Monatsarchiv: Januar 2009

Der Fall Kati ist abgeschlossen

 Schwein gehabt……endlich!

ein Schwein hatte endlich mal „Schwein“ …und jede Menge Helfer an seiner Seite.

Nachdem wir das schlimme Schicksal des sog. Minipigs Kati in einem Dachgeschosszimmer an die Öffentlichkeit gebracht hatten (siehe Bericht), wurde die lebensnotwendige Befreiung aus seinem Gefängnis akribisch vorbereitet.
Einfach war es nicht, da Kati durch ihr starkes Übergewicht gesundheitlich gefährdet war und Aufregung wie auch eine Betäubung bei einem gesundheitlich angeschlagenen Schwein mehr als risikoreich ist. Nachdem das Veterinäramt angab, es handele sich hier um ein Haustier wie einen Hund, entschieden sie sich dafür, „nicht zuständig“ zu sein und verweigerten dem Schwein und uns die Hilfe. Unfassbar angesichts des Zustandes, aber für uns schon lange Nichts Unglaubliches mehr.

Mit viel Arbeit haben wir ein gutes Team zusammengestellt, welches nicht nur persönlichen Einsatz zeigte, sondern auch kompetent genug war, diese ungewöhnliche wie komplizierte Tierbefreiung zu begleiten.

Der Verein tierhilfe e.v. strasburg erklärte sich bereit, die Kosten für den Transport und den notwendigen Tierarzt zu tragen.
Die Schweinefreunde e.V., ein wirklich kompetentes Team rund ums Thema Schwein sorgte für den richtigen Transporter und kam mit seinem Schweinemobil. Sie unterstützten uns durch eine umfassende Beratung wie auch tatkräftige Mithilfe beim Transport der 120kg schweren „Mini“ sau Kati.
Viele Tierärzte wurden angerufen und ebenso viele hatten abgesagt, da ihnen der Transport dieses Tieres und eine Betäubung doch zu heikel oder kompliziert erschienen. Letztendlich fand sich doch noch ein kompetenter, tierliebender Tierarzt, der den Zustand Katis vor, während des Transportes sowie danach genauestens überwachte.
Zur Überraschung aller war Kati so kooperativ, dass eine Betäubung erfreulicher Weise nicht notwenig war.
Sie lies sich anstandslos in einer Transportbox aus dem Dachgeschoss tragen und verladen, schien alles Neue mit Coolness und Neugier hinzunehmen.

Dieses Verhalten hatten wir nicht erwartet und auch wenn Kati unter artwidrigen, schlechten Bedingungen leben musste, ihre Freundlichkeit im Umgang mit Menschen rührt zu Großen Teilen daher, dass ihre bisherige Halterin sie immer sehr liebevoll behandelt hat.
Nun ist Kati wohlbehalten auf der Jugendfarm-Duisburg angekommen und wird auf ein Leben als Schwein vorbereitet. Frische Luft, viel Bewegung, gesunde Ernährung und Kontakt zu anderen Tieren werden ihr sicherlich helfen, bald endlich ein aktives Schweineleben zu führen.
Schon heute nach Ankunft hat sie das erste Mal in ihrem Leben Kontakt mit einer Wiese und natürlichem Boden aufgenommen, ein ganz neuer Lebensabschnitt wartet nun auf das Modetier „Minipig“, welches leider immer häufiger als lebendes Assesscoire in deutschen Kinderzimmern landet.
Ob sich Züchter und Händler wie das größte Zoofachgeschäft Zajac in Duisburg darüber Gedanken machen, wie es den Tieren ergeht, wenn sie aus dem niedlichen Ferkelalter herausgewachsen sind und ein Leben in artwidriger Umgebung (meist auch ohne Artgenossen) fristen müssen? Nein, sicherlich nicht. Solche Händler sind dafür anscheinend genauso wenig „zuständig“ wie ein Veterinäramt, welches anscheinend Nichts zu beanstanden hatte. Verantwortung, Moral und Respekt gegenüber einem Lebewesen sind halt schnell leere Worthülsen, wenn wirtschaftliche Belange in den Focus treten.

Kati hat in „letzter Minute“ Schwein gehabt…
viele andere sog. Minipigs werden auch zukünftig ein leidvolles Leben als Modetier in deutschen Wohnzimmern fristen.

animal-peace Tierhof bedankt sich bei :

Schweinefreunde

tierhilfe-strasburg

Jugendfarm-Duisburg

Medienkoordination

Tierhandel – Schwein gehabt?

 Schwein gehabt?

In den meisten Fällen erreichen uns furchtbare Bilder aus Massentierhaltungen, in denen Schweine zusammengepfercht in dunklen Ställen gemästet werden. Grausame Zustände, die einen verständnislos zurücklassen und gegen die wir seit Jahren ankämpfen.
Manchmal kann aber auch falsche Tierliebe privater Halter katastrophale Folgen für die Tiere haben. Im aktuellen Fall (lesen Sie unseren Artikel: „Kati – kleines Schwein (doch) ganz groß“) und unzähligen Weiteren zeigt sich, dass das Leiden der Tiere in unserer Hand vielfältige Ausmaße annehmen kann.

Brandaktuell: die Haltung sogenannter Minischweine!

Spätestens seit „Schweinchen Babe“, dem amerikanischen Kino-Kassenschlager sind die Minischweine bei privaten Tierhaltern mehr und mehr in Mode. Der Trend schwappte aus den USA nach Europa und man begegnet zunehmend kleinen niedlichen Ferkelchen, die man in der Wohnung hält und an der Leine spazieren führt.

Wie man diese Tiere allerdings artgerecht unterbringt, ist dabei nachweislich nicht von großer Bedeutung.

Schweine sind sehr soziale Tiere, brauchen den Kontakt zu ihren Artgenossen. Laut Schweinehaltungsverordnung ist es auch strafbar, sie einzeln zu halten. Leider ist ein einsames Leben bei den „Wohnungsschweinen“ allzu oft der Fall. Schweine brauchen einen tiergerechten Lebensraum, den man in einer Wohnung nicht ansatzweise bieten kann. Die seit den 60igern gezüchtete Linie der Minipigs ist nicht nur wider die Natur, sondern zeigt auch, dass es diese Rasse eigentlich nicht gibt. Diese Tiere sollen laut Händler/Züchter höchstens 30-60kg erreichen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Bei einer so kurzen Zuchtgeschichte kommt es häufig vor, dass die Tiere bis zu 100kg und mehr erreichen.
Die Folge: überforderte Halter, die das erwachsene Tier loswerden wollen oder müssen.

Nationale und internationale Händler, wie u.a. das größte Zoofachgeschäft der Welt (Zajac, Duisburg) sind auf den Zug mit aufgesprungen und schlagen Profit aus niedlichen Ferkeln, die sie an unbedarfte Kunden verkaufen.
Wird das Tier zu groß oder benimmt sich tatsächlich einfach wie ein normales Schwein, muss es häufig weg.
Zubehör wie Schweine-Toilette, Leinen, Geschirre, Leckerchen, Körbchen und jede Menge Accessoires wechseln den Besitzer, ohne dass man sich große Gedanken um ein Tier macht, welches zu einem artwidrigen Leben verurteilt wird.
Ein Leben als modisches Kuscheltier in deutschen Wohnzimmern.
Das Zoofachgeschäft Zajac, welches sich mit seiner großen Artenvielfalt an exotischen und heimischen Verkaufstieren rühmt, liegt immer wieder im Fadenkreuz der Tierschützer. Peta Deutschland stellte bereits Strafanzeige wegen sich häufender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und das Duisburger Tierheim entzog Zajac die aufgestellten Tierheim-Spendenboxen, da es mit diesem Tierhandel nicht in Verbindung gebracht werden will und ein wirtschaftliches Handeln, welches zukünftige Tiere in Not produziert, nicht unterstützen möchte.
Zajac und auch alle anderen Tierhändler, die den Trends von exotischen Reptilien bis hin zu Minischweinen profitorientiert und verantwortungslos folgen, machen sich mitschuldig am Leiden unzähliger Tiere innerhalb deutscher Wohnzimmer.

 

Folgen Sie derartigen Trends nicht.


Tierquälerei beginnt nicht erst damit, dass man ein Tier schlägt oder absichtlich verletzt.
Tierquälerei beginnt schon damit, wenn man einem Tier in menschlicher Obhut verwehrt, ein Leben gemäß seiner Grundbedürfnisse zu ermöglichen.
Die körperliche wie auch seelische Gesunderhaltung eines Tieres liegt in der Verantwortung des Menschen und beim Beispiel Minipig/ Wohnungshaltung zeigt sich mehr als deutlich, dass man dem Tier dabei nicht gerecht werden kann.

Tierrechtskongress 2008 in Wien

 Tierrechtskongress 2008

Vom 27. – 30. November fand nach 2002 und 2004 der nunmehr dritte Tierrechtskongress in Österreich statt.
Wir von animal-peace Tierhof waren natürlich dabei. Tagungsort war das Don Bosco-Haus im 13. Wiener Gemeindebezirk. Im Festsaal und in den Seminarräumen des Hauses erwartete die an allen Tagen insgesamt ca. 600 Besucher Vorträge, Arbeitskreise, Diskussionen, Filme und Ausstellungen. Ausrichter des Kongresses war wieder der VGT (Verein gegen Tierfabriken, Österreich, vgt.at), dem es trotz der in den vergangenen Monaten erlittenen Repressionen von staatlicher Seite gelungen war, diesen Kongress mit zum Teil hochkarätigen Rednern aus u.a. Österreich, Deutschland, Tschechien, England und Schweden stattfinden zu lassen.
Einen Wehmutstropfen gab es jedoch gleich zu Beginn des Kongresses: sowohl Richard D. Ryder (Begründer des Speziesismus-Begriffs in: Victims of Science. The Use of Animals in Research, London 1975) als auch Paul Watson (Gründer der Sea Shepard Conservation Society) mussten ihre Teilnahme leider wieder absagen. Nichtsdestotrotz ist allein die Tatsache, dass der Tierrechtskongress überhaupt in diesem Jahr stattfinden konnte, als Erfolg zu verbuchen, der aber zugleich weit darüber hinaus reichte. Die Leitung des Don Bosco-Hauses hatte sich von den Ereignissen im Vorfeld nicht beirren lassen und bot neben den Räumlichkeiten auch eine ansprechende vegane Verköstigung zu einem ausgezeichneten Preis-Leistungsverhältnis. Zusätzlich zur optionalen Mittags- und Abendverköstigung, die bereits mit der Anmeldung zu buchen war, gab es in der Cafeteria des Don Bosco-Hauses vegane Riesenburger zu 3,60 EUR, Weckerl oder Salzstangen mit Gemüse belegt zu 2,30 EUR oder belegte Brötchen mit Salat und Gemüse zu 2,00 EUR.

Gleich zum Auftakt des Kongresses mit Buffetempfang (Vegan-Gulasch, liebevoll zubereitete kleine Snacks, panierte Seitan-Schnitzel, diverse Salate und Kuchen) erwartete die Besucher zwei hochkarätige Redner: Prof. Dr. Ludwig Huber vom Department für Neurobiologie und Kognitionsforschung der Universität Wien sprach über „Kognitive Ähnlichkeiten von Menschen und anderen Tieren“ und berief sich dabei auf den neuesten Forschungsstand, der den gegenwärtigen Umgang mit Tieren in Gesellschaft und Wissenschaft auf den Prüfstand stellte und viele selbst noch für Tierrechtler nachdenklich stimmende Erkenntnisse ins Feld führte. Anschließend sprach Frau Prof. Dr. Eva-Maria Maier vom Institut für Rechtsphilosophie der Universität Wien über den „rechtsphilosophischen Status von Tieren“. Ausgehend von einem Rekurs auf die „Würde des Tieres“ als fundamentales rechtsethisches Grundprinzip, analog und als notwendiges Gegenüber zur Menschenwürde, stellte Maier den Eigenwert des Tieres samt seiner Interessen sowie die notwendige fundamentale Respektierung von Freude und Schmerz tierischen Lebewesen als elementarer Erscheinungsformen subjektiver Identität in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Konkrete institutionelle Konsequenzen daraus wären z.B. durch die Verankerung einer Staatszielbestimmung Tierschutz, die Beseitigung eklatanter Vollzugsdefizite im Tierschutz durch wirksame Kontrollmechanismen und (weitere) Modelle der Vertretung tierischer Interessen bis hin zur möglichen Einräumung „quasi-subjektiver“ Rechte für tierische Lebewesen zu ziehen.

  Der Freitag wurde mit verschiedenen Bilder-Ausstellungen zur Tierschutzthematik sowie dem Schulprojekt „Tierschutz im Unterricht“ des VGT eingeläutet. Unter den Angeboten des Vormittags befand sich beispielsweise ein Arbeitskreis zum Thema „Tierrechte an der Uni“ oder zur Chance der Tierrechtsbewegung den ökologischen Fußabdruck als Argument für Veganismus in die Umweltbewegung und andere gesellschaftliche Zusammenhänge zu integrieren. Dies wurde dann auch noch einmal in dem Vortrag von Martin Schlatzer über den „Tierproduktionssektor im Spannungsfeld zwischen Ökologie, Klimawandel und Ernährungssicherheit“ anhand zum Teil bekannter, jedoch immer wieder aufs Neue zu Unverständnis ob der Fakten über die Ressourcenverschwendung beim sogenannten „Veredelungsprozess“ vermittelten Daten offenbar: 30 bis 50 Prozent der weltweiten Getreide- und 90 Prozent der weltweiten Sojaernte werden zur Mästung von Tieren verwendet – das sind, je nach Tierart, 4,5 bis 25 Kilogramm Getreide für 1 Kilogramm Fleisch oder, als Primärzufuhr, Nahrungsmittel für 12 Milliarden Menschen. Die „Kollateralschäden“ der industrialisierten Tiernutzung wie „Schlachtabfälle“ (Knochen und Fett, das weggeworfen wird), tote Tiere in der Massentierhaltung sowie aufgrund aufkommender Seuchen in Massentötungen vernichtete Tiere würden in den im Zuge des Klimawandels immer häufiger kursierenden Statistiken noch gar nicht berücksichtigt. Während 1 Milliarde Menschen der Zugang zu frischem Trinkwasser fehlt, würden Unmengen der Trinkwasserressourcen für die Bewässerung von späteren „Futtermitteln“ zur Tiermast verwendet. Zudem führe die mit der Intensivtierhaltung einhergehende Belastung des Grundwassers zu Wasserverschmutzungen, die sich global auswirken und zu Fischsterben führen, sodass in einigen Gebieten „gar kein maritimes Leben mehr möglich“ sei.

Einen nicht alltäglichen Einblick lieferte ein Vortrag über „Offene Befreiungen und die TR-Bewegung in Tschechien“ einschließlich Bildmaterial. Der Referent sprach über einen Brauch in seiner Heimat zu den Weihnachtstagen, an denen 4 Tage lang die Straßen blutig seien, weil dann traditionell Karpfen quasi an jeder Straßenecke getötet würden, zum Teil von Studenten, die sich damit ein Zubrot verdienen und die Tiere aus Unwissenheit über eine „effektive“ Tötungsmethode mitunter lange leiden ließen. Die Gegenaktion der Tierrechtler zu den „Weihnachtskarpfen“ war ein Stand mit „Weihnachtshunden“, an dem natürlich keine Hunde getötet sondern Seitan als Hundefleisch zum Kauf angeboten wurde, um die Passanten nachdenklich zu stimmen. Ein bisher selten angeführtes Argument wurde noch genannt im Zusammenhang mit der modernen Tierzucht im Spannungsfeld von Gentechnik und Effizienz, nämlich dass den Tieren „die evolutionäre Freiheit genommen“ würde, sich ohne Manipulationen durch den Menschen zu entwickeln.
Am Samstag sprach Prof. Dr. Kurt Remele zum Thema „Ziviler Ungehorsam: Konzepte und Kontexte“ und machte dabei eine wichtige Feststellung, welche u.a. auch die Ereignisse in Österreich (§278a StGB führte dazu, dass 10 Tierschützer ohne Anklage als politische Gefangene inhaftiert worden sind): „Wer Tierrechte gesetzlich verankert haben will, anerkennt damit zumindest implizit den Wert und die Notwendigkeit von Gesetzen, Recht und rechtsstaatlicher Ordnung. Denn im Idealfall sollen und können sanktionierbare Rechtsnormen die Schwachen vor der Ausbeutung durch die gesellschaftlich Mächtigen schützen.“ Prof. Remele verwies auf zahlreiche Persönlichkeiten oder Bewegungen in der Historie des „zivilen Ungehorsams“, so zum Beispiel auf Henry David Thoreau (1817-1862), der wegen Nichteinlösung einer Steuerschuld einen Tag im Gefängnis verbrachte, Rosa L. Parks, eine US-amerikanische Bürgerrechtlerin, die im Dezember 1955 in Alabama verhaftet wurde, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen, Martin Luther King (1929-1968) oder auf die Anti-Vietnamkriegsbewegung (1967-1972) und die US Catholic Left, die Anti-Abtreibungsbewegung oder zivilem Ungehorsam in der Stierkampfarena von Madrid am 4. Mai 2008 als Plakate in der Arena zur Abschaffung des Stierkampfes hochgehalten wurden. Ziviler Ungehorsam kann laut Remele einmal als „Ausdruckshandlung, um dem Gewissen Raum zu verleihen“ verstanden werden und zum anderen als Wirkungshandlung, um Veränderungen hervorzurufen. Ziviler Ungehorsam diene der „Konfrontation in Sachfragen“ und habe in erster Linie appellativen, symbolischen bewusstseinsbildenden Charakter. Wichtig dabei allerdings sei auch das Aufzeigen von Alternativen; dies gehöre zur „Dialektik des Protestes“.
Sebastian Zösch, stellvertretender Vorsitzender des Vegetarier-Bund Deutschlands e.V., sprach wie schon beim 38. IVU Welt-Vegetarier-Kongress in Dresden Ende Juli über „Strategische Überlegungen zur Verbreitung der veganen Idee“

Über „Tierstrafen und Tierprozesse“ in der Frühen Neuzeit und im Mittelalter sprach der Soziologe und Kriminologe Michael Fischer vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut. Tierstrafen richteten sich gegen domestizierte „Nutztiere“. Sie wurden von weltlichen Gerichten verhängt, hatten ihren Anlass typischerweise in der Tötung eines Menschen durch das Tier und bestanden in der Regel in der Todesstrafe. Tierprozesse verhandelten hingegen die Taten von „wilden“, als „Schädlingen“ auftretenden Tieren. Sie fanden vor kirchlichen Gerichten statt, die darüber befanden, ob Maßnahmen wie z.B. die Exkommunikation ergriffen werden dürften und sollten, um die Schädlinge zu vertreiben. In beiden Fällen waren die Verfahren offenbar ganz ernst gemeint und vollzogen sich formal ganz wie solche gegen menschliche Angeklagte. Intuitiv erscheint dies als Ausdruck einer „Personifizierung“ von Tieren und einer mittlerweile vermeintlich überwundenen, geradezu grotesk anmutenden Irrationalität. Ein genauerer Blick auf die Tierstrafen und -prozesse sowie, vergleichsweise, das moderne System der tierschutzrechtlich geregelten industrialisierten Tierausbeutung offenbare jedoch, dass die moderne Gesellschaft keineswegs eine rationalere Konzeption des Status der Tiere entwickelt hat. Der Widerspruch habe sich nur ins Gegenteil verkehrt: Während die Kontrolle der Tiere in den Tierstrafen und -prozessen es erforderlich machte, die Tiere als Rechtssubjekte zu konzipieren, obwohl sie der zeitgenössischen Ansicht zufolge moralisch-rechtliche Objekte waren, bedingt die gewaltsame Kontrolle der machtlosen Nutztiere der Moderne die Negation des Status der Tiere als Rechtssubjekte, der ihnen der Logik der Moral und des Rechts zufolge tatsächlich zukomme.

Der Künstler Chris Moser, einer der in den Morgenstunden des 21. Mai 2008 inhaftierten zehn Tierrechtsaktivisten, der am 13. August aus der Untersuchungshaft als erster der in Gefangenschaft genommenen Tierrechtsaktivisten entlassen wurde und zu seiner Frau und seinen 3 Kindern zurückkehren durfte, präsentierte im Kinosaal der Tagungsstätte einen kleinen Ausschnitt aus seiner vielfältigen graphischen und bildhauerischen Arbeit. Insbesondere dabei waren Zeichnungen aus der Zeit der Untersuchungshaft. Bilder als Ausdruck und Spiegel der Seele eines Menschen, der versucht, mit seiner künstlerischen Arbeit immer wieder auch auf gesellschaftliche Missstände, Ungerechtigkeiten jedweder Art und deren Bekämpfung sowie auf antiautoritäre, nichthierarchische Ideale und tier- und menschenrechtsspezifische Zusammenhänge aufmerksam zu machen. [www.radikalkunst.net]
Am Sonntag, dem letzten Tag des Kongresses, sprach zunächst Prof. Dr. Gary Steiner (John Howard Harris Professor of Philosophy, Bucknell University, USA) über den moralischen Status der Tiere in der Argumentation Peter Singers und Tom Regans. Kritik äußerte Steiner sowohl an Singers Utilitarismus, der Tiere als austauschbare Ressource sehe, sowie an Regan, dessen anthropozentrische Sichtweise in jedem Fall die Vernunftbegabung von Lebewesen als Argument heranziehe. Als Beispiel diente die fiktive Rettungsbootsituation, bei der ein Hund und vier Menschen sich in einem Boot befinden, einer der vier Insassen über Bord gehen müsse, damit das Boot nicht sinkt und dies unter allen umständen in der Argumentationsführung Regans der Hund sei. Sowohl Singer als auch Regan würden speziesistisch argumentieren, da sie einen Zusammenhang zwischen kognitiven Fähigkeiten und moralischem Status herstellen, unter welcher Prämisse dann auch einige Menschen einen geringeren moralischen Status eingeräumt bekommen müssten. An dieser Stelle gestattete Steiner sich einen Rückgriff auf Aristoteles, der Tiere aus der Moral ausschließe, da sie nicht vernunftbegabt seien, dies seien kleine Kinder aber auch nicht. Die Stoiker würden Tiere noch weiter aus der Moral ausschließen, da diese nicht zu Reflexion fähig seien. Bereits der Heilige Augustinus hätte geäußert, dass man kein Unrecht begehe, wenn man Tiere nutzt. Epikur hätte argumentiert, dass Tiere keine Rechte besitzen könnten, da sie auch keine Pflichten wahrnehmen könnten. Locke wiederum betrachtete Tiere als Eigentum des Menschen, Kant sah sie als bloße Sachen. Gegenwärtig würde John Rawls damit argumentieren, dass es unmöglich sei einem Tier unrecht zu tun. Steiner plädierte dafür, dass der moralische Status von Tieren sich in bewusstseins- bzw. Empathiefähigkeit begründen sollte und nicht in Vernunft. Sogenannte „Grenzfälle“ wie Säuglinge oder schwerst geistig Behinderte stünden als Beispiel dafür. Intelligenz sei also kein Kriterium für den Moralstatus, sonst müsste man diesen manchen Menschen auch verweigern. Im weiteren Verlauf nahm Steiner Bezug auf Gary Francione und dessen Position, die beinhaltet, dass Tiere ein Grundinteresse am Leben hätten und ein inhärenter Wert jeden Lebens zu konstatieren sei. Mit Verweis auf Schopenhauer sagte Steiner, nicht Erbarmen sondern Gerechtigkeit sei man den Tieren schuldig. Dennoch argumentiere auch Schopenhauer anthropozentrisch und speziesistisch. Rechte für Tiere würden sich nur durch Verzicht auf eine Werthierarchie verwirklichen lassen. Es gälte „kosmische Ordnung neu [zu] denken“.
Der nächste Vortrag von Prof. Dr. Klaus Petrus, SNF-Förderprofessor am Institut für Philosophie der Universität Bern, setzte sich mit der Frage „Abolition versus Reform“ auseinander. Abolitionismus sei als eine ideale Moraltheorie, nicht als Strategie und nicht als Utopie zu begreifen. Es gäbe „gute Gründe dafür, die Tierausbeutung abzuschaffen“, eine „schrittweise Annäherung [sei] in der Theorie bereits angelegt“. So sei vegane Aufklärung notwendig und Veganismus nicht nur unter tierethischen Aspekten hervorzuheben sondern auch umweltbezogene, gesundheitliche und weitere Motive in die Argumentation einzubringen, weshalb wir „Tiere nicht für unsere Zwecke missbrauchen müssen“. Der Erfolg einer veganen Kampagne sollte nicht daran gemessen werden wie viele Leute schließlich vegan werden (was ohnehin sich kaum überprüfen ließe, Anm. d. Verf.) sondern wie viele Menschen informiert werden können. Von Reformismus ausgehend führe eine „stetige Verbesserung der Bedingungen der Tiernutzung“ zu einer „Abschaffung der Tierausbeutung“ – eine sicherlich gewagte These, zumal eine Verbesserung der Haltungsbedingungen von Tieren, die einzig und allein dem Zweck der menschlichen Ernährung dienen sollen, das Gewissen vieler Verbraucher wohl eher zu besänftigen vermag. Das Moralprinzip des ethischen Tierschutzes, gemeint ist die Reduktion von Tierleid, setze auf die Prämisse, dass es überhaupt nötig sei, Tiere leiden zu lassen, trotz eines „humanen Umgangs“ oder „artgerechter Haltung“. Reformen in der Zucht von „Pelztieren“ hätten gezeigt, dass eine ökonomische Schwächung durch Vorgaben wie größere Käfige oder bauliche Maßnahmen durchaus zu einer Beendigung der Ausbeutung geführt haben. Der Tierschutz müsse sich mit der Frage der bloß regulativen Tiernutzung oder der Abschaffung im Sinne einer Beendigung der Tierausbeutung auseinandersetzen. Reformen in der Schweiz hätten beispielsweise dazu geführt, dass 17 000 Betriebe BTS-zertifiziert seien, was für „besonders tierfreundliche Stallungssysteme“ steht, als Konsequenzen tierschützerischer Forderungen. Dadurch konnten u.a. die Tierarztkosten in der „Nutztierhaltung“ gesenkt werden, was die Signalwirkung habe, dass Tierschutz durchaus auch „rentable“ sei. Die Frage sei dennoch, für welchen Reformismus sich Tierschutzaktivisten entscheiden. Zwischen Theorie und Praxis lägen Welten. Der Referent kam zu der Schlussfolgerung, dass wir uns weniger mit uns selbst beschäftigen sollten als mit unserem Gegner. Wir bräuchten Fallstudie und eine intensive Auseinandersetzung mit dem Gegner. Absolutismus bleibe „die beste Moraltheorie“, die Debatte darüber sei aber „sehr akademisch“. Das Problem bestehe nach wie vor darin, dass Tiere als ökonomische Ressource gesehen werden, auch im akademischen Bereich. Abolitionismus stelle ein Ideal dar, Reformismus dagegen die Strategie. Allerdings stelle sich beides „in Reinkultur“ ebenfalls als schwierig dar, wie ein Zuhörer aus dem Publikum dazu anmerkte.
Während Monika Springer in einem der Vortragsräume über „Anti-Burn-Out Strategien“ einen Arbeitskreis anbot, referierte Thomas Schwarz von der Universität Duisburg-Essen im Festsaal über „Tierrechtskurse in virtuellen sozialen Räumen“ und gab etliche, teils amüsante, teils nachdenklich stimmende Beispiele für verschiedene Diskurstypologien in Online-Foren, die oftmals auch von „Tierrechtsgegnern“, also auch von Jägern, Metzgern und sich im virtuellen Raum demonstrativ als Tierverächter gebenden Personen frequentiert würden. Dabei ging es u.a. um eine zur Debatte gestellten Frage im Forum von vegan.de, ob Black Metal hören veganen Kriterien entspräche, oder inwieweit selbst Knoblauch nicht mehr als vegan bezeichnet werden kann, wenn ein bestimmter Stoff ob seiner Wirkung im Tierversuch getestet worden ist (antispe.de). Des weiteren wurde auf Diskurse in Foren Bezug genommen, die beispielsweise sich mit der Frage auseinandersetzen, ob ein unveganer Etikettenkleber (der möglicherweise Casein enthalten kann) zur Ablehnung eines an sich veganen Produktes führen soll, was beispielsweise auf eine Flasche mit Mineralwasser zutreffen könne, wobei Trinkwasser generell auch in Tierversuchen getestet würde. Zwei Beispiele sorgten insbesondere für eine heitere Stimmung: zum einen ging es im Bezug auf die Hardcore-Szene um die Frage aus einem sich „antivegan“ nennenden Forum, „wie hoch der Grad der Unterwanderung dieser Subkultur durch Tofunazis ist“ und ob es sich bei den Straight-Edgern, die einen Teil der Hardcore-Szene ausmachen, ebenso wie bei den (Zitat Forum) „Mainstreamveganern“ „größtenteils um gelangweilte Mittelstands-Wohlstandsmaden handelt“, die ein „armseliges Asketendasein“ fristen würden, dem der Referent mit soziologischer Theorie und einer guten Portion Humor begegnete und den Verfasser damit völlig demontierte. Gleiches galt für das letzte Beispiel aus dem Forum „vegane-katzen.de“, welches dem Plenum als Handout zur Verfügung gestellt wurde. Auch hier brachte eine mit Erkenntnissen aus der Psychoanalyse/Psychologie und der Soziologie gespickte Kurzanalyse des Schlagabtausches zwischen zwei Foren-Nutzern ebenso Interessantes wie Lustiges zutage. Als Resümee stellte der Referent fest, dass einerseits virtuelle soziale Gemeinschaften („online communities“) zur (nicht nur) virtuellen Vernetzung von Tierrechtlern beitragen können, andererseits diese Aktivitäten aber auch wichtiges Potential bündeln würden, das anderswo möglicherweise effizienter zum Tragen kommen würde.
Nach dem Mittagessen sprach Daniel Rolke, seit 16 Jahren Tierrechtsaktivist in Schweden und Initiator erfolgreicher Kampagnen gegen eine Versuchshundezucht, eine Versuchskatzenzucht und eine Chinchillafarm, in englischer Sprache über seine Undercover-Recherchen als Tierpfleger in Tierversuchslabors. Zudem ist Rolke Mitbegründer der Tierrechtsallianz. Ebenfalls auf englisch war der letzte reguläre Vortrag von Mike Huskisson, seit 37 (!) Jahren tierrechtsaktiv und Gründer der Animal Cruelty Investigation Group 1989, England, über 27 Jahre Undercover-Recherchen in Jagdkreisen und Tierversuchslabors, seine Erfahrungen als Jagdsaboteur und seine Gefängnisstrafe für Tierbefreiungen aus Tierversuchslabors.

 

 

Und wie geht’s weiter?“

Mit dieser eigentlich sehr nüchtern klingenden Frage sollte Martin Balluch schließlich dem Tierrechtskongress einen ebenso würdigen wie bewegenden Ausklang verschaffen. Dies geschah zunächst durch einen Rückblick auf viele Jahre aktive Tierrechtsarbeit, die Balluch noch einmal Revue passieren ließ. Und nicht nur Erfolge standen dabei im Mittelpunkt sondern vielmehr sogar auch Nahtod-Erfahrungen im Zuge seines Hungerstreiks während seiner Inhaftierung, Todesängste bei der Bedrohung durch wütende Pelzfarmbetreiber in Skandinavien oder die Ermordung eines Freundes durch einen Jäger im Jahre 1993, der er unmittelbar Zeuge wurde und die mit einem Freispruch des Jägers endete. Bilder, genauer gesagt Filmaufnahmen, die vielfältige Formen der Tierquälerei durch den Menschen dokumentierten, leiteten schließlich zum Schlusswort des trotz aller Umstände hoffnungsfroh gestimmten Martin Balluch über. Im Jahr 2010 soll es wieder einen – diesmal dann internationalen – Tierrechtskongress mit wieder vielen hochkarätigen Rednern geben, zwei Jahre später, also 2012, dann wieder einen Österreichischen Tierrechtskongress mit dem hauptsächlichen Fokus auf die Tierrechtsbewegung im deutschsprachigen Raum. Alles in allem ein mehr als gelungener Kongress, der hoffentlich noch lange nachwirken wird – zur Befreiung von Mensch und Tier!


Tierschutz im Unterricht

  Tierschutz im Unterricht

Auch wenn der Tierschutz mittlerweile als Staatsziel in der Verfassung verankert ist, scheinen die Bundesländer frei nach der Devise „Bildung ist Ländersache!“ zu agieren, d.h. eine Erziehung für Tiere, also Tierschutz-Unterricht ist in keinem Bundesland  im Curriculum zu finden.

Wir leisten Abhilfe:
Thomas Schwarz, ein erfahrener Pädagoge, der seit mehreren Jahren Tierschutzunterricht praktiziert bietet seine Hilfe an. Wichtig ist ihm, durch Aufklärung die verschiedenen Mensch-Tier-Beziehungen zu  verbessern. Dies versucht er nicht durch Horror-Videos zu erreichen, stattdessen erarbeitet er mit den Teilnehmern ausgehend von den biologischen Bedürfnissen einen tiergerechten Umgang.

Sein Ziel ist möglichst jungen Teilnehmern, ab dem 8. Lebensjahr, ein Gefühl zu vermitteln, dass Tiere eben keine Sachen sind sondern Lebewesen mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen,die wir Menschen respektieren müssen.

Der Tierschutz-Unterricht ist in der Regel  für die Schulen kostenlos und wird meistens in Form von Projekttagen an den Schulen durchgeführt.

www.Tierschutzlehrer.com  

Tierschutzfall – Was tun?

Ein Tier ist in Not, es wird schlecht „gehalten“ oder gequält, ist heimatlos oder verletzt…

I) Handeln bei offensichtlicher Tierquälerei 

Es muss belegt werden, „wer, wann, wo, was“ getan hat. Sichern Sie Beweise!
Holen Sie sich Zeugen und bitten diese um eine eidesstattliche Versicherung.
Machen Sie Fotos oder Videos vom Geschehen und Tatort. Notieren Sie sich Namen, Adressen, KFZ-Kennzeichen. Stellen Sie Strafanzeige bei der Polizei oder bei der Staatsanwaltschaft.

Im Zweifelsfall:
Wenden Sie sich an das zuständige Veterinäramt. Nehmen Sie Kontakt mit dem nächst gelegenen örtlichen Tierschutzverein auf. Informieren Sie uns.  Unser Tierschutzteam berät Sie und steht Ihnen gerne zur Seite.

Wichtig:
NarbeSchreiben  Sie  Ihre  Beobachtungen auf.  Fassen Sie die Fakten kurz zusammen, geben Sie Datum und Uhrzeit an und legen Sie diese Schreiben den Behörden vor.  Rufen Sie nach ein paar  Tagen  an und  erkundigen  sich,  was  unternommen  wurde.  Machen Sie  den Mitarbeitern klar,  dass Ihnen der Fall  sehr  am  Herzen  liegt,  bieten Sie Ihre Unterstützung an. Kopieren Sie ihre Unterlagen, fertigen Sie Telefonnotizen an,  halten  Sie  fest,  mit  wem Sie  wann  gesprochen  haben.
Mit  einer sachlichen, nachvollziehbaren  Falldokumentation  können Sie auch zu  Zeitungen  oder Fernsehsendern gehen  und versuchen, die Reporter für den Fall zu interessieren. Ein Presse oder Fernsehbericht kann die Behörden zum Handeln bringen oder den Täter einschüchtern. Andere Menschen können motiviert werden, sich  ebenfalls tatkräftig  für  Tiere ein zu setzen. Es kann schwierig  sein, gegen Tierquälerei vorzugehen; oft wünschen  wir, dass die Behörden schneller handeln würden.

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II) Fundtiere und herrenlose Tiere

Das Bürgerliche Gesetzbuch unterscheidet zwischen Fund- und herrenlosen Tieren.
HH_F Nr_ 005sFundtiere sind entlaufene bzw. verlorengegangene Tiere, deren Besitzer unbekannt ist. Fundtiere unterliegen  dem  Fundrecht. Der Finder muss den Fund unverzüglich dem  Eigentümer bzw. der zuständigen Fundbehörde melden. Für die Aufnahme und  Betreuung  ist  die Gemeinde bzw. die Stadt zuständig, die häufig  mit dem örtlichen Tierheim einen Vertrag über die Aufnahme solcher Tiere abgeschlossen hat.
Die Kosten können bei Bekanntwerden des Besitzers diesem in Rechnung gestellt werden. Probleme  entstehen  bei  der  Frage nach der Übernahme  der  Kosten  bei  der Behandlung aufgefundener verletzter Tiere. Hier mangelt es oft an konkreten  Absprachen  zwischen Tierärzten, Tierschutzvereinen und Behörden. Nach der Meldung eines Fundtieres kann das Tier u.U. zur Pflege beim Finder bleiben.
Meldet sich aber der ursprüngliche Tierhalter, muss das Tier wieder zurückgegeben werden. Der  „Besitzanspruch“  geht erst nach sechs Monaten auf den neuen Halter über. Die Gemeinden  übernehmen die Kosten für das Tier  nur für vier Wochen.  Behält der Finder das Tier,  muss er  für  weitere  Kosten  aufkommen. Unter herrenlosen Tieren sind nach bürgerlichem Recht Tiere zu verstehen, an denen kein  Eigentum besteht.  Bei herrenlosen Tieren handelt  es sich um ausgesetzte oder
freilebende/verwilderte Haustiere, sowie um Wildtiere in freier Wildbahn. An ihnen besteht kein Eigentum. Sie unterliegen nicht dem Fundrecht. Für die Fundbehörde besteht keine Pflicht zur Aufnahme und Betreuung dieser Tiere.
Wilde Tiere gelten  als  herrenlos,  solange  sie sich in Freiheit befinden. Wildtiere in Tiergärten und Wildgehegen sowie Fische in Teichen oder anderen geschlossenen  Privatgewässern  sind nicht  herrenlos. Gefangengehaltene  Wildtiere werden herrenlos, wenn sie ihre Freiheit wiedererlangen und der Eigentümer nicht unverzüglich die Verfolgung aufnimmt oder wenn er  die  Verfolgung  aufgibt.  Ein  gezähmtes Tier gilt dann als herrenlos, wenn es die  Gewohnheit  ablegt, an den  ihm  bestimmten  Ort zurückzukehren.
270307_135473816532589_100002099156944_251738_2452263_nFreilebende Katzen und Tauben sind ebenfalls herrenlos. Es  ist lobenswert, wenn sich wohl meinende Tierfreunde um scheinbar  herrenlose Tiere kümmern. Zuvor  muss jedoch  unbedingt abgeklärt werden, ob das Tier tatsächlich herrenlos ist. Das Aneignen eines Tieres,  das  bereits einen Halter hat, erfüllt den Tatbestand des Diebstahls.
Wer eine  freilaufende  Katze  beobachtet, muss es nicht unbedingt mit einem „Findelkind“  zu tun haben. Eine Katze, die wohlgenährt  ist  und  ein glänzendes Fell hat, ist meist ein Freigänger. Oft ist in solchen Fällen die  Versuchung  groß,  das Tier zu füttern. Davon muss aber abgeraten werden. Natürlich  dürfen  Sie  das  Tier  in  Ihre Wohnung lassen. Es sollte aber unbedingt wieder hinaus  dürfen,  sobald  es  dies  möchte. Beobachten Sie das Tier, aber halten Sie sich mit einer vorschnellen „Adoption“ zurück. Ein verwahrlostes, abgemagertes Tier mit struppigem Fell dagegen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit herrenlos. Hier ist Füttern nicht nur erlaubt, sondern notwendig.
Bei ausgehungerten Tieren muss das Futter aber vorsichtig dosiert werden. Zuviel auf einmal ist für den kleinen Magen schädlich. Macht die Katze deutlich, dass sie ihr bequemes Plätzchen nicht verlassen möchte, ist die vorläufige Aufnahme des Tieres erlaubt. Ähnliches gilt selbstverständlich auch für Hunde. Hier gibt es doch den einen oder anderen „notorischen Streuner“, der jede Gelegenheit für ausgedehnte Streifzüge nutzt.

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II.a) Fundtiere

Wie sollten Sie vorgehen, wenn Sie einTier finden?
Hunde - Animal Hoarding ist eine krankhafte StörungZuerst  muss  das  Tier  auf  Halsband  oder Tätowierung untersucht werden, die eventuell Hinweise auf den Halter geben. Bei tätowierten Tieren können Tierarzt oder örtlicher Tierschutzverein bei der Suche nach dem Halter oft weiter helfen. Der Fund des Tieres muss immer gemeldet werden. Am besten bei der Polizei und der Ordnungsbehörde (Fundbüro) der Gemeinde. Die Meldung bei der Gemeinde muss schriftlich erfolgen in Form einer Fundtieranzeige. Nur so besteht Anspruch auf Erstattung entstehender Kosten, insbesondere Tierarztkosten.
Als nächstes sollten Sie mit dem „Findelkind“ zum Tierarzt gehen. Dieser untersucht den Gesundheitszustand und kann mit einem speziellen Lesegerät auch nach einem eventuell vorhanden Micro-Chip suchen. Die Kosten hierfür übernimmt bei einem Fundtier in der Regel die Gemeinde bzw. Stadt.
Allerdings nur, wenn bei ihr eine schriftliche Meldung der „Fundsache“ vorliegt. Hängen Sie Zettel in Ihrem Wohngebiet aus. Achten Sie auf Vermisstmeldungen von Tieren.

III) Fund eines verletzten Tieres

Wildtiere und Haustiere
Das Gesetz unterscheidet hier nach verschiedenen „Kategorien“.

1. Haustiere, hierzu zählen z.B. Katzen und Hunde.
Das Tier sollte unverzüglich, aber vorsichtig zum Tierarzt gebracht werden. Nach Versorgung der Verletzungen kann nach einem eventuell vorhandenen Micro-Chip gesucht werden.
Anschließend kann man sich auf die Suche nach dem Besitzer machen. Auch hier gilt: Der Fund muss gemeldet werden. Zusätzlich zur schriftlichen Meldung an die Gemeinde muss eine Bestätigung des Tierarztes über Behandlung und Kosten vorliegen. Hängen Sie Zettel aus und achten Sie auf eventuelle Vermisstmeldungen. Falls man eine tote Katze oder einen toten Hund an der Straße findet, sollte man auch dies dem nächstgelegenen Tierschutzverein melden.
Nur so kann der Tierhalter, der sein Tier vermisst, Gewissheit erhalten.

2. Wildtiere, z.B. Igel, Rehe, Kaninchen usw.
Foto: BILD - ZeitungTiere, die zum „jagdbaren Wild“ gehören, dürfen nicht vom Fundort entfernt werden. Dies wäre „Wilderei“, da diese Tiere Eigentum des Jägers sind. Für Tierschützer unverständlich, aber gesetzlich legitimiert. Ansprechpartner für Wildtiere (einschließlich besonders geschützter Tiere) sind der Jagdpächter, die zuständige Jagd- bzw. Naturschutzbehörde, ansonsten die Polizei. Diese müssen unverzüglich informiert werden. Verletzte Igel und andere Wildtiere, an denen der Jagdpächter kein Interesse hat, dürfen dagegen zum Tierarzt gebracht werden. Für die Kosten übernahme gibt es keine gesetzlichen Bestimmungen. Einige Tierärzte übernehmen die Behandlungskosten freiwillig, ansonsten müssen Sie zahlen. Wieder genesene Wildtiere dürfen Sie auf keinen Fall behalten, sie gehören zurück in die Freiheit.