kaum mehr als eine Woche alte Ferkel wird dazu kopfüber mit gespreizten Beinen fixiert. Die zarte Haut, die die empfindlichen Hoden des kleinen Tieres schützt, wird mit einem Messer aufgeritzt, die Hoden werden herausgezogen und mit dem Messer abgeschnitten. Eine brutale Tortur für die verängstigten Jungtiere, die auch bei diesem Verfahren durch das Tierschutzgesetz nicht geschützt sind. Frisch kastrierte Ferkel zittern am ganzen Leib, schreien heftig und müssen sich übergeben. Die tierquälerische Art dieser Praxis sollte eigentlich außer Frage stehen, wurde dennoch bisher über viele Jahre ohne tierschutzrechtliche Beanstandung gebilligt.

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Die eiserne Jungfrau und die Aufzucht danach

Die „eiserne Jungfrau“, ein Begriff mit tierquälerischem Inhalt. Die Zuchtsauen werden, bis auf wenige Wochen im Jahr, einzeln in Abferkelständern gehalten, die so eng sind, dass sich die Tiere nicht einmal umdrehen können. Über dem Rücken wird ein Bügel angebracht, damit die Sauen nicht aus dem Stand herausklettern. Die Muttertiere werden vollkommen bewegungslos fixiert, damit sie sich nicht auf ihre Ferkel legen oder ihre Verhaltensstörungen an ihrem Nachwuchs auslassen. Völlig unberücksichtigt bleibt hierbei, was ihrer mütterlichen Natur und ihren arteigenen Bedürfnissen entspricht. Die „eiserne Jungfrau“ ist nichts weiter als ein Leben ohne Ausweg, ohne Licht, ohne jegliche Bewegungsfreiheit oder natürliche Reize. Sie ist das moderne Folterinstrument einer Wirtschaft, die sich der Schweineproduktion im Akkord verschrieben hat. Die nach nur ca. 3 Wochen von der Mutter entrissenen Ferkel werden bis zu einem Alter von 15 Monaten in eine sog. Ferkelaufzucht verbracht. Häufig werden die Tiere gruppenweise in sog. „Flatdecks“ gehalten. Das sind Käfige mit einem zwei bis drei Quadratmeter großen Lochboden. Pro Quadratmeter sind darin vier bis fünf Ferkel untergebracht. Man spricht dann von einer Ferkelbatterie.

Die großen Schweinemastanlagen fassen mitunter zehntausende Tiere. Sie leben ohne Auslauf in dunklen Buchten, die so klein sind, dass sich die Schweine kaum bewegen können. Jedes Schwein erhält ca. einen halben Quadratmeter Lebensraum auf Betonspaltboden in zusammengepferchten Gruppen von ca. 10 Tieren. Bis zu ihrer Schlachtung vegetieren die Schweine in dieser ausweglosen Enge dahin. Jede Menge Mittelchen aus der pharmazeutischen Büchse der Pandora sorgen dafür, dass die gestressten und krankheitsanfälligen Tiere diese Tortur bis zur Schlachtreife überhaupt überstehen können.

„Über 95 Prozent der Schweine in Deutschland leben diese brutale Wirklichkeit. Tag für Tag. Ihr Leben dauert gerade sechs Monate in der vollindustrialisierten Mastanlage und endet mit grausamen Transporten und dem Ausbluten in der Akkordschlachtung. Wer hier noch von einem respektvollen Umgang mit seinen Mitgeschöpfen zu sprechen vermag, hat sich von jeglicher Moral und Ethik derart weit entfernt, dass es unserer Gesellschaft ernsthaft Angst machen sollte.“  So Nicola Welp, animal peace Tierhof.

Stimmen der Wissenschaft

„Es gibt vielerlei Gründe, warum ich die Massentierhaltung ablehne. Der wichtigste Grund ist für mich, dass die Tiere völlig unartgemäß gehalten werden und eher dahinvegetieren. Die Verhaltensforschung hat so viele Kenntnisse über unsere als Nutztiere gehaltenen Tierarten gewonnen, dass man sicher mit Fug und Recht von nicht-artgemäßer Haltung sprechen kann. Dazu kommen aus meiner Sicht ethische Gründe: Im Umgang mit Tieren in der Massentierhaltung zeigt sich der hohe Verrottungsgrad dieser Gesellschaft besonders deutlich. Ein dritter Komplex ist für mich schlicht und einfach, dass ich gesunde Nahrung essen möchte (…). Schließlich ist es nun mal so, dass wir in Mitteleuropa mit unserem hohen Fleischverbrauch aus der Massentierhaltung z.B. den Regenwald mit auffressen, weil dort Futterplantagen (Soja) für die bei uns gehaltenen Tiere entstehen.“ Professor Herbert Zucchi, Professor für Zoologie/Ökologie in Osnabrück

„Nachdem der Tierschutz als Staatsziel in die Verfassung aufgenommen worden ist, muss die Politik die Konsequenzen ziehen. Dazu gehören ein Verbot der tierquälerischen Formen der Tierhaltung und Tierschlachtung und eine strengere Kontrolle der Einhaltung ethischer Standards. Den Konsumenten ist nicht vorzuwerfen, dass sie sich in erster Linie am (in Deutschland eklatant niedrigen) Preis von Fleisch und anderen tierischen Produkten orientieren. Gefordert ist die deutsche und europäische Landwirtschaftspolitik.“ Professor Dieter Birnbacher, Philosophie-Professor und Ethiker an der Universität Düsseldorf

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Die Turbotiere – Qualzuchten & das Tierschutzgesetz

Da die Herzen der Massentierhalter aus ökonomischen Gründen nur angesichts großer und leistungsfähiger Viehbestände höher schlagen, bekämpfen sie die negativen Auswirkungen der systemimmanenten Probleme durch Amputationen und genveränderte Zuchtmerkmale, mit denen sie die Tiere an die Haltungssysteme anpassen wollen. Schweine, die schneller Fett ansetzen und mehr Junge bekommen, Kühe, die mehr Milch geben. Fatal hochgezüchtete Leistungstiere leiden körperlich schwerst unter den angeborenen Anomalien. Der Versuch über Genveränderung optimal angepasste Leistungstiere zu erhalten ist eben gewinnbringender, als Tiere ihrer “Art und ihren Bedürfnissen angemessen unter(zu)bringen” (§ 2 Tierschutzgesetz). Schützenhilfe leisten den Massentierhaltern dabei ihre Lobby-Verbände, die bei der Abfassung des Tierschutzgesetzes die Feder führten. In § 6 (Tierschutzgesetz) heißt es zunächst wohlklingend: “(1) An einem Wirbeltier darf ohne Betäubung ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht vorgenommen werden.” Doch dann folgen schon die angepassten Einschränkungen: (3) Eine Betäubung ist ferner nicht erforderlich 1. für das Kastrieren … 2. für das Enthornen … 3. und 4. für das Kürzen des Schwanzes … 5. für das Abschleifen der Eckzähne bei Ferkeln … 6. für das Absetzen der Krallen …”

Es stellt sich dem geneigten Leser die immer wiederkehrende Frage: Gibt es denn überhaupt irgendeine Barbarei an sog. „Nutztieren“, für die kein passendes Schlupfloch im sog. „Tierschutzgesetz“ verfasst wurde? Offensichtlich nicht, denn sobald das Tier eine Ware wird, darf es sogar mit Hilfe des Tierschutzgesetzes gequält werden. Es bleiben keine Wünsche offen, wenn es um Gewinnmaximierung geht. Hunderte von
Richtlinien und ihre freie Interpretationsmöglichkeit bereiten jedem Massenquäler einen geebneten Boden, wenn nicht sogar einen roten Teppich zur Durchführung seiner tierfeindlichen Massenproduktion.

„Jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn.“ (Schiller)

Um das Leiden der Millionen Tiere in den Fabriken zu boykottieren, egal ob Schwein, Rind, Huhn, Kaninchen oder andere Tiere, braucht es ein deutliches Zeichen der Verbraucher. Die schwerwiegende Verantwortung, die wir als Einkäufer tagtäglich dafür tragen ist der Schlüssel hin zu einem moralischen Handeln. Wenn wir als Vereine auf die Strasse gehen und gegen Massentierhaltung protestieren, dann erhalten wir jedes Mal großen Rückhalt in der Bevölkerung. Es geht um Ethik, Moral, Werteerziehung, einen geschärften Blick für die Vorgänge hinter den Kulissen. Es geht um alle ethisch-moralischen Werte unserer Gesellschaft, die theoretisch schon recht hoch angesetzt sind, sich aber in der Praxis noch zu deutlich verlieren. Es geht um die Verantwortung für Millionen leidende Tiere, denen wir ein Leben und einen Tod zumuten, der grausamer nicht sein könnte. Dieses Bewusstsein sollte sich auch in unserem täglichen Handeln widerspiegeln – beginnend beim nächsten Einkauf! Setzen Sie ein Zeichen!

JEDER – steht in der MITverantwortung

JEDER – kann etwas tun!

 

Das tierschutzrechtliche Verbandsklagerecht

Den Tieren im Rechtsraum endlich eine Stimme geben

Am 26.Juni 2002 wurde dem Artikel 20a des Grundgesetztes der Zusatz „…und die Tiere“ hinzugefügt:

„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ Art. 20a (GG)

Damit wurde der Tierschutz theoretisch einklagbar – und der Streit um das tierschutzrechtliche Verbandsklagerecht begann. Eine Verbandsklage ist die Klage eines Verbandes, bei der keine Eigeninteressen, sondern die Interessen der Allgemeinheit – sprich in diesem Fall auch die des Tieres vertreten werden. Im Tierschutz würde das zum Beispiel bedeuten, dass Tierschutzverbände auch gegen Tierversuchsvorhaben, den Bau von umstrittenen Massentierhaltungsanlagen oder gegen tierschutzwidrige Verfahrensweisen wie das schmerzhafte Kürzen von Schweineschwänzen gerichtlich vorgehen könnten. Tierschutzvereine bekämen durch das Gesetz die Möglichkeit, bereits im Vorfeld bestimmter Genehmigungsverfahren zum Umgang mit Tieren aktiv zu werden – dann endlich auch incl. gerichtlicher Klagemöglichkeiten.

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Der Anfang war schwer

Tierschutzorganisationen konnten bisher Verstöße gegen das Tierschutzrecht lediglich bei der Staatsanwaltschaft anzeigen. Die Staatsanwaltschaft entschied dann in Eigenverantwortlichkeit, ob sie Anklage erhebt oder die Ermittlung einstellt. Tierschützer wissen aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass Willkür und starker Einfluss von Interessengemeinschaften in diesem Bereich an der Tagesordnung sind und der beschwerliche Kampf für mehr Tierrechte meist an massenhafter Einstellung anvisierter Verfahren scheiterte. Geld ist Macht und die Lobbyarbeit gegen den Tierschutz hat Tradition.

Gegen die Einführung der Verbandsklage gab es aus dem Bereich der Wirtschaft, Forschung und Politik hartnäckige Einwände und stoische Ablehnung. Das hat natürlich seine Gründe, würde die Verbandsklage Lobbyisten der Massentierhaltung, vielen weiteren Tiernutzern oder auch der Vivisektion durchaus Probleme bereiten, ihre tierverachtende Wirtschaft weiter ungestört profitabel zu betreiben.

Tiere hatten bisher vor Gericht keine Stimme, die für sie erhoben werden durfte. Eine Waffenungleichheit mit System. Der Staat schützte die Tiere auf dem Papier. Real und praktisch gingen die Möglichkeiten zum Schutz der Tiere jedoch verloren. Ein klaffendes Loch im Tierschutzwesen der Bundesrepublik – und eine gute Möglichkeit für Tiernutzer, das geltende Tierschutzgesetz einfach zu umfahren. Durch die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz wurde Tierschutz endgültig zum Staatsziel erhoben und verpflichtete somit den Gesetzgeber zu einem ethisch begründeten Tierschutz. Leider blieb die Umsetzung auf der Strecke und was sollte ein derartiges Grundgesetz den Tieren bringen, wenn es keine gesetzlich anerkannten Vertreter geben darf, die vor Gericht zu ihren Gunsten klagen?

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Die bisherige Ausnahme

Entwürfe bezüglich des Verbandsklagerechtes scheiterten in Hamburg, Sachsen, Bayern, Berlin, NRW, Niedersachsen, Baden-Württemberg und dem Saarland. Einzige Ausnahme war Bremen. Dort wurde am 20. September 2007 das tierschutzrechtliche Verbandsklagerecht bereits eingeführt. Nun, 2011, ist es endlich soweit und der lange Kampf der Tierschutzorganisationen gegen Politik und Lobbyisten scheint sich zu lohnen. Das Verbandsklagerecht wird sich wohl trotz aller Blockadeversuche durchsetzen.

(Bild- Quelle : Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V. / Menschen für Tierrechte)

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Landwirte & Tiernutzer-Lobbyisten fürchten das Verbandsklagerecht

„Die Einführung eines Verbandsklagerechts hätte nicht nur für Landwirte gravierende Folgen. Das Gesetz hätte auch großen Einfluss auf die Forschung im medizinischen Bereich“, sagte Christina Schulze-Föcking in einem Pressegespräch. Nach ihrer Meinung sei das Gesetz überflüssig. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Hermann-Josef Schulze-Zumloh sieht zudem keine fachliche Begründung in dem Vorstoß der Landesregierung: „Das ist rein ideologisch.“ Durch ein Verbandsklagerecht sähe er eine extreme Benachteiligung auf die Landwirte der Region zukommen: „Da müssen wir gegenhalten.“

Eine Reform der EU-Agrarpolitik, die eine Ausweitung des Naturschutzes vorsieht, lehnten Schulze-Föcking und Schulze-Zumloh ebenfalls ab. „Naturschutz ist wichtig, wir benötigen hier aber keine starren Regeln. Eine zusätzliche Verknappung der Flächen durch mehr Naturschutz können wir uns nicht leisten“, sagte Schulze-Zumloh. (Quelle: CDU- Stadtverband Ahlen)

Trotz vehementer Proteste steht die Einführung der Tierschutz-Verbandsklage in Nordrhein-Westfalen, dem Saarland Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz auf der Agenda – ein großer Erfolg für den Tierschutz. Das Klagerecht scheiterte bisher regelmäßig an der CDU und FDP – zwei Parteien, die eher auf der Seite der profitorientierten Wirtschaft stehen und es mit dem Tierschutz dahingehend nicht so genau nehmen.

„Tierschutz genießt Verfassungsrang. Es ist absolut unverständlich, warum für Verbraucherschutz-Organisationen und Umweltverbände der Klageweg offen stehen sollte, er den anerkannten Tierschutzverbänden aber verwehrt bleiben soll.“, kommentiert Prof. Dr. Sievert Lorenzen, Vorsitzender von PROVIEH, Deutschlands ältestem und mitgliederstärksten Fachverband für Nutztierschutz. „Die guten Erfahrungen aus dem Naturschutz-Verbandsklagerecht haben bewiesen, dass engagierte Bürger höchst verantwortungsvoll mit solchen demokratischen Kontrollrechten umgehen. Das gilt auch für uns Tierschützer und deshalb erwarten wir, dass uns dieses Recht nicht vorenthalten bleibt.“ ( Quelle:PRO VIEH)

animal-peace Tierhof e.V. beobachtet die Bühne des Streits um die Einführung des Verbandsklagerechtes seit Jahren und unterstützt in vollem Umfang die Entwicklung hin zu einer gesetzlich gesicherten Klagemöglichkeit.

„Uns sind bisher in vielen Bereichen alltäglicher und massenhafter Tierquälerei die Hände gebunden. Ein Zustand, der uns immer ausbremste, für Tiere eine reale Verbesserung zu erreichen, für ihre Rechte effektiv zu kämpfen. Das Verbandsklagerecht ist nicht nur sinnvoll, es ist überfällig und absolut notwendig, um Tiere vor den Machenschaften profitorientierter Unternehmen und politischen Grabenkämpfen zu schützen. Es ist ein kleiner Baustein hin zu mehr Gerechtigkeit. Das bisherige Ungleichgewicht kann zumindest teilweise nun aufgehoben werden“ so Reinhold Kassen, Vorsitzender von animal-peace Tierhof.

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Lesen Sie zum Thema einen Artikel der Albert Schweitzer Stiftung 

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Projektablauf und Ausstellungsergebnis öffnen neue Wege

Tierschutz macht Schule

„Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln.“    (Mahadma Gandhi)

Vom 04.-07. Oktober 2011 war das Thema Tierrecht/Tierschutz Inhalt einer Projektwoche der Mittel- und Oberstufe des Kopernikus Gymnasiums. Die Schule, welche ca. 1200 Schüler auf das Leben vorbereitet, hat sich entschieden, dem Thema Tierschutz mehr Gewicht im Schulalltag einzuräumen. animal-peace Tierhof begrüßt diese wichtige Entwicklung im deutschen Schulwesen und begleitete die Projekttage der Schüler in Rheine. Massentierhaltung, Tiertransporte, Pelzfarmen, Tierversuche, Zirkus, Delphinarien, Reitsport oder auch die Haustierhaltung sowie weitere Brennpunkthemen wurden von den Schülern behandelt und kritisch unter die Lupe genommen. Die Inhalte, welche von den Tierschutzlehrern altersgemäß vermittelt wurden, sollten in einzelnen kreativen Projekten und Workshops Arbeitsprozess der Schüler sein. Ergebnis war eine Schüleraustellung der besonderen Art.

Reinhold Kassen, Leiter von animal peace-Tierhof, hat selbst drei Söhne, welche sich heute für die Rechte der Tiere einsetzen: „Die Jugend von heute ist einem steigenden Druck ausgesetzt. Leistungsdrill, Gruppenzwang, Überforderung, Aggressivität und auch Verwahrlosung sind deutliche Spiegel unserer Ellenbogen-Gesellschaft. Eine schnelllebige Gesellschaft, die jeden niedertritt, der dem Druck nicht standhält. Genau so behandeln wir auch die Tiere. Sie sind Ware & Leistungsträger ohne Recht auf Unversehrtheit und artgerechtes Leben. Kinder & Jugendliche sind die Gesellschaft von morgen. Wer, wenn nicht sie werden für die Schwächeren eine andere Zukunft gestalten. Eine ohne tägliche Grausamkeiten und Quälerei.“

Das Kopernikus-Gymnasium setzte mit dieser Projektwoche ein Zeichen. Nach Ablauf der Projekttage stellten die Schüler den auf der Abschluss Veranstaltung anwesenden Vertretern aus Politik, Medien und Elternschaft sowie weiteren Gästen ihre Projekt-Ergebnisse mittels einer Ausstellung vor. Mit Bildern, Texten, Filmzusammenschnitten und selbst gemachten Postern zeigten sie auf, was falsch läuft in der Tier/Mensch-Beziehung und hielten damit ihren erwachsenen Zuschauern den Spiegel ihres Konsumverhaltens vor. Gekaufte Produkte aus der Massentierhaltung wurden z.B. mit realen Fotos aus den Tierfabriken in direkte Verbindung gebracht.

Unter dem Motto „Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit“ war der Kreativität der Schüler kaum Grenzen gesetzt. Die Wände der Projekträume wurden Mahnmale menschlichen Fehlverhaltens und die Schüler ließen es sich auch nicht nehmen, die Räume mit passender Musik zu vertonen. Die Schüler, die Mut zur Wahrheit hatten und eine beeindruckende Atmosphäre schufen um aufzurütteln, zu informieren, gaben in diesen Räumen den Tieren eine Stimme. Sie schufen beeindruckende Räume, die zur Klagemauer der Tiere wurden. Ebenso kreativ zeigten die jungen Menschen auf, wie es sein müsste und wie die Zukunft ausschauen sollte, wenn eine nachwachsende Gesellschaft nicht weiter wegschaut.

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Die Referentin zu Gast … war beeindruckt!

Nicola Welp, leitendes Mitglied von animal-peace Tierhof,  bereitete mit den Schülern vor Ort die tierschutzrelevanten Themen auf.

„Meine langjährige Arbeit bei animal-peace Tierhof hat mir immer wieder deutlich gemacht, dass Bildung der Schlüssel ist, zukünftiges Tierleid zu verhindern. Schüler sind keine Automaten, von denen man Leistung abkassieren kann, damit eine heute eher ethisch verwahrloste Gesellschaft weiter profitorientiert funktionieren kann. Sie sind unsere schärfsten Kritiker und unser Spiegel. Sie haben etwas zu sagen und sollten etwas fordern können. Gerade unsere erwachsene, moralisch verrohte Gesellschaft sollte zuhören, wenn Schüler ihnen nahebringen, was das Wort „Sozialkompetenz“ im Leben bedeuten kann. Schüler sind die Moral von morgen…und können im Bereich Menschenrecht & Tierrecht für neue Maßstäbe sorgen.“ kommentiert Nicola Welp ihr Engagement.

Die Tage am Kopernikus Gymnasium haben auch bei Frau Welp Eindruck hinterlassen.

„Ich bin nach diesen Tagen zutiefst beeindruckt, wie engagiert und intensiv die Schüler sich diesen schwierigen und auch unangenehmen Themen geöffnet haben und daraus selbst etwas erschufen, was im Schulwesen sicher seines Gleichen sucht. Es gab nicht einen Schüler, der seine Anteilnahme am vielfachen Leid der Tiere nicht in Kreativität und Aktionismus umwandelte. Ich hab viele Fragen beantwortet, aber ich habe kein einziges Mal sagen müssen, was die Schüler zu tun haben. Sie waren nicht mehr zu bremsen und sie wussten, dass nun sie selbst eine Möglichkeit haben, etwas für Tiere zu tun. Sie haben sie auf bestem Wege genutzt und dafür bin ich dankbar!“

Nach Projektende gab es noch eine weitere Überraschung für Frau Welp. Die Schüler wussten aus den Projekttagen von Frau Welps Engagement mit ihrem Verein Pferdehilfe Sonnenhof, welcher einen Pferdeschutzhof leitet. Sie sammelten für die über 30 Pferde und überreichten die Spende mit einer Karte und allen Unterschriften am Ende des Ausstellungstages.

„Ich war überrascht und wirklich ernsthaft gerührt. Das hatte ich nicht erwartet. Was ausser DANKE kann man sagen?! Danke an die Schüler!“ so Nicola Welp lächelnd.

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Projektablauf und Ausstellungsergebnis öffnen neue Wege

Torsten Stegemann, Lehrer am Kopernikus-Gymnasium in Rheine, ist selbst bekennender Tierschützer und hatte im Vorfeld der Planung den Kontakt zur Tierrechtsorganisation animal-peace Tierhof hergestellt. Er stieß mit dem Vorschlag einer Zusammenarbeit beim Vorsitzenden
Reinhold Kassen sofort auf offene Ohren. So wurde der Kontakt vertieft und die Tierschutzorganisation entsandte ihre Mitarbeiterin Nicola Welp in das nordmünsterländische Rheine, um die Schule bei der Durchführung der Projektwoche zu unterstützen.

Herr Stegemann, der zunächst erwartet hatte, dass die Referentin lediglich einen Gastvortrag halten würde, war erstaunt, dass animal-peace Tierhof seine Erwartungen bei Weitem übertraf, indem sie Frau Welp für die gesamte Woche für die Arbeit in dem Projekt freistellte.

„Eine größere Bereicherung für unser Projekt hätte es gar nicht geben können“, so Herr Stegemann.

„Frau Welp hat das Thema Tierschutz durch ihre fachliche Kompetenz und ihren unermüdlichen Einsatz, der weit über die reguläre Kernzeit von 9:00-13:15 Uhr hinaus ging, in Dimensionen geführt, die wir als Schule nur schwerlich hätten alleine erreichen können. Dabei hat sie es geschafft, die Schüler durch ihre authentische, unkonventionelle und überaus liebenswürdige Art stets zu motivieren und für die sehr ernste und nicht einfache Thematik zu interessieren, ohne jemals den mahnenden Zeigefinger zu erheben oder belehrend einzuwirken.“

Begleitet wurde der Ausstellungstag vom Kamerateam des Tierrechtsbund aktiv e.V. . Das Team filmte nicht nur die Ausstellung der Schüler, sondern führte darüber hinaus mehrere Interviews mit Eltern, Lehrern und Schülern. Die daraus entstehende Reportage wird in der nächsten Ausgabe des bundesweit ausgestrahlten TV-Magazins TNZ zu sehen sein. Sowohl die Schüler als auch animal-peace Tierhof waren begeistert, dass der Tierrechtsbund diesen besonderen Tag zum Thema ihrer Sendung werden lassen. Besser kann ein Schülerprojekt nicht ausklingen, als dass die Ergebnisse und Bemühungen der jungen Menschen auch eine öffentliche Plattform über die Schule hinaus erhalten.

„Wir haben durch die Zusammenarbeit mit  animal-peace Tierhof & dem Tierrechtsbund aktiv  sowohl das Bewusstsein unserer Schüler im ethisch-moralisch verantwortungsvollen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen öffnen und erweitern, als auch einen Grundstein für die Arbeit im Bereich des Tierschutzes am Kopernikus-Gymnasium legen können.“ kommentiert Lehrer Stegemann.

„Ich kann daher anderen Schulen, die sich durch unsere Aktion nun vielleicht ermutigt sehen, ein derartiges Projekt ebenfalls durchzuführen nur inständig raten, den Kontakt zu animal-peace Tierhof herzustellen und Frau Welp anzufordern. Eine geeignetere Referentin gibt es aus meiner Sicht nicht. Ich habe meine Schüler hinsichtlich ihres emsigen Engagements & ihrer Offenheit kaum wieder erkannt. Sowohl das Kopernikus-Gymnasium als Schule als auch  ich als Projektleitender Lehrer möchten sich daher abschließend für die über alle Maßen engagierte Kooperation mit animal-peace Tierhof bei Herrn Kassen, insbesondere aber bei unserer Referentin, Frau Nicola Welp, für ihre grenzenlose Unterstützung, ohne die unser Projekt nicht in der überragenden Qualität hätte durchgeführt werden können, ganz herzlich bedanken.“

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animal-peace Tierhof & das Tierschutzlehrer-Pogramm

Tierschutz im Unterricht – das sind speziell auf Altersgruppen der Schüler zugeschnittene, zielgruppen-orientierte Angebote. Das gemeinsame Tierschutzlehrer-Pogramm von animal-peace Tierhof und „tierschutzlehrer.com“ unter Leitung von Dipl.Päd.Thomas Schwarz ( Uni Essen-Duisburg) wurde von der Unesco ausgezeichnet. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Das Nationalkomitee der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ hat am 12. November 2009 Initiativen aus ganz Deutschland als Offizielle Dekade-Projekte ausgezeichnet. Die Auszeichnung erhalten Aktionen, die die Anliegen der UN-Dekade vorbildlich umsetzen: Sie vermitteln Kindern und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln.

„Nachhaltigkeit zu lernen muss in Schule, Ausbildung und Studium selbstverständlich werden. Nur so können künftige Generationen globale Probleme wie den Klimawandel bewältigen“, so Prof. Gerhard de Haan, Vorsitzender des Nationalkomitees. „Die mehr als 970 Offiziellen Dekade-Projekte leisten dazu einen wesentlichen Beitrag.“ (Text: BNE-Portal)

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„Eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort „Tierschutz“ überhaupt geschaffen werden musste.“    (Theodor Heuss)