Kaninchen hinter Gittern

Wenn Hoppeln unmöglich ist und Tierquälerei auf der Tagesordnung steht

Eine Kaninchen-Freilandhaltung: saftige grüne Wiesen und genug Platz zum Hoppeln und Tollen. So stellt man sich eine moderne und tiergerechte Kaninchenhaltung vor und so sollte sie auch sein. Gerne wird den Verbrauchern solch eine Idylle für die Herkunft des gesamten Kaninchenfleisches vorgegaukelt, schöne Bilder und nette Sprüche suggerieren dies im Supermarkt und auf den Websites der bekannten Fleischproduzenten. Doch es gibt einen Haken an dieser heilen Welt, die Realität..

Wir sind zunächst mit versteckter Kamera unterwegs. Testkauf in der Nähe von Koblenz, bei der Supermarktkette REWE. Hier in der Kühltheke wird Kaninchenfleisch angeboten. Preis pro Schlachttier rund 15 Euro. Vor zwei Jahren sah das REWE-Sortiment allerdings etwas anders aus: Mit Slogans wie „REWE bekennt sich zum Tierschutz“ und „REWE nimmt Vorreiterrolle ein“ hat sich der Konzern selbst gefeiert und Kaninchenfleisch aus seinen Regalen verbannt. Selbst die großen Fernsehstationen wie ARD und RTL berichteten damals.

Aber auch in anderen Supermärkten wie Kaufland, EDEKA, famila und Metro finden wir bei unseren Testkäufen Kaninchenfleisch, meist tiefgefroren.
Doch woher das Kaninchenfleisch wirklich stammt, bleibt für den Verbraucher meist im Dunkeln verborgen. Videoaufnahmen, die vor einigen Jahren in Deutschland entstanden, zeigen auf, wie es zugeht in Kaninchenmastbetrieben; unter katastrophalen Bedingungen wird das meiste Fleisch, welches im Handel und auf Wochenmärkten verkauft wird, produziert. Die Industrialisierung hat vor der Kaninchenhaltung nicht Halt gemacht: Auf Drahtgitter gehaltene Tiere sorgen für weniger Personaleinsatz, das Futterband läuft automatisch. Die Tiere plagen unbehandelte Entzündungen und Durchfall aufgrund des Mastfutters, blutige Fehlgeburten sind die Regel. Der Einsatz von Medikamenten steht auf der Tagesordnung. Nachdem entsprechende Bilder veröffentlicht worden sind, berichten viele TV-Sender über das Thema Kaninchenmast, so auch ARD Report aus Mainz, der Reporter Edgar Verheyen besuchte den verantwortlichen Mäster, doch der hat nur Ausflüchte:

Mäster:
»Ich habe ja nichts zu verheimlichen, aber trotzdem: Jede Tierhaltung ist nicht artgerecht.«
Reporter:
»Warum ist Ihre Haltung nicht artgerecht?«
Mäster:
»Meine Haltung ist auch nicht artgerecht.«
Reporter:
»Ja, warum nicht?
Mäster:
»Weil es nicht möglich ist.«
Reporter:
» Warum machen Sie es denn?«
Mäster:
»Dass Sie etwas zu essen haben.«

 

Offene Worte von jemand, der weiß, wovon er spricht. Auf die Frage, warum er das TV-Team nicht in seinen Stall lässt, antwortet er: : »Das kann ich nicht machen, das wäre ein großer Fehler. Die ganzen Kaninchenzüchter schlagen mich tot.«

Nachdem Horroraufnahmen an die Öffentlichkeit kamen, wurde der Mäster wegen Tierquälerei angezeigt. Gebracht hat es wenig, nur wenige Monate später wurden erneut unappetitliche Aufnahmen im gleichen Stall aufgenommen.

Zusammengepfercht in engen Käfigen, kauern immer noch tausende von Kaninchen, Tageslicht, Heu und artgerechte Haltung gibt es nicht, dafür Tierquälerei, soweit das Auge reicht. Auch einen Gang weiter das gleiche Bild. Geboren, um zu sterben. Ein Kaninchen hat sich unter dem Futterkorb eingeklemmt – ohne Hilfe wäre es vermutlich unter jämmerlichen Qualen gestorben. Doch das interessiert den Mäster vermutlich kaum, interne Papiere belegen, eine Verlustrate im zweistelligen Prozentbereich ist vollkommen normal. Ein Tier mehr oder weniger, was macht das schon. Besonders grausam: Die empfindlichen Pfoten schneiden sich in das Gitter, schmerzhafte Verletzungen sind somit programmiert.

Weitere Videoaufnahmen aus Sachsen belegen: Gerade in den ostdeutschen Bundesländern gibt es viele Kaninchenmastbetriebe. Auch bei Funktionären der Lobbyvereinigung „Deutscher Kaninchenfleisch- und Wollerzeuger“ werden Kaninchen in Masse gehalten. Auf der Website des Betriebes ist von einem Familienbetrieb sowie vom kundenfreundlichen Direktvertrieb mit Herkunftsgarantie zu lesen. Ein Blick hinter die Kulissen und jeder Bissen könnte einem im Halse stecken bleiben. Sich aufrichten und Männchen machen ist unmöglich. Tausende von Kaninchen hocken hier und warten auf den Tod. Üblicherweise wird die ZIKA-Rasse verwendet. Dabei handelt es sich um ein überzüchtetes Hybrid-Kaninchen, welches möglichst schnell möglichst viel Fleisch ansetzt.

Künstliche Lichtquellen sorgen für einen verlängerten Tagesablauf, dadurch fressen die Tiere mehr von dem Kraftfutter, werden immer dicker, setzen immer mehr Fleisch an, je mehr, desto besser. Zeit ist Geld, das gilt auch im Kaninchenmast-Geschäft.

Doch die Mäster rüsten auf, so wurde 2007 eigens die GGE-Qualitätsgemeinschaft Kaninchen mit tatkräftiger Unterstützung des Handels in Bonn gegründet. Nun versucht man, eher minderwertige Standards als tierschutzkonform zu präsentieren. Dabei lässt sich durch einen einfachen Blick in den vielumworbenen Kriterien-Katalog feststellen, dass wachsende Kaninchen je nach Gewicht mindestens eine Fläche zwischen 600 und 700 cm² zur Verfügung haben, das entspricht in etwa dem Platzangebot auf einem DIN-A-4-Blatt, das einfache Umdrehen wird da schon zur Herausforderung.

Unter deutschen Konsumenten gilt das Kaninchenfleisch als besonders fett- und cholesterinarm. So hat sich der Verzehr von 1995 auf 2008 regelrecht verdoppelt, mehr als 25 Millionen Kaninchen werden jedes Jahr in Deutschland verspeist, Tendenz stark steigend. Um den Bedarf überhaupt decken zu können, wird viel nach Deutschland importiert, so z.B. aus Frankreich. Wie die Tiere dort gehalten werden, zeigen Videoaufnahmen des Vereins KAGfreiland. Doch auch bei unseren europäischen Nachbarn werden die Kaninchen weder in einer Freilandhaltung noch artgerecht gehalten. Masse statt Klasse. Damit die Tiere diese Tortur überhaupt überstehen, werden ihnen meist schon von Geburt an Medikamente verabreicht. Ein Mix aus Antibiotika und Beruhigungsmitteln ist dabei üblich. Dass sich dabei Rückstände im Fleisch bilden können, welche der Verbraucher unter Umständen mitverzehrt, kümmert die Mäster nicht. Der Kot türmt sich unter den Käfigen, Verletzungen werden eiskalt in Kauf genommen. Nach der Tortur in den Masthallen geht es zum Schlachthof. Abtransport zur letzten Station.

Die britische Organisation CAFT konnte Bildaufnahmen auf dem Weg zum Schlachthof erstellen. Es werden Kaninchen für den Pelzhandel geschlachtet. Das Fleisch gelangt auch in den Lebensmittelhandel. Die Schlachter arbeiten im Akkord, schnell muss es gehen. Durch einen Kehlschnitt sollen die Tiere ausbluten, oft reicht das nicht und die Kaninchen verbluten bei vollem Bewusstsein. Weiter geht es zum Fellabziehen. Den Kaninchen wird buchstäblich das Fall über die Ohren gezogen. Zimperlich darf man hier nicht sein.

Gemästet, gequält, geschlachtet – verkauft. Wir konfrontieren deutsche Supermarktketten mit unseren Recherchen, wollen wissen, wer sie beliefert, wie die Tiere gehalten werden und ob sie Kaninchenfleisch weiterhin anbieten werden. Bei METRO, EDEKA und Kaufland heißt es schriftlich, man würde nur Kaninchenfleisch, welches nach GGE-Standard zertifiziert sei, verkaufen. Bei famila heißt es: „Wir würden uns allerdings wünschen, dass Sie als Organisation nicht nur auf die Hilfe des Handels bauen, sondern auch an die Produzenten herantreten“. Bei den Produzenten waren wir. Doch die Bilder lassen große Zweifel aufkommen, dass hier das Interesse an einer artgerechten Haltung im Vordergrund steht, hier geht es um den Profit – und dies auf Kosten der Tiere. Um diesen skrupellosen Mästern das Handwerk zu legen, ist eine klare gesetzliche Haltungsverordnung vonnöten, doch das wäre nur ein Teilziel, denn wirkungsvoll und wirklich artgerecht ist nur die Abschaffung der Käfighaltung von Kaninchen.

Kaninchenmast, nein Danke!
Jetzt haben sich namhafte Organisationen zum Tierschutzbündnis „Kaninchenmast, nein danke“ zusammengeschlossen. Ziel der Kampagne soll die Abschaffung der Käfighaltung von Kaninchen sein, „Freiland statt Käfig“. Unterstützen Sie unsere Aktion und unterschreiben Sie auf der Unterschriftenliste. Weitere Informationen sowie eine aktuelle Videodokumentation zum Thema Kaninchenmast finden Sie unter www.kaninchenmast.info.

Das Deutsche Tier- schutzbüro veröffentlicht Kampagnen-Video
„Bilder sagen mehr als tausende Worte“
darum setzt das Tierschutzbündnis „Kaninchenmast, nein danke“ auf authentische Fotos und Videos, um Verbraucher und Politiker über die unhaltbaren Zustände in Kaninchenmastbetrieben zu informieren.
Eine eigene Videodokumentation finden Sie unter:
www.kaninchenmast.info.

 

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