Monatsarchiv: Juni 2007

Wildpferdefang in Dülmen – Nachtrag

Persönlicher Erfahrungsbericht

Nachdem wir mit mehreren unterstützenden Tierschutz-/Tierrechts – Organisationen im Laufe der letzen Woche an die Öffentlichkeit herangetreten sind (siehe offenen Brief), um unsere Bedenken und Wünsche bezüglich des jährlichen Wildpferdefangs in Dülmen zu äußern, habe ich mich am Samstag mit einigen Vertretern der Presse zum Ort des Geschehens begeben, um das Spektakel genau zu beobachten. Ich möchte nicht versäumen, meine persönlichen Eindrücke einmal Revue passieren zu lassen.

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Was ist mir aufgefallen? Was habe ich erlebt? Vieles…

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1.  Zuerst etwas zutiefst Menschliches.
Der seltene Anblick einer wilden Pferdeherde, eines letzten Stückes bewahrter Natur in dieser direkten Nähe ist etwas Atemberaubendes. Ich kann die Anziehung, die dieser Anblick auf die vielen dort anwesenden Menschen hat, durchaus nachvollziehen. Es treibt einem eine Gänsehaut über den Rücken.
Es ist unbestritten ein beeindruckendes Schauspiel, dessen man sich vor Ort nicht verschließen kann.

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2.  Und doch war mit äußerst bewusst, warum ich da war. Warum wir von animal peace Tierhof  und die weiteren Vereine unser Veto nach wie vor vorlegen wollen, um ein paar Dinge zu ändern.
Die Tiere mit der Hand zu fangen, sie überhaupt zu fangen, ist vielleicht NOCH eine notwendige Angelegenheit, um dieses einzigartige kleine Paradies in Zukunft bewahren zu können.
Jedoch wurde mir die Motivation während des Ablaufes wieder bewusst. Die tausenden Zuschauer, der zusätzliche Stress, die Vergnügungsmaschinerie für Menschen, das wahrlose Versteigern und Verlosen der Jährlinge, das überflüssige Branding…

insgesamt warscheinlich ein lohnendes Geschäft…auf Kosten der Tiere.

Man muss Umdenken und den Tieren den Weg in ein anderes Leben behutsamer ermöglichen. Sollte das Geld der Veranstaltung für das Reservat von Nöten sein, kann man sicher andere Wege des Sponsorings suchen und auch finden. Worauf ich gerne noch mal verweisen möchte, denn auch wir würden gerne dazu beitragen, dass etwas so Einmaliges erhalten bleibt.

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3.  Die Veranstalter in Dülmen hatten den Presserummel um unseren „offenen Brief“ durchaus mitbekommen und das war dem Ablauf des Spektakels auch anzumerken.
Das erste Mal wurde mit etwas mehr Behutsamkeit agiert und der Ansager hat im Verlauf des Fangens mehrfach erklärt, dass diese Tiere nur dem nötigsten Stress ausgesetzt wurden, es sich nicht um brutale Tierquälerei handelt. Das war ein offizielles Statement, welches wohl absichtlich diesmal niemand überhören sollte.

Natürlich bin ich der Überzeugung, und das war ich auch vor diesem Samstag schon
(entnehme man dem offenen Brief), dass keiner dort absichtlich die Tiere quälen möchte.
Doch gehen die Meinungen über Notwendigkeiten, das „Wie“ auch weiterhin auseinander.
Ich möchte nach wie vor den Dialog mit dem Park Dülmen anstreben.
Es wäre wünschenswert, wenn der Mensch, der die Aufgabe übernommen hat, dieses einzigartige Stück Natur auch weiterhin zu erhalten, auch seine Möglichkeiten nutzt, zu jedem Zeitpunkt moralisch fortschrittlich zu handeln.
Für die Tiere und diesmal vielleicht auf Kosten des Showeffektes, einer Machtdemonstration, die wir nicht benötigen.

      

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