Monatsarchiv: Dezember 2008

Der Tierschutzfall Kati

Kati – kleines Schwein (doch) ganz groß!

Als uns der Notruf einer verzweifelten Halterin eines sog. Minipigs erreichte, ahnten wir schon, was auf uns zukommt. Dass es allerdings solch komplizierte wie auch tragische Ausmaße annimmt, daran hätten wir anfangs nicht gedacht… bis wir Kati selbst sahen.

Ein Minischwein mit stattlichen ausgewachsenen 120 kg Gewicht, eingepfercht in einem Zimmer des Dachgeschosses einer Stadtwohnung.
Kati ist aufgrund falscher Haltung und Bewegungsmangel lebensgefährlich dick und ihre kleinen Gelenke halten dem Gewicht kaum noch stand. Das dreijährige Schwein, welches die Halterin als sog. Minipig von einem Züchter bezog, sollte laut Rasseangabe um die 30-60 kg schwer werden. Ein niedliches Haustier, dachte man sich.
Nun wiegt Kati mindestens das Doppelte.
Ihre Klauen sind viel zu lang, ungepflegt und wachsen schon nach oben, so dass Kati sich kaum noch bewegen kann.
Kati hinterlässt einen jämmerlichen Eindruck. Keine Artgenossen, kein Auslauf, keine Möglichkeit ihren arteigenen Bedürfnissen zu folgen, ein verfetteter Körper und schmerzende Beine.

Wir zeigten die Bilder einer Tierärztin, die sich zwar erschrak, dennoch aber wusste, dass die Folgen dieses Modetrends der Minischweinhaltung abzusehen waren und Kati nur ein Fall von vielen ist.

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Ein Gewicht von 30 – 60 kg sollte bei Minischweinen normaler Durchschnitt sein. Allerdings gibt es wohl aufgrund der erst kurzen Zuchtgeschichte auch immer mal wieder Tiere die 100kg und mehr erreichen.
Die Haltung der Minischweine als Haustiere hat uns wohl wie so oft über Amerika ereilt. Gesetzlich allerdings unterliegen sie den Bestimmungen die in der Landwirtschaft gelten, da egal ob Hausschwein oder Minischwein diese immer noch Nutztierstatus haben.
Generell ist es so, das es laut Schweinehaltungsverordnung verboten ist Schweine einzeln zu halten, da diese Rudeltiere sind.
Auch Minischweine sind soziale Tiere und brauchen Kontakt zu Artgenossen.
Wenn man diese Punkte mal alle zusammenfasst, hat die Besitzerin von Kati gegen geltendes Recht verstoßen. Hinzu kommt noch der erbärmliche Zustand des Schweines.“

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Kati aus diesem Verlies heraus zu holen, wird sich mehr als schwierig gestalten, da das Tier mit 120 kg Gewicht nicht einfach aus dem Dachgeschosszimmer getragen werden kann. Auch kann Kati die Treppen mit ihrem massigen Körper und den schmerzenden Beinen nicht mehr allein bewältigen. Eine Betäubung bei Kati könnte laut tierärztlicher Auskunft ebenfalls lebensgefährlich sein.

Wir werden also Spezialisten und Rettungskräfte hinzuziehen müssen, die uns helfen, Kati aus ihrem Gefängnis zu befreien und der überforderten sowie einsichtigen Halterin zu helfen, ihrer Verantwortung gegenüber Kati wenigstens jetzt noch gerecht zu werden und ihr ein artgerechteres Leben auf einem Tierhof zu ermöglichen.
Die Tierärztin, die uns mit Rat und Tat zu Seite steht, sieht die Verantwortung allerdings auch zu großen Teilen bei den profitorientierten Tierhändlern und Zoofachgeschäften, die die in Mode gekommenen Tier wie auch allerlei Zubehör verkaufen.
Wie immer mit dabei, der schon oft ins Tierschutzvisier geratene Zoofachriese Zajac, der alles anbietet, was grade Trend ist…von exotischen bis heimischen Wild- und Haustier-arten. Natürlich fehlt da auch das Minischwein nicht im Sortiment.

„Die Unterbringung in einer Wohnung ist überhaupt nicht tiergerecht, egal ob MiniSchwein oder ausgewachsenes Schwein. Aber leider wird den Menschen ja auch durch diverse Fernsehsendungen / Reportagen suggeriert, dass es schick ist sich solche außergewöhnlichen Tiere zu halten. Leider immer auf Kosten der Tiere.“

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